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Ehrenrettung für Bonds

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Dr. Hüfners Wochenkommentar

Bonds sind bei privaten Investoren derzeit out. Wenn es eine Gemeinsamkeit bei den Anlageempfehlungen für 2010 gibt, dann ist es die: Von festverzinslichen Wert­papieren sollte man die Finger lassen. Es gibt 2010 einen riesigen Refinanzierungsbedarf nicht nur des Staates, sondern auch der Banken und der Unter­neh­men. Er wird mit sich bessernder Konjunktur noch stei­gen. Das treibt die Zinsen nach oben und lässt die Kurse entsprechend fallen. Darüber hinaus werden die Notenbanken weniger Liquidität zur Verfügung stellen und überschüssiges Geld absaugen. Im Verlauf des Jahres können auch die Leitzinsen in Europa und den USA angehoben werden.

Die Inflationsgefahr wächst. In den USA beträgt die Preissteigerung inzwischen schon wieder 2,7 %. Viel­leicht erhöhen sich auch die Risikoauf­schläge bei An­leihen von Unternehmen, wenn die Insol­venzzahlen wie­der steigen. Bei den Anleihen einiger Staaten mit ho­hen Budgetdefiziten drohen Zah­lungs­stö­rungen. Dabei sind die Renditen ohnehin schon so nied­rig, dass sie nieman­den vom Hocker rei­ßen. Bei Kupons von 3 bis 3,5 % für 10-jährige Bundesan­leihen bleiben dem Investor gerade mal 1 % nach In­flation und Steuern üb­rig.

Eine lange Liste von Argumenten gegen den Kauf von Bonds also. Das klingt auch alles logisch und überzeu­gend. 2010 wird daher ohne Zweifel ein schwieriges Jahr. Ich habe freilich den Eindruck, dass der Pessimis­mus derzeit übertrieben wird. So schlecht ist die Situa­tion nicht. Hier ein paar Fakten zur Ehrenrettung der Festverzinslichen.

Zunächst ganz generell. Festverzinsliche gelten gemein­hin als langweilig und wenig attraktiv. Das mag für viele Länder und Zeiten auch richtig sein. Für Deutschland als dem größten Bondmarkt Europas gilt es nicht. In den letzten 40 Jahren waren Bonds ein besseres Investment als Aktien. Wer DM 100 in 1970 in Renten anlegte, hat inzwischen durch Zinsen, Zinseszinsen und Kursgewin­ne ein kleines Vermögen von EUR 750 (gemessen am deutschen Rentenindex REX). Das entspricht einer Ren­dite von 7 %. Das ist bei vergleichsweise geringer Volati­lität nicht schlecht. Wer den gleichen Betrag in Aktien in­vestierte, hat heute einschließlich der Dividenden trotz höherer Risiken nur rund EUR 500, also ein Drittel weni­ger. Die Entwicklung in den einzelnen Dekaden war da­bei allerdings sehr unterschiedlich. In den 70er Jahren hatten die Renten klar die Nase vorn. In den 80er und 90er Jahren performten Aktien besser. In den letzten zehn Jahren waren die Renten wieder erfolgreicher.

2010 wird ein gutes Bondjahr

Ob sich der Erfolg der Renten so fortsetzen wird, ist frei­lich offen. Geholfen hatte in den letzten Jahren, dass die Inflation und damit die Renditen dank der Globalisierung langfristig zurückgingen. Das brachte Kursgewinne. Da­mit könnte es jetzt vorbei sein. Denn die Zinsen sind schon sehr niedrig und bei den Preisen sind wir knapp an der Deflation vorbeigeschrammt. Nur wenn es in Eu­ropa japanische Verhältnisse gäbe, könnten weitere Zinssenkungen möglich sein. Wenn es dagegen in eini­gen Jahren eine größere Inflation geben sollte, dann sind die schönen Zeiten für Bonds vorbei. Bis dahin ist es aber noch etwas hin.

