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ET-Produkte suchen ein Zuhause

In den 80er Jahren rührte ein schrumpliges, kleines außeridisches Wesen mit Leuchtefinger das Kinopublikum zu Tränen. Und das nur mit dürren Worten. E.T. wollte „nach Hause". Auch kein Zuhause haben ein paar andere ETs. ETCs und ETNs - sie alle gehören zu der großen Familie der Exchange Traded Products, kurz ETPs, die in diesem Artikel der Einfachheit halber als ET-Produkte bezeichnet werden.

Das ET im Namen zeigt die Verwandtschaft mit den ETFs an und hat bei allen Familienmitgliedern in diesem Produkteuniversum die gleiche Bedeutung. Es steht für „Exchange Traded", was übersetzt aber eigentlich nur „börsengehandelt" bedeutet. Das heißt alle „ETs" können wie eine Aktie gehandelt werden. Der Anleger kann sie schnell kaufen und wieder verkaufen. Damit sind sie flexibler als bei offenen Investementfonds. Hier kann die Spanne zwischen Verkaufswunsch und der tatsächlichen Umsetzung durchaus einmal zwei bis drei Tage dauern. Zudem haben ETs in der Regel mehrere Market Maker. Diese stellen die Preise und umso mehr Market Maker sich um ein Produkt kümmern, desto niedriger sind die Spannen zwischen Geld- und Briefkurs, was sich für den Anleger letztlich wieder rechnet.

Rechtlich sind ETCs und ETNs Inhaberschuldverschreibungen

Die beiden Buchstaben ET sagen allerdings nichts über andere Merkmale aus, die für einen Anleger auch interessant sind und den Siegeszug der ETFs begründet haben. ET ist kein Garantielabel für ein minimales Ausfallrisiko. ETFs sind zum Beispiel Sondervermögen und damit Fonds. Geht der Emittent Pleite, ist das Fondsvermögen geschützt. Rein rechtlich sind ETCs und ETNs dagegen - genauso wie Zertifikate - Inhaberschuldverschreibungen. Fällt der Emittent aus, erleidet der Anleger einen Totalverlust. Diese feinen Unterschiede zeigen sich in einem anderen Umstand, der mit Blick auf die Marktbetrachtung verwirrt: Es gibt keine umfassende Statistik, die alle ET-Produkte berücksichtigt. ETFs zum Beispiel werden als Fonds auch von der Absatzstatistik des Bundesverbandes Investment und Asset Management (BVI) berücksichtigt - und das obwohl ETFs passiv gemanagt werden, da sie ja lediglich den ihnen zu Grunde liegenden Index abbilden, und nur die Hülle einem Fonds entspricht.

ETCs und ETNs haben keine eigene Lobby

ETCs und ETNs sind quasi ohne Lobby und das, obwohl die Branche sie schon in eindeutige Schubladen gesteckt hat. Erst kürzlich wurde ein ETC, der Physical Gold Euro Hedged ETC (A1EK0G) von db-xtrackers beim Zertifikateaward gleich zwei Mal prämiert. Einmal landete der ETC auf Platz drei in der Kategorie „Zertifikat des Jahres 2010" und zudem wurde er auch als Innovation des Jahres ausgezeichnet. ETNs werden von vielen Finanzexperten als Zertifikate bezeichnet, die den Charme haben, dass sie nicht Zertifikat heißen. Wie der Deutsche Derivate Verband (DDV) auf Anfrage mitteilt, ist er für ETCs und ETNs nicht zuständig. Damit haben diese ET-Produkte, anders als Zertifikate, kein Zuhause und sind verbandstechnisch gesehen heimatlos. Etwas, was man im Hinterkopf haben sollte. Denn der DDV gibt regelmäßig Statistiken heraus und da werden ETCs und ETNs nicht berücksichtigt. Auch nicht, wie bereits erwähnt, vom BVI. Zwar führen Branchenstudien von BlackRock und der Deutschen Bank auch Zahlen über ETCs und ETNs, aber das eher als Unterpunkt zu den ETFDaten. Bei BlackRock wird zwischen ETPs und ETFs unterschieden. Die Analysen der Deutschen Bank fokussieren sich auf ETCs und ETFs.

ETC gewinnnt Zertifikateaward

Dass ein ETC einerseits beim Zertifikateaward ausgezeichnet wurde, ETCs und ETNs andererseits aber nicht in der DDV-Statistik berücksichtigt werden, macht auch klar, dass die Grenzen zwischen den Produkten und ihren Kategorien noch nicht klar ausformuliert sind und damit Interpretationsspielraum zulassen. Genau das verwirrt. Schließlich ist die Einfachheit und die Transparenz bei ETFs wiederum einer der großen Vorteile. Unklar abgesteckte Grenzen kosten auch Anlegerverständnis bei allen Produkten, die mit ET anfangen. Es ist schließlich ohnehin schon verwirrend, dass physisch hinterlegte Gold-ETCs im Volksmund als „ETF" bezeichnet werden, obwohl sie in Deutschland keinen Fondsstatus genießen. Hier zu Lande muss ein Fonds in sich diversifiziert sein und darf nicht nur einen Rohstoff enthalten. Echte Rohstoff- ETFs haben deswegen als Basiswert immer einen breit gestreuten Rohstoff-Index. Wenn man bedenkt, dass aber die physisch hinterlegten Gold-ETCs in der Schweiz einen Fondsstatus genießen und sie deswegen bei einer Emissionen in der Schweiz wiederum Gold-ETFs heißen dürfen, ist die Verwirrung komplett.

Fazit

Da es keine gemeinsame, vollständige Statistik gibt, ist es schwierig, das Wachstum aller ETP Produkte zu verfolgen. Auch aussagekräftiges Datenmaterial nur für ETNs zu erhalten, ist schwierig. Dabei wäre es interessant die Entwicklung dieser Produkte mit Zertifikaten zu vergleichen - denn ihnen ähneln sie mehr als ETFs. Vielleicht gibt es ja bald eine klare Definition darüber welches ETP wohin gehört.

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