Start News Dem Risiko ein Schnippchen schlagen – ETFs mit Vola-Bremse

Dem Risiko ein Schnippchen schlagen – ETFs mit Vola-Bremse

86
Value-ETF auf der Siegerstraße

Je stärker Aktien schwanken, desto höher das Risiko für den Privatanleger. Innovative ETF-Konzepte wollen die Volatilität jetzt deutlich reduzieren und das Risiko klein halten. Beim Blick auf die Performance dieser Ansätze zwischen 2001 und 2012 bekommen sowohl risikoaverse als auch renditehungrige Investoren große Augen. Wie geht das?

Wenn es an der Börse hoch hergeht, erleben Privatanleger oft die schwerste Zeit. Gerade stark schwankende Märkte sorgen für Unruhe und haben schon den ein oder anderen Anleger dazu gebracht, aussichtsreiche Investments zu früh zu verkaufen. Der ETF-Anbieter Blackrock hat den Schwankungen an der Börse jetzt den Kampf angesagt: Low-Volatility-ETFs sollen Anleger ruhig schlafen lassen und zudem eine gute Performance erwirtschaften.

Möglichst nah am Mutter-Index: Minimum-Volatility-Indizes

Insbesondere für langfristig orientierte Anleger kann sich der Low-Volatility- Ansatz auszahlen. „Rückrechnungen anhand von Live-Daten zeigen, dass die Risikopuffer seit Auflage der Indizes besonders gut dann gewirkt haben, wenn Anleger sie am dringendsten gebraucht haben – nämlich in Abschwungphasen und wenn die Volatilität am Markt besonders hoch gewesen ist“, erklärt Sven Württemberger von Blackrock, der die ETFs mit Schwankungsbremse aus den USA mit nach Deutschland gebracht hat.

Doch wie funktioniert die Volatilitätsbremse eigentlich? Die neuen Blackrock ETFs mit dem Zusatz „Minimum Volatility Fund“ orientieren sich allesamt an bedeutsamen Indizes wie dem MSCI Europe, dem MSCI World, dem MSCI Emerging Markets oder dem S&P 500. Der bedeutsamste Unterschied: Bei allen Indizes werden diejenigen Aktien, die am stärksten schwanken, weggelassen. Gleichzeitig dürfen die Indizes mit Vola- Bremse nur geringfügig von der Zusammensetzung des Original-Index abweichen. Das Ziel: Ein Produkt, das seinen Mutter-Index so genau wie möglich abbildet und zugleich ein geringeres Risiko- Profil aufweist.

Neue Ansätze bleiben bewährten iShares-Prinzipien treu

Doch genügt das den Anforderungen aller Marktteilnehmer? Christian Schuster von Veritas Investment ist skeptisch: „Je komplexer die Ansätze sind, desto weniger ‚passiv‘ sind sie und konkurrieren dann eher mit aktiven Fonds. Sie sind als Basis- Bausteine für die Asset-Allokation an sich sowie für kurzfristige taktische Investments kaum noch geeignet, da man oft nicht vorhersehen kann, wie sich diese Investmentansätze künftig entwickeln werden.“

Bei Blackrock sieht man das etwas anders: „Wir achten darauf, dass die typischen Merkmale der Ursprungsindizes wie Länder- und Sektorengewichte oder die Anteile der Value- und Growth-Werte erhalten bleiben. Bei der Abbildungsart gibt es keinen Unterschied: Sowohl die ETFs auf die Ursprungsindizes als auch die neuen Minimum- Volatility-Produkte bilden ihren jeweiligen Basisindex ab, indem sie nach einem optimierten Verfahren physisch in eine repräsentative Auswahl der jeweiligen Indexpapiere investieren „, erklärt Württemberger.

