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So sollten Anleger mit Verlusten umgehen!

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DAX im Keller
Nach einer mehrjährigen Rally am Aktienmarkt sind Aktien während der zweiten Jahreshälfte 2015 in ein negatives Fahrwasser geraten.

Seit den Höchstkursen von April vergangenen Jahres hat der Dax fast 28 Prozent verloren. Kein Wunder, dass Anleger angesichts dieser Entwicklung nervös werden. Doch mit der Unsicherheit steigt auch das Risiko. Jetzt überhastet zu verkaufen, kann bereits die falsche Entscheidung sein. Andererseits sollten Verluste nicht aufgetürmt werden. Was ist also zu tun?

Nicht von schlechten Nachrichten verunsichern lassen

Zunächst einmal sollten Anleger die Situation nüchtern und kühl analysieren. Nach einer mehrjährigen Rally am Aktienmarkt sind Aktien während der zweiten Jahreshälfte 2015 in ein negatives Fahrwasser geraten. Anfang 2016 brachen auch die letzten Dämme und viele professionelle Anleger schichteten ihre Depots zu Ungunsten der Aktien um. Zugleich mussten verschiedene Marktereignisse als Begründung herhalten: Das langsamere Wachstum in China oder auch der fallende Ölpreis. Nüchtern betrachtet ist es sehr unwahrscheinlich, dass ein Ereignis für die Kursbewegungen verantwortlich ist. Vielmehr neigen Journalisten und auch Anleger dazu, Kursbewegungen im Nachhinein zu erklären. Dabei ist es sehr selten, dass die Gründe für künftige Kursverluste schon heute bekannt sind. Es bringt also nichts, aus der derzeitigen schlechten Stimmung auf die künftige Entwicklung der Kurse zu schließen.

Antizyklik als Schlüssel zum Erfolg

Das Gegenteil ist der Fall: Während die Kurse häufig in einer Phase der größten Euphorie ins Minus drehen, beginnen Aktien in einer Phase der größten Depression wieder zu steigen. In der Praxis ist es natürlich schwer, immer genau die Wendepunkte zu erwischen. Doch das ist auch gar nicht nötig. Wir sollten aber lernen, unsere Investments antizyklisch zu begreifen. In der Euphorie ans Verkaufen denken und bei Kursstürzen ans Kaufen. Natürlich ist dies für Anleger, die auf Buchverlusten sitzen, ein besserwisserischer Ratschlag. Wer Verluste angehäuft hat, der ist natürlich verunsichert. Es gibt aber einige Wege, mit der Verunsicherung umzugehen. Langfristig gelingt es so vielleicht, einen antizyklischen Investment-Stil zu entwickeln.

  • Denken Sie bei Investments in Standardwerte antizyklisch. Standardwerte sind die größten Unternehmen der Welt. Bis bei diesen Unternehmen Pleiten drohen, muss schon viel passieren. Es bietet sich daher für langfristig orientierte Sparer an, dann zu kaufen, wenn die Kurse gerade gefallen sind und Gewinne mitzunehmen, wenn die Kurse gestiegen sind.
  • Streuen Sie Käufe und Verkäufe über die Zeit. Zu einem Zeitpunkt zu investieren, ist eine schlechte Idee. Wer Aktien kaufen will, sollte mindestens drei Positionen nach und nach aufbauen. Noch besser gelingt das monatliche Sparen mit einem Sparplan. Der so entstehende Mischkurseffekt glättet starke Kursausschläge.
  • Führen Sie Risikokonten. Legen Sie bereits vor dem Kauf eines Wertpapiers, Fonds oder ETFs fest, welches Risiko sie dieser Position beimessen wollen. Das Risiko sollte sich immer an der normalen Schwankung orientieren. Eine Aktie, die innerhalb einer Woche um 10 Prozent schwankt, sollte auch die zweieinhalb bis dreifache Schwankungsbreite eingeräumt bekommen. Hat ein Investment sein Risikokonto überzogen, sollten Sie es verkaufen. Wichtig ist dabei, dass Sie die Verlustgrenze immer mit dem Kurs nachziehen. Eine Position, mit der Sie bereits 25 Prozent Gewinn gemacht haben, sollte nie mehr ins Minus rutschen.
  • Konzipieren Sie Ihre Geldanlage professionell. Professionelle Anleger setzen auf verschiedene Anlageklassen. Um Schwankungen am Aktienmarkt besser aushalten zu können, bieten sich Investments in Aktien, Anleihen und auch Immobilien an. Schwankungen bei Aktien fallen dann gemessen am Gesamtportfolio nicht mehr so stark ins Gewicht und können besser verkraftet werden.
  • Blenden Sie Einzeltitelrisiken aus. Jedes Unternehmen ist anders. Wer Aktien von Unternehmen kauft, kann damit überdurchschnittlichen Erfolg oder auch Misserfolg haben. Doch dazu sollten wir ein Unternehmen ganz genau unter die Lupe nehmen und analysieren. In der Praxis werden jedoch selbst Analysten oftmals auf dem falschen Fuß erwischt. Die Lösung: Statt in Aktien in ganze Märkte investieren, beispielsweise in den DAX statt in Volkswagen. So werden Kursspitzen geglättet und Anleger können ruhiger schlafen. Auch nach einem Kursrückschlag ist man mit einem Index besser bedient. Erstens fällt der Index in der Regel weniger stark als ein schwacher Einzelwert und zweitens ist dessen Erholung nicht von der Entwicklung eines Unternehmens abhängig. Im Gegenteil: Aktien mit schwacher Entwicklung müssen Indizes oftmals verlassen und werden durch aufstrebende Newcomer ersetzt. Das erleichtert die Erholung.

Anleger, die während der vergangenen Monate Verluste gemacht haben, sollten zunächst einmal ihr Depot auf den Prüfstand stellen. Sind darin gute Fonds und ETFs der wichtigsten Indizes gemischt mit Anleihen und Immobilien? Dann ist die wichtigste Voraussetzung für den langfristigen Erfolg geschaffen. Fehlt nur noch das Umdenken im Kopf. Wer derzeit auf Verlusten sitzt, hat prozyklisch Aktien gekauft. Wer nun verkauft, wiederholt diesen Fehler. Besser wäre es, die niedrigen Kurse zu maßvollen Investitionen in gestreute Investments zu nutzen. Ein Sparplan ist in diesem Zusammenhang keine schlechte Idee. Diese Positionen lassen sich mittels Risikokonten absichern. So können Anleger Verluste effektiv begrenzen und sind für die Zukunft besser aufgestellt.

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