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ETF-Marktbericht: Energiewerte geben Gas

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Anleger bereiten sich auf die Dividendensaison vor. Sie setzen auf ein glimpfliches Ende der Ölkatastrophe für BP. Vor allem US-amerikanische Werte überzeugen. Mit den Überschwemmungen in Australien steigen auch die Perspektiven für dortige Unternehmen.

Von einem insgesamt regen Handel in den vergangenen fünf Handelstagen berichten die ETF-Händler. Es sei eine Tendenz hin zu Zinsprodukten erkennbar. „Außerdem bereiten viele Anleger sich auf die anstehende Dividendensaison vor“, beobachtet Anouch Wilhelms von der Commerzbank ( Zum Testbericht). Angesichts guter Prognosen für 2011, insbesondere für viele DAX-Unternehmen, würden deutsche aber auch europäische Bluechip-Werte in den Fokus der Anleger rücken.

„Eher richtungslos“, bezeichnet dagegen Bastian Ohta von der UniCredit Bank den derzeitigen Handel mit Indexfonds. „Statt sich wie üblich an charttechnischen Punkten zu orientieren, lassen sich viele Marktteilnehmer gegenwärtig eher von Emotionen leiten.“ Es sei eine Nervosität im Markt zu spüren, u.a. wegen erneuter Meldungen über mögliche weitere Probleme in Griechenland. Viel bewege sich auch im Energiesektor. „Es kursieren Gerüchte, dass Shell die Option einer BP-Übernahme durchspielt“, erklärt Gregor Hamme von der UniCredit Bank. Zudem gebe es Pressemeