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Dr. Seibold Marktkommentar – Nachzügler treiben Aktienmärkte

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Die Einstellung der Investoren zu risikoreicheren Investments hat sich in den vergangenen Wochen deutlich verbessert. Ein Anzeichen dafür war, dass die ersten Börsengänge des Jahres an der Deutschen Börse erfolgreich über die Bühne gegangen sind und noch weitere geplant sind. Sehr bemerkenswert ist auch, dass die Kurse an den wichtigsten Aktienmärkten wichtige Marken überschritten haben beziehungsweise kurz davor stehen.

Bei Indexkursen von 6100 im deutschen DAX, 1200 Punkten beim US-amerikanischen S&P 500 und 3000 beim europäischen DJ Euro Stoxx 50 stehen die Aktienmärkte ziemlich genau wieder an der Stelle wie vor dem Zusammenbruch der Investmentbank Lehman Brothers im September 2008. Das heißt, die lange Phase der Seitwärtsbewegung in der „Lehman-Zone“ wäre damit vorbei. Es ist ganz natürlich, dass sich Menschen, wenn sie einmal eine Entscheidung getroffen haben, anschließend ganz unbewusst Bestätigungen dafür suchen. Jeder kennt den Effekt: Hat man sich für den Kauf eines Autos einer bestimmten Marke entschieden, scheint einem diese Marke ständig zu begegnen, und man fühlt sich dadurch in der Wahl bestätigt. Nach dem Motto: „So viele können ja nicht irren“. Investoren ticken nicht anders. Wer einmal die Aktienquote erhöht hat, nimmt jede positive Meldung für die Märkte euphorisch auf: Die gestiegenen Frühindikatoren wie der deutsche ifo- Index wird ebenso als Begründung für weitere Aktienkäufe genommen wie die Tatsache, dass die Zahl der Arbeitslosen in den USA zumindest nicht weiter gestiegen ist.

Aktienmärkte streben zu neuen Höhen – der Trend als Freund

Diese Beobachtung aus der Verhaltenspsychologie der Anleger – auch als Behavioral Finance bezeichnet – ist ein wesentlicher Grund dafür, dass Aufwärtstrends oft länger dauern als zunächst angenommen. Die Interpretation von Meldungen als Bestätigung der eigenen Meinung führt zu einem sich selbst verstärkenden Trend. Daher haben wir in unseren Depots und Fonds im Laufe des März die Investitionen auf steigende Aktienmärkte umgestellt. Rund 60 Prozent eines durchschnittlichen Depots ist auf steigende Aktienmärkte ausgerichtet. Wir glauben zwar nicht, dass es sich um die endgültige Richtungsänderung aus dem langfristigen, seit 2000 dauernden Bärenmarkt handelt. Aber eine flexible Vermögensverwaltung verlangt es, auch Zwischenrallyes zu nutzen. Neben steigenden Aktienmärkten setzen wir weiterhin auf einen schwächeren Euro. Das Geschacher um Griechenlandhilfen hat, so interpretieren es Beobachter, dem Euro in seinem Image als krisenresistente Währung geschadet. Tatsächlich verlor der Außenwert des Euro nach Abschluss der Verhandlungen. Die Tabelle unten zeigt, warum unsere Kanzlerin mit diesem Ausgang – auch wenn sie dies nie zugeben würde – zufrieden sein dürfte. Ein schwächerer Euro hilft deutschen Konzernen, von denen etliche vorrangig im Ausland verdienen. Die Tabelle zeigt dabei nur die Speerspitze der Export- Gewinner.

Export-Aktien: Weshalb Kanzlerin Merkel den Euro „schwach“ redet

 

RangUnternehmenBrancheExportanteil am Umsatz
1Fresenius Medical CareMedizintechnik96,70 %
2NordexEnergie95,90 %
3AixtronTechnologie93,30 %
4AdidasKonsumgüter93,00 %
5PumaKonsumgüter93,00 %
6HeidelbergCementBau91,50 %
7Carl Zeiss MeditecGesundheit90,50 %
8Dialog SemiconductorTechnologie90,00 %
9Merck KGaAGesundheit90,00 %
10LindeMischkonzern89,50 %

 

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