Aber auch wer nicht so langfristig denkt, sollte Renten­anlagen nicht in Bausch und Bogen verdammen. So schlecht sind sie nicht:

Kurzfristige Investments in Renten sind eine Möglich­keit, Zeit zu gewinnen, bis sich wieder bessere Anla­geperspektiven ergeben. Ein- oder zweijährige Pa­piere haben zwar nur eine geringe Rendite (0,5 bis 1 %), tragen aber auch nur ein geringes Kursrisiko.

Die Inflationsgefahren sind auf Sicht von ein, zwei Jahren nicht groß. Die Preissteigerung wird in dieser Zeit kaum über 2 % hinausgehen, wenn die Konjunk­tur nicht wider Erwarten einen stärkeren Spurt hin­legt. Von dieser Seite besteht also kein Grund für größere Zinssteigerungen.

Die derzeitigen Renditen sind gemessen an den üblichen Modellen keineswegs zu niedrig. Es gibt hier keine Blase. Zu einem gesamtwirtschaftlichen Wachstum von real 1 bis 2 % und einer Preissteige­rung von 2 % passt die derzeitige Rendite von 3 bis 3,5 %.

Bei den Auktionen von Staatsanleihen gab es bisher keine Engpässe. Auch große Beträge konnten rei­bungslos platziert werden.

Natürlich werden die kurzfristigen Zinsen steigen. Der Satz für 3-Monatsgeld könnte sich in den nächs­ten zwölf Monaten von derzeit 0,6 % auf vielleicht 1,5 % erhöhen. Das wird sich aber nur zum Teil an den Bondmärkten bemerkbar machen. Denn der Abstand zwischen kurz- und langfristigen Zinsen ist derzeit ungewöhnlich hoch. Er wird sich verringern und damit den negativen Effekt der Zinssteigerung am kurzen Ende des Marktes auffangen.

Neue Opportunitäten für Anleger

Es gibt auch am Bondmarkt immer wieder Opportu­nitäten. Im letzten Jahr konnten Anleger mit dem Kauf von Unternehmensanleihen gute Kursgewinne erzielen. In diesem Jahr könnten sich andere Kauf­gelegen­heiten ergeben, wenn die Zinsen in bestimm­ten Segmenten besonders anziehen. Ich denke etwa an Griechenland. Bei dem gegen­wärtigen Zins von 6 % für 10jährige Papiere dieses Landes ist der Risi­koaufschlag aus meiner Sicht noch zu klein. Wenn die Renditen aber auf sagen wir 8 % steigen, werden sie ein „Kauf“. Denn es ist unwahrscheinlich, dass Griechenland aus dem Euro ausscheidet. Die Gemeinschaft wird auch kaum tolerieren, dass es auf Dauer so hohe öffentliche Defizite und so wenig ver­trauenswürdige Statistiken hat.

Ähnliches könnte auch bei anderen Schuldnern pas­sieren. Anleihen von Argentinien würde ich freilich auch bei hohen Zinsen nicht kaufen. Hier sollte man nicht vergessen, wie Argentinien in der Vergangen­heit mit seinen Schuldnern umgegangen ist. Es gibt zudem keinen Disziplinierungszwang durch die Part­ner in einer Währungsunion. Auch der Streit der Staatspräsidentin mit der Zentralbank ist kein Ver­trauenssignal.

Für den Anleger

Dies ist kein Plädoyer für den Kauf von Bonds. Auch ich glaube, dass sich die Zinsen noch erhöhen. Ich halte den derzeitigen Pessimismus aber für übertrieben. Der Anstieg wird sich voraussichtlich in Grenzen halten (ma­ximal einen halben Prozentpunkt, also von jetzt 3,3 auf vielleicht 3,8 % für 10-jährige). Wenn er geschafft ist, gibt es wieder Einstiegsgelegenheiten. Langfristinves­toren sollten sich nicht ins Bockshorn jagen lassen.

Dr. Martin W. Hüfner beleuchtet und kommentiert im EXtra-Magazin die konjunkturelle Entwicklung. Herr Dr. Hüfner war vor seiner Zeit bei Assenagon Chefvolkswirt der HypoVereinsbank.

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