Aktien sind alles, aber nicht alternativlos

Aktien sind alles, aber nicht alternativlos

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Aktienmärkte bietet oft hohe Risiken
Diverse Anlageklassen erscheinen über lange Zeiträume attraktiver als Aktien.

Im Nullzinsland ist die Aktie offenbar die Wunderdroge gegen den Vermögensverlust. Doch sind Aktien in einem privaten Depot wirklich so alternativlos, oder ist die Anlageklasse einfach nur hoffnungslos überschätzt? Zwei Vermögensberater geben ihre Einschätzung.

Wenn Aktien heute als alternativlos gelten, sollte man naheliegenderweise zunächst einmal prüfen, ob diese alternativlose Gesetzmäßigkeit bereits früher gegolten hat. Über einen Zeitraum von fast 50 Jahren konnte der deutsche Rentenindex REXP TR das Ergebnis des deutschen Aktienindex DAX übertreffen. So erzielte der deutsche Rentenindex seit Beginn seiner Berechnung am 31. Januar 1967 eine durchschnittliche Rendite in Höhe von 7,93 Prozent pro Jahr. Der DAX brachte es im gleichen Zeitraum auf lediglich 6,89 Prozent.

In den vergangenen rund 50 Jahren war eine Anlage in deutschen Renten vermutlich nicht alternativlos, aber zumindest alternativloser als die Anlage in deutschen Aktien. So weit, so ungut. Sind deutsche Renten also wirklich alternativloser als andere Alternativen? Da die Zinssätze deutscher Bundesanleihen mit Laufzeiten bis einschließlich fünf Jahren derzeit negative Renditen ausweisen, sind deutsche Renten in der heutigen Zeit vermutlich allenfalls ein alternatives Los zum Los der Klassenlotterie, bei dem man im Vorhinein ja eigentlich bereits weiß, dass man nun auch die letzte Alternative los ist, endlich reich zu werden.

Daher noch einmal eine Kehrtwende und zurück zu Aktien. Während der letzten 50 Jahre haben Aktien nicht nur Renditen erzielt. Mitunter sind die Burschen mit uns auch mal Achterbahn gefahren. Manchmal mehrmals in Folge. Schaut man sich diese Fahrten einmal genauer an, stellt man Folgendes fest: An manchen Steilwänden ging es auf der DAX Achterbahnfahrt das eine oder andere Mal ordentlich bergab – im schlimmsten Fall mal mit einem Gefälle von 72,7 Prozent.

Doch damit nicht genug. Zwei Abwärtsphasen waren dabei besonders lang: Zwischen November 1969 und April 1983 drehte der DAX erst nach 13 Jahren und vier Monaten wieder ins Positive. Und von März 2000 bis Sommer 2013 durften wir wiederum mehr als 13 Jahre Achterbahn fahren ohne einen Cent verdient zu haben. Deutsche Aktien – eine „beeindruckende“ Anlageform: durchschnittliche Rendite pro Jahr in den letzten 50 Jahren: 6,7 Prozent, maximaler zwischenzeitlicher Verlust: 72,7 Prozent, längste Verlustphase: 13 Jahre vier Monate. Diese Zahlen sollte man sich mal in die Mütze meißeln, um zu wissen, wie niedrig die Messlatte für Alternativen zur Alternativlosigkeit doch eigentlich hängt.

Wenn Sie sich mich fragen, sind Aktien alles, aber nicht alternativlos. Alternativlos sind für mich diejenigen Finanzexperten, denen es gelingt, dass Vermögen der Anleger ertragreich und unaufgeregt nach Hause zu bringen.

André Kunze ist geschäftsführender Gesellschafter bei der Prometheus Vermögensmanagement GmbH in Langenfeld. Direkter