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Wo bleibt die Qualität in der Finanzberatung?

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Finanzberatung in der Gruppe
Auch Honorarberatung, als Begriff gesetzlich nicht geschützt, hat viele Facetten.

Initiative für gemeinsame Leitlinien / Honorarberater Kongress im März 2016

Von Eric Czotscher

Die alleinige Vergütung des Beraters durch den Kunden beseitigt einen entscheidenden Interessenkonflikt in der Finanzberatung. Die Honorarberatung ist für den Kunden aber noch keine Garantie für exzellente Beratung. Bei ausgewählten „Provisionsberatern“ bekäme er womöglich eine bessere Beratung als bei einem beliebigen Honorarberater. Zum neutralen Vergütungsmodell muss also auch noch die inhaltliche Qualität kommen. Doch was bestimmt die Qualität einer Finanzberatung, und wie kann man diese Qualität sicherstellen und einem ratsuchenden Kunden auch sichtbar machen?

Umfrage unter Praktikern und Experten

Um Kriterien für Beratungsqualität zu bestimmen, hat die Redaktion von „Der Honorarberater“ eine Umfrage unter Finanzberatern, Verbraucherschützern und Dienstleistern durchgeführt. Grundlage dafür ist ein von der Redaktion erarbeitetes Arbeitspapier: „Leitlinien für mehr Qualität in der Finanzberatung“. Es umfasst eine Präambel mit wünschenswerten Qualitätszielen und sechs Leitlinien. Alle Befragten konnten dazu Verbesserungsvorschläge und Kommentare anbringen. Diese sind im aktuellen Entwurf bereits berücksichtigt. Ausgewählte Kommentare und Anmerkungen der befragten Experten finden Sie hier in diesem Beitrag.
Auch als Leser können Sie sich an der Diskussion um die Beratungsqualität beteiligen (siehe Infobox). Auf dem „11. Honorarberater Kongress“ am 3. März 2016 sollen die Ergebnisse dann schließlich auch einer breiteren Öffentlichkeit präsentiert werden. Um Missverständnisse und Interpretationsmöglichkeiten einzuschränken, ist der Text der Leitlinien relativ umfangreich. Eine Kurzfassung ist aber geplant.

Kleinster gemeinsamer Nenner

Ziel ist es, einen kleinsten gemeinsamen Nenner zu finden, um die unterschiedlichen Fraktionen in der unabhängigen Finanzberatung an einen Tisch zu bekommen. Viele Gruppierungen in der Finanzberatung haben bereits eigene Leitlinien und Kodices entwickelt. Diese wurden soweit möglich in unseren Leitlinien berücksichtigt. Da es sich bei der Honorarberatung um ein „zartes Pfänzchen“ handelt, sind Einigkeit und ein gewisser Schub nötig, um diese neue Form unabhängiger Finanzberatung bekannter zu machen. Qualitätskriterien tragen aber auch dazu bei, das Vertrauen der Kunden in die unabhängige Finanzberatung insgesamt zu stärken.

Mischmodelle einbezogen

Die Leitlinien decken neben Honorarberatung auch Mischmodelle ab, um den Anwenderkreis zu vergrößern. Damit wird nach Ansicht der Redaktion die Realität in der Finanzberatung besser abgebildet. Die Zahlen für offiziell registrierte „Honorarberater“, also Honorar(finanz)anlagenberater und Versicherungsberater, sind immer noch sehr gering. Die meisten Honorarberater arbeiten mit Zulassungen, die auch eine Provisionsvergütung sowie Mischmodelle erlauben. Für viele noch provisionsabhängige Berater sind Mischmodelle eine interessante Möglichkeit, um den Weg in die Honorarberatung zu schaffen.
Das Ziel ist eine Finanzberatung, die produktunabhängig und möglichst ohne Interessenkonflikte ist und die das Interesse des Mandanten an die erste Stelle setzt. Doch der Weg dahin ist nicht einheitlich. Auch Honorarberatung, als Begriff gesetzlich nicht geschützt, hat viele Facetten. Sie reicht von aufwandsbezogenen Vergütungsmodellen und Pauschalen über volumenabhängige Preise bis hin zur abschlussbezogenen Honorarvermittlung, wobei diese schon sehr nahe bei der Provisionsberatung ist. Die vorgeschlagenen Leitlinien sollen hier auch eine Entscheidungshilfe im Interesse des Kunden und des Beraters geben – in Richtung nachhaltigere Geschäftsmodelle.