Zwischen 2001 und 2012: Mehr Performance bei geringerem Risiko

Tatsächlich hat sich Blackrock für die Zusammensetzung der volatilitätsreduzierten Indizes strenge Regeln auferlegt: So darf die Gewichtung einzelner Aktien im Minimum-Volatility-Index maximal 1,5 Prozent oder das Zwanzigfache der Gewichtung im Mutter-Index betragen. Die Sektor-Gewichtung darf maximal um 5 Prozent von der Gewichtung im Mutter- Index abweichen und auch auf regionaler Ebene gibt es Einschränkungen: Länder mit einem Anteil von mehr als 2,5 Prozent im Mutter-Index dürfen nicht mehr als 5 Prozent von dieser Gewichtung abweichen. Bei Ländern, die weniger stark im Mutter-Index repräsentiert sind, ist im Index mit Vola-Bremse maximal das dreifache Gewicht erlaubt.

Trotz dieser kleinen Unterschiede können die volatilitätsreduzierten ETFs bei der Performance mit ihren Mutter-Indizes mehr als nur mithalten: Betrachtet man den S&P 500 und die MSCI Indizes World, Emerging Markets und Europe seit 2001, so schlug sich der Ansatz mit Volatilitätsbremse stets etwas besser. Während die Volatilitätsbremse in Abschwungphasen gegriffen hat, konnten die Produkte Aufschwungphasen während der vergangenen Jahre gut abbilden. „Aufgrund dieses asymmetrischen Partizipationsverhaltens können Minimum-Volatility-ETFs langfristig über mehrere Marktphasen hinweg deutlich bessere Risiko-Rendite-Profile bieten als ETFs auf die Ursprungsindizes“, findet Württemberger.

Keine Lösung für Fondsmanager

Doch sind Minimum-Volatility-Produkte kein Allheilmittel. Schwachpunkte zeigt ETF-Profi und Fondsmanager Christian Schuster von Veritas Investment auf: „Gerade bei starken Aufschwüngen sind solche Ansätze oft nicht attraktiv. Hierfür stehen im ETF-Universum mittlerweile ausreichend Vehikel zur Verfügung, um Meinungen umzusetzen – beispielsweise über Sektoren, Styles und Marktkapitalisierungen“. Auch bei anderen institutionellen Anlegern wie Deka oder Deutsche Asset & Wealth Management spielen entsprechende ETFs derzeit keine Rolle.

Fondsmanager Schuster bezieht sich bei seiner Kritik insbesondere auf den Umstand, dass die sogenannten Zykliker, also Aktien, die in besonderem Maße konjunkturellen Schwankungen unterliegen, in Phasen starker Kursgewinne meist die ersten sind, die steigen. Diese sind bei Strategien mit niedriger Volatilität geringer repräsentiert und tragen daher in Boom-Phasen auch nur wenig zum Erfolg der Minimum-Vola-Funds bei.

Insbesondere auf der Langstrecke stark

Bei Blackrock ist man sich dieses Effekts bewusst, setzt aber ganz auf die langfristigen Qualitäten der neuen Produkte. Im Rückblick zu Recht: Zwischen 2001 und 2012 kamen Anleger trotz Vola-Bremse und damit einem geringeren Risiko schneller ans Ziel. Für Privatanleger, die komplexe Verfahren zur Risikosteuerung nicht abbilden können und intelligente Lösungen zu niedrigen Kosten suchen, sind Minimum-Volatility-Produkte daher eine willkommene Alternative.

lesen Sie dazu auch das Interview

TEILEN
Vorheriger ArtikelDie EZB liefert – Aktien steigen
Nächster ArtikelETF-Pressespiegel – KW 19 / 2013
Die Redaktion des EXtra-Magazins setzt sich aus erfahrenen Finanzexperten zusammen. Teilweise veröffentlichen wir auch Gastbeiträge auf unserem Portal. Wir lieben ETFs, Indexfonds und alles zum Thema Geldanlage und arbeiten täglich daran Ihnen die aktuellsten und nützlichsten Informationen zu liefern.