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Das Depot vor Inflation schützen

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Angesichts niedriger Inflationsraten scheint das Thema Geldentwertung aktuell in den Hintergrund gerückt zu sein. Doch die Inflation dürfte künftig wieder zunehmen, denn bereits jetzt keimt sie in manchen Emerging Markets wieder auf. Mit ETFs auf inflationsgeschützte Anleihen kann man sein Depot vor einer Geldentwertung schützen.

Aktuell ist die Inflationsrate in Deutschland mit 1,2 Prozent (April 2013) auf dem niedrigsten Stand seit September 2010. Möglich wurde dies durch eine Verbilligung von Mineralölprodukten wie Benzin/Diesekraftstoffen und Heizöl sowie den Wegfall der Praxisgebühr. Für steigende Preise sorgten dagegen Lebensmittel, die sich im Schnitt um 4,1 Prozent verteuerten.

Die Inflation ist eine der Urängste der Deutschen. Die furchtbaren Erlebnisse während der Zeit der Hyperinflation in den zwanziger Jahren, als viele ihr Erspartes verloren, sind sich bis heute im kollektiven Gedächtnis eingebrannt. Mit dem Ausbruch der Finanz- und Euroschuldenkrise und der weltweit lockeren Geldpolitik der Notenbanken kehrte diese Angst wieder zurück. Anleger flohen daher lange Zeit in die Immobili- enmärkte, Gold oder andere Sachwerte. Mit den rasant steigenden Aktienmärkten schichten jedoch inzwischen immer mehr Anleger von vermeintlich sicheren Anlagen in risikoreichere, renditeträchtigere Investments um. Noch vor kurzer Zeit beliebte inflationsgeschützte Anleihen wurden zum Ladenhüter. So trennten sich Anleger im April 2013 von Inflationsanleihen-ETFs im Wert von 251 Mio. US-Dollar, das ergab eine aktuelle Marktstudie des Londoner Analysehauses ETFGI.

Dabei können bereits niedrige Inflationsraten das angestrebte Sparziel erheblich gefährden. Noch ist die Euroschuldenkrise keinesfalls ausgestanden, verbunden mit einer weiterhin lockeren Geldpolitik. Die Politik des billigen Geldes in Japan könnte diesen Trend noch weiter beschleunigen. Und dabei ist keinesfalls gewiss, ob sich die Geldflut früher oder später auch auf die Realwirtschaft auswirkt. Eines ist jedoch ziemlich gewiss. Auf dem heutigen niedrigen Stand wird die Inflationsrate sicherlich nicht verharren. Das zeigt ein Blick auf die jüngste deutsche Geschichte. So beträgt die durchschnittliche Inflationsrate der vergangenen Jahre 2,7 Prozent. Wie sich eine solche Inflationsrate, die auf den ersten Blick nicht hoch erscheint, auf die langfristigen Ersparnisse auswirkt, zeigt ein Beispiel: Nach 30 Jahren schwindet die Kaufkraft von 1.000 Euro bei dieser Inflationsrate auf dann 449,66 Euro. Liegt die Inflationsrate ein Prozent höher, also 3,7 Prozent, verbleiben nach 30 Jahren nur noch 336,23 Euro. Zwei Drittel des Ersparten wäre also weg. Weitaus stärker ist dieser Effekt in den Emerging Markets. Denn in vielen dieser Länder ist die Inflationsrate weit höher als hierzulande. So beträgt die Inflationsrate in Russland beispielsweise 7,26 Prozent, in Brasilien 6,49 Prozent und in der Türkei 6,0 Prozent.

Ein möglicher Weg, sich gegen Inflationstendenzen abzusichern, ist ein breit diversifiziertes Portfolio von Sachwerten wie Aktien, Immobilien, Kunst, Grund und Boden, Gold oder auch über inflationsgeschützte Anleihen.

Inflationsanleihen der Euro-Zone

ETFs bieten Anlegern inzwischen ein breites Spektrum, um ihr Depot über inflationsgeschützte Anleihen abzusichern. Größter Inflations-ETF für die Eurozone ist der iShares Barclays Euro Inflation Linked Bond (WKN: A0HG2S). Der Index bietet Zugang zu inflationsgeschützten Staatsanleihen aus der Eurozone. Er enthält ausschließlich Rentenpapiere, die realverzinst und an einen auswählbaren Inflationsindex gebunden sind sowie eine Mindestrestlaufzeit von einem Jahr und ein mindestens ausstehendes Volumen von 500 Millionen Euro haben. Aktuell umfasst der Index 19 Inflationsanleihen, vorwiegend aus Frankreich (77 Prozent) und Deutschland. Der Durchschnittskupon beträgt aktuell 1,57 Prozent. Die durchschnittliche Restlaufzeit liegt bei 9 Jahren. Seit Auflage im November 2005 erzielte der ETF eine Wertentwicklung von 26,6 Prozent (3,2 Prozent p. a.).

Als Alternative empfiehlt sich der Lyxor ETF EuroMTS Inflation Linked Investment Grade (WKN: A0F7AM). Er beinhaltet inflationsgebundene Staatsanleihen der Mitgliedstaaten der Eurozone, die ein Volumen von mehr als zwei Milliarden Euro und eine Laufzeit von mindestens einem Jahr aufweisen. Mit 28 Inflationsanleihen ist der Index etwas breiter diversifiziert. Auch dieser Index umfasst derzeit zur Hälfte Anleihen aus Frankreich, Italien und Deutschland. Der durchschnittliche Kupon beträgt 1,85 Prozent. Die Indexabbildung ist allerdings synthetisch unbesichert.