Ihre Chance: Die Politik überlässt der Branche die Defintion von Standards

Vielleicht werden die Qualitätskriterien dieser Leitlinien auch zu einem Qualitätssiegel oder zur Gründung einer Interessengemeinschaft unabhängiger Finanzberater führen. Eine solche Interessengemeinschaft würde dafür eintreten, dass ihre Mitglieder die Qualitätskriterien tatsächlich umsetzen.
Die Anregung zur Entwicklung solcher Standards kam übrigens von Staatssekretär Gerd Billen aus dem Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz (BMJV), der in einem Interview mit „Der Honorarberater“ die Branche dazu aufforderte, eigene Qualitätsmaßstäbe zu entwickeln, anstatt entsprechende Vorgaben vom Gesetzgeber zu erwarten.
Die Branche hatte solche Vorgaben aufgrund des Koalitionsvertrags der Bundesregierung erwartet. Denn dort heißt es: „Wir werden die Einführung der Honorarberatung als Alternative zu einer Beratung auf Provisionsbasis für alle Finanzprodukte vorantreiben und hohe Anforderungen an die Qualität der Beratung festlegen. Die Berufsbezeichnungen und Ausbildungsstandards der Berater auf Honorarbasis werden weiterentwickelt.“ Doch die bisherigen Regelungen für die Honorarberatung bauen nur auf bestehenden Vorgaben (beispielsweise im Falle von Honorarfinanzanlagenberatern die Sachkundeprüfung für Finanzanlagenvermittler) auf und gehen kaum darüber hinaus.

Was ist Qualität?

Doch was macht Qualität von Finanzberatung aus? Es geht um zuverlässige und transparente Beratung, die dem Kunden bei der Klärung seiner Ziele hilft und die besten Wege zur deren Erreichung aufzeigt. Wenn man es auf zwei Punkte zurückführen will, geht es um eine ganzheitliche Finanzplanung sowie um eine kundengerechte Auswahl von Finanzprodukten, falls Produkte zur Zielerreichung nötig sind. Auswahlkriterien sind Rendite, Risiken, Flexibiltät, Kosten und Transparenz. Die Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) überprüft anhand dieser Kriterien die Eignung von Finanzprodukten. Drei Bestimmungsfaktoren von Beratungsqualität sind die Ausbildung des Beraters, seine Kommunikationsfähigkeit und die Vermeidung von Interessenkonflikten. Oder wie Gerd Billen es in seinem Interview mit „Der Honorarberater“ formulierte: „Der Berater muss fähig sein, sich in die Lebens- und Finanzsituation seiner Kunden hineinzudenken. Er muss die Erwartungen der Kunden auf ein realistisches Niveau führen und sollte auch deren Finanzverhalten untersuchen. Außerdem muss er die Produkteigenschaften kennen. Dies sollte durch die Sachkundeprüfung abgedeckt werden.“ Fraglich ist, ob diese Sachkundeprüfung genügt. Die „Leitlinien für mehr Qualität in der Finanzberatung“ sollen die Basis für eine bessere, neue Finanzberatung bilden.

Zur Qualität in der Finanzberatung trägt auch der Einsatz standardisierter Anlageprodukte wie easyfolio bei, wenn der Berater die Standardlösungen an die individuellen Bedürfnisse seiner Kunden anpasst.

Dieser Artikel ist in der aktuellen Ausgabe von „Der Honorarberater“ erschienen.

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Der Honorarberater Kongress – Die Leitveranstaltung für unabhängige Finanzberatung in Deutschland, findet am 3. März 2016 im Congress Park Hanau statt und richtet sich an unabhängige Vermittler, Vermögensverwalter, Finanz- und Versicherungsberater, Banker, CFPs sowie all diejenigen, die offen & fair beraten möchten. Die Veranstaltung 2016 zielt vor allem auf die Qualität der Finanzberatung sowie auf die praktische Umsetzung und Optimierung von Honorarberatungsmodellen ab.  zur Anmeldung

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Quelle:  https://blog.easyfolio.de/wo-bleibt-die-qualitaet-in-der-finanzberatung/

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