Der Online-Broker Comdirect führt eine Pauschalgebühr für die Kundenberatung ein. "Wir haben uns vom Broker zur Vollbank entwickelt. Mit der "Anlageberatung plus" wollen wir jetzt zur Erstbank für unsere Kunden werden", sagte der Chef der Commerzbank-Tochter, Michael Mandel, am Donnerstag der Nachrichtenagentur Reuters.
Für eine Gebühr von 0,05 Prozent des Portfoliowerts, mindestens aber 24,90 Euro im Monat, können die Comdirect-Kunden von der zweiten Novemberhälfte an mit zunächst 20 Beratern telefonieren. Produktprovisionen fallen dann nicht mehr an, die Transaktionen kosten so viel wie bei Comdirect sonst auch.
Die Commerzbank ist damit die erste deutsche Großbank, die eine Honorarberatung anbietet. Verbraucherschützer fordern sie schon lange. Sie gehen davon aus, dass ein Bankberater eher auf die Kundenbedürfnisse eingeht, wenn er nicht auf die Provisionen für einzelne Produkte schielt. Anders als in den USA ist diese Art der Beratung in Deutschland bisher ein Nischenprodukt. Auch Commerzbank-Chef Martin Blessing, der im September über einen Feldversuch mit 400 Kunden berichtet hatte, glaubt nicht an schnelle Erfolge: "Es wird ein langsamer Prozess sein, aber ich bin sicher, dass es am Ende einen Markt dafür gibt", sagte er.
Mandel betonte, der Test sei bei den Kunden gut angekommen. Er zielt mit der Honorarberatung zunächst auf die bestehenden 1,44 Millionen Privatkunden ab. Wachstumsziele wolle er im Februar nennen, wenn erste Erfahrungen vorlägen. Nachdem seit Anfang 2008 rund 450.000 Kunden hinzugekommen seien, gehe es nun um qualitatives Wachstum. Nur die Hälfte der Comdirect-Kunden hat ein Wertpapierdepot, gut 940.000 unterhalten ein Tagesgeldkonto.
Quelle: Reuters