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Blue-Chip-ETFs sind gefragt

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Die vergangene Woche war anfangs noch von Verkäufen geprägt, zum Wochenende fassten die Anleger aber wieder Mut und stiegen ein. Auch in der neuen Woche setzt sich der Positivtrend fort, bei allerdings niedrigen Umsätzen.

 

Es ist Ruhe eingekehrt am ETF-Markt. Die extrem hohen Zuflüsse bei den Indexfonds – immerhin waren die weltweit verwalteten Anlegergelder in Exchange Traded Funds nach Informationen von Barclays Global Investors in der ersten Jahreshälfte um 11 Prozent gestiegen – sind Vergangenheit. Es gibt Gewinnmitnahmen, aber durchaus auch Zukäufe, je nach Stimmung an den Börsen. Die meisten Marktteilnehmer gehen davon aus, dass auch die kommenden Wochen umsatzarm bleiben werden: Neben der allgemeinen Unsicherheit am Markt macht sich nun auch das Sommerloch bemerkbar.

Zum Wochenende bessere Stimmung

Die vergangene Woche war anfangs eher von ETF-Verkäufen geprägt, und zwar über alle Segmente hinweg. Zuletzt kam es aber, analog zur Entwicklung am Aktienmarkt, zu einem Stimmungsumschwung: Ab Ende der Woche fassten die Anleger wieder Mut und griffen zu. „Abgesehen vom Geldmarktbereich sehen wir im Moment fast ausschließlich Käufer“, meint etwa Eric Wiegand von der Deutschen Bank. Auch Marco Salaorno von der Société Générale bestätigt die verbesserte Stimmung: „Wir beobachten mittlerweile auch wieder Interesse an riskanteren Produkten, etwa ETFs auf Banken, den TecDAX oder Hebelprodukten“, erläutert er. Die Investoren hofften auf positive Nachrichten aus den USA. Dort werden in dieser Woche die großen Banken ihre Zahlen für das zweite Quartal vorlegen. Die sind nach Ansicht der meisten Börsianer gut ausgefallen.

Erst Verkäufe, dann Käufe bei Blue Chips-ETFs

„In den zurückliegenden Handelstagen haben sich die Investoren mit klassischen Blue Chips-ETFs eingedeckt, um taktisch an der kurzfristigen Erholung zu partizipieren“, bestätigt auch Jürgen Fritzen, Leiter ETFs Sales/Trading bei der DekaBank. Was die anstehende Berichtssaison für das zweite Quartal angeht, erwarteten die meisten Anleger marktunterstützende Meldungen, lautet seine Begründung.

Anfangs Gewinnmitnahmen

Die ersten Tage der vergangenen Woche waren Salaorno zufolge aber noch von Gewinnmitnahmen geprägt. Die ETFs auf klassische Indizes standen eher auf der Verkaufsliste. Abgegeben wurden etwa Indexfonds auf den DAX (WKNs 593393, DBX1DA), den DJ Euro Stoxx 50 (WKNs 593395, 935927 und DBX1EU) und den S&P 500 (WKN 264388). Relativ hohe Umsätze waren in den vergangenen fünf Handelstagen auch in Short-Produkten auf DAX und Euro Stoxx zu verzeichnen, etwa beim db x-trackers Short DAX (WKN DBX1DS) und beim db x-trackers DJ Euro Stoxx 50 Short ETF (WKN DBX1SS). Hier überwogen die Käufer. Mit den inversen Indexfonds können Investoren von fallenden Kursen profitieren. „Short-Produkte waren zuletzt stark gesucht“, bestätigt auch Eric Wiegand von der Deutschen Bank.

Interesse an Telekommunikation und Industriegütern

Auch Branchen-ETFs wurden anfangs überwiegend abgestoßen. Zuletzt waren laut Société Générale aber auch hier wieder Käufe zu beobachten, etwa im Telekommunikationsbereich und in der Industriegüterbranche, konkret beim Lyxor ETF DJ Stoxx 600 Telecommunications (WKN LYX0A1) und dem Lyxor ETF DJ Stoxx 600 Industrial Goods & Services (WKN LYX0AT). In den vergangenen drei Monaten konnten die beiden Indexfonds um 4,9 bzw. 9,9 Prozent zulegen, auf Sicht von sechs Monaten sind allerdings noch Verluste zu verzeichnen.

„Normalisierung“ der Volumina bei Schwellenländern

Im Handel mit Emerging Markets-ETFs ist weiterhin nicht viel los, vor allem im Vergleich mit der Zeit bis Mitte Juni. „Bis vor einigen Wochen haben wir ganz andere Umsätze gesehen“, erläutert Stefano Valenti von Unicredit. Tot sei der Markt aber nicht, er spricht lieber von einer „Normalisierung“. Was konkrete Länder angeht, konzentrierten sich die Anleger auf die BRIC-Staaten, also Brasilien, Russland, Indien und China. Die meisten, die ihre Positionen in den Schwellenländern zuletzt hochgefahren hätten, verharrten nun aber in Wartestellung. „Wir beobachten allerdings auch weiterhin Gewinnmitnahmen“, so Valenti. Das bekräftigt auch Jürgen Fritzen für die DekaBank. Die Société Générale berichtet ebenfalls von Glattstellungen bei den Schwellenländern, etwa hätten sich Anleger vom Lyxor-ETF auf den MSCI Taiwan (WKN LYX0CT) und auf den MSCI India (WKN LYX0BA) getrennt.

Bild bei Rohstoffen

Bei den Rohstoffen zeigt sich ein gemischtes Bild: „Hier ziehen die Käufe seit einiger Zeit wieder an“, meint etwa Eric Wiegand. Gut gelaufen seien der db x-trackers DBLCI – OY Balanced ETF (WKN DBX1LC), der die Wertentwicklung unterschiedlicher Rohstoffe abbildet, und der db x-trackers auf den GSCI TM Light Energy (WKN DBX0B4). Laut Marco Salaorno trennten sich Investoren hingegen von den Rohstofffonds, etwa vom Lyxor ETF Commodities (A0JC8F). Der hatte die bis Juni erklecklichen Gewinne zuletzt wieder komplett abgeben müssen.

Raus aus Geldmarktfonds

Auch von den Geldmarktfonds verabschiedeten sich Anleger tendenziell, Salaorno zufolge steht aufgrund der niedrigen Zinsen etwa der Lyxor ETF Euro Cash (WKN LYX0B6) auf der Verkaufsliste. Käufe habe es im Rentenbereich am kurzen Ende gegeben, etwa beim Lyxor ETF Euro MTS 1-3 Y (WKN A0HGFC), der Staatsanleihen mit einer Laufzeit von 1 bis 3 Jahren abbildet. „Viele Anleger positionieren sich im Rentenbereich mit Short-Produkten“, meint hingegen Wiegand. Die Nachfrage nach ETFs auf Unternehmensanleihen ist nach Einschätzung der DekaBank im Übrigen ungebrochen.

 

Dieser ETF-Marktbericht ist dem wöchentlichen Börse Frankfurt ETF-Newsletter entnommen. Autor: Anna-Maria Borse

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