Es kommt zu Gewinnmitnahmen bei breiten Bluechip-Indizes. Daneben setzen Anleger gezielt auf einige Branchen und vor allem auf die wirtschaftliche Entwicklung in Schwellenländern – auch mit chinesischen Aktien. Die Umsätze in Aktien-ETFs waren in der vergangenen Woche sehr hoch. Investoren richteten dabei ihr Augenmerk vorwiegend auf Bluechips und große Indizes wie DAX und DJ Euro Stoxx 50.

Bastian Ohta von der Unicredit Group beobachtet, dass große Bestände zurückgegeben werden, allerdings laufen auch Kauforders bei dem Market Maker auf. „Das Anlegerverhalten ist sehr uneinheitlich. Aber unterm Strich kann ich eine Tendenz zum Kasse machen beobachten“, sagt Ohta. Bluechip-ETFs seien besonders betroffen. Das Stock-Picking der vergangenen Tage bei Small- und Midcap-ETFs habe aufgehört. Auch Florian Perini von Flow Traders sieht bei ETFs auf den DAX (WKN 593393), DJ Euro Stoxx 50 (WKNs 593395, 798328) oder den britischen FTSE 100 (WKN 628940) Verkäufe. Nicht wenige Anleger scheinen sich dabei für eine größere Verkaufswelle zu rüsten, denn die Short-Produkte, mit denen man auf fallende Indizes setzen kann, finden ihre Abnehmer (WKNs DBX1SS, DBX1DS).

Zur „Uneinheitlichkeit“ passt, dass andere Spezialisten im ETF-Handel gegenläufiges feststellen. ETFs mit europäischen Bluechips würden tendenziell eher gekauft, meldet Mark Schönbrodt von der Deka-Bank. Eric Wiegand von der Deutschen Bank sieht dagegen vorwiegend Verkäufer in US-amerikanischen Fonds.

Selektiver Griff

Mit dem Satz „die Charts sehen gut aus, die wirtschaftliche Entwicklung lässt zu wünschen übrig“, fasst ein Händler die derzeitige Marktsituation zusammen. Und ein Motto einiger Investoren scheint sich abzuzeichen: Weg von den breiten Indizes, hin zu selektiven Branchen.Gefragte Branchen waren Banken (WKN DBX1SF), Technologie (WKN DBX1TE), Telekommunikation (WKN DBX1ST) oder Automobile (WKN 634471). Nach Perini sei es zu Gewinnmitnahmen bei Immobilien (WKN A0HG2Q) und Banken (WKN LYX0AP) gekommen.

Kräftige Nachfrage Schwellenländer-ETFs

„Aus den Umschichtungen aus den europäischen Bluchip erwächst ein stärkeres Interesse an Schwellenländer-ETFs“, berichtet Perini. Investoren kaufen sowohl Fonds auf breite Indizes, wie dem MSCI Emerging Markets (WKNs DBX1EM, A0HGZT) oder MSCI Asia (WKN DBX1AE) und MSCI Far East (WKN A0HGZS). Bei Regionen setzen Investoren auf Brasilien (WKN DBX1MR).

China ist immer up to date

Wie bereits in den Vorwochen und passend zu unserer Themenwoche stehen bei Emerging Market-Investments China-ETFs ganz oben auf den Einkaufslisten der Investoren. „Die Aktivität der Anleger in dieser Region ist immer ziemlich ausgeprägt“, sagt ein ETF-Händler in London. In den vergangenen Tagen konnte er sowohl Käufer als auch Verkäufer beobachten, aber unterm Strich seien mehr Anleger in den chinesischen Markt ein als ausgestiegen. Gerne gekauft wird der in London berechnete FTSE/XINHUA. Der Index verfolgt die Wertentwicklung von 25 an der Börse Hongkong gelisteten Unternehmen, die in China gegründet wurden oder deren Geschäftsinteressen größtenteils dort liegen. An der Börse Frankfurt sind zwei ETFs auf diesen Index gelistet (WKNs DBX1FX, A0DPMY). Für eine breitere Ausrichtung auf Notierungen chinesischer Unternehmen sowohl in Hongkong als auch an US-amerikanischen Börsen entscheiden sich einige Anleger mit dem iShares DJ China Offshore (WKN A0F5UE). Investoren, die sich für den Lyxor ETF China Enterprise (HSCEI) (WKN A0F5BW), interessieren, setzen dagegen ganz auf das chinesische Mutterland. Der HSCEI (Hang Seng China Enterprise Index) bildet die Performance chinesischer Unternehmen ab, die als so genannte H-Aktien in Hongkong börsennotiert sind. Im Gegensatz zum Hang Seng-Index, der nicht nur aus H-Aktien, sondern auch nicht chinesische Unternehmen mit einem Listing in Hongkong enthält, spiegelt der Index die Entwicklung rein chinesischer Unternehmen wieder.

Seit 15. September können Investoren mit dem HSI Short (WKN DBX0C4) auch eine inverse Anlagestrategie verfolgen – das heißt auf fallende Kurse setzen, was durchaus einige Investoren zu interessieren scheint. Der Hangs Seng Index (HSI) bildet die Wertentwicklung der 100 größten in Hongkong gelisteten Unternehmen ab.

Währungs-ETFs gefragt

Investoren fahren nach Beobachtung von Eric Wiegand zunehmend eine „Währungsstrategie“. Sie kaufen den Currency Returns ETF (WKN DBX1AZ). Der dem Fonds zugrunde liegende Index wird in Euro berechnet und bildet die Wertentwicklung dreier Indizes ab: der Deutsche Bank Carry-Index, des Deutsche Bank Momentum-Index und des Deutsche Bank Valuation-Index. „Der Index bietet ein Exposure in Bezug auf zugrunde liegende Indizes, die sich auf fiktive Terminwechselkurse beziehen“, erklärt Wiegand. Der Pool von Währungen, die für die Aufnahme in jeden der Zugrunde liegenden Indizes geeignet seien, setze sich aus den „G10-Währungen“ zusammen. „Der Index ist mit einer Verzinsungskomponente ausgestattet, so dass der Wert des Index abgesehen von den Schwankungen aufgrund von Veränderungen der Wechselkurse und Zinssätze der Indexwährungen zu einem Geldmarktsatz steigt.“

Unternehmensanleihen im Depot

Investoren legen sich wieder vermehrt Zinspapiere ins Depot und investieren in ETFs mit weltweit in Euro gelisteten Unternehmensanleihen (WKN LYX0EE). Auch eher kürzer laufende Staatsanleihen mit Restlaufzeiten zwischen einem und drei Jahren in einem ETF von ETFlab (WKN ETFL12) sind gesucht.

29. September/Dorothee Liebing

Dieser Marktbericht ist dem Deutsche Börse Fondsnewsletter entnommen.

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