Die Liquidität des zugrunde liegenden Index hat eine große Bedeutung beim Handel von ETFs. Das Xetra-Liquiditätsmaß deckt implizite Handelskosten auf und stellt sie transparent dar.
Das zentrale Qualitätsmerkmal von Wertpapiermärkten ist ihre Liquidität. Volkswirtschaftlich betrachtet ist sie essenziell für eine möglichst kostengünstige Kapitalbeschaffung der Unternehmen. Aus einer mikroökonomischen Perspektive heraus betrachtet stellt Liquidität sicher, dass der Markt die Handelsinteressen des einzelnen Investors ausreichend abdecken bzw. bedienen kann.
Sobald sich ein Anleger auf ein Wertpapier festgelegt hat, möchte er es zu möglichst geringen Transaktionskosten handeln. Dabei unterscheidet man zwischen zwei Formen von Transaktionskosten: expliziten und impliziten Kosten. Explizite Transaktionskosten sind jedem Anleger ersichtlich. Sie setzen sich aus Gebühren, Provisionen und Steuern zusammen und sind meist auf den Wertpapierabrechnungen der Abwicklungsbank aufgeführt. Doch neben diesen expliziten Kosten fallen auch die sogenannten impliziten Transaktionskosten an. Diese sind für Anleger nicht so leicht zu ermitteln.
Implizite Transaktionskosten, auch bekannt als sogenannte „Market Impact Costs", beschreiben die Auswirkungen eines Kaufs oder Verkaufs eines Wertpapiers auf dessen Preis. Diese Veränderungen entfallen stets zuungunsten des Akteurs. Beim Kauf führt die gestiegene Nachfrage zu einer Erhöhung des Wertpapierkurses. Umgekehrt kommt es bei einem größeren Verkauf zu einem Kursrückgang. Die Differenz zwischen dem theoretischen und dem tatsächlich erzielten Preis entspricht den impliziten Transaktionskosten.
Die Deutsche Börse AG hat auf ihrem elektronischen Handelssystem Xetra eine Kennzahl eingeführt, die Anlegern einen besseren Überblick über die anfallenden impliziten Kosten geben soll: das Xetra-Liquiditätsmaß (XLM). Mithilfe einer Transaktionsanalyse soll die Marktliquidität in einer einzigen Kennzahl ausgedrückt werden. Dies soll Investoren eine einfache und zuverlässige Methode zur Einschätzung von Handelskosten an die Hand geben. Das XLM wird in Basispunkten angegeben. Je kleiner es ist, desto geringer sind die impliziten Kosten.
ETFs weisen nicht nur günstige explizite Kosten auf, sondern auch niedrige implizite Kosten (siehe Tabelle). So wird für den iShares DAX ETF (WKN 593393) ein XLM von 4,04 ausgewiesen. Betrachtet man die XLMs einzelner DAX-Werte, wird deutlich, dass lediglich zwei Werte der insgesamt dreißig Aktien des DAX-Index einen niedrigeren XLM aufweisen als der passende DAX-ETF von iShares. Beim direkten Handel der im DAX enthaltenen Werte fallen also höhere implizite Transaktionskosten an als beim „indirekten" Handel über den ETF.
Anleger sollten die XLMs ähnlicher ETFs immer miteinander vergleichen. Der ComStage DAX-ETF (WKN ETF001) weist ein XLM von 9,84 auf. Das entspricht zwar nur einer Differenz von 0,06 Prozent im Vergleich zum iShares DAX-ETF, doch gerade für besonders kostenbewusste Anleger und bei größeren Anlagebeträgen fallen diese Kosten ins Gewicht. Grundsätzlich gilt: Je liquider ein ETF gehandelt wird, desto geringer sind auch seine impliziten Kosten.
| Wertpapier | WKN | XLM |
| iShares DAX ETF | 593393 |
4,04 |
| Lyxor DAX ETF | LYX0AC |
5,98 |
| ComStage DAX ETF | ETF001 |
9,84 |
| Deutsche Bank AG | 514000 |
3,40 |
| Allianz AG | 840400 |
4,40 |
| Daimler AG | 710000 |
5,00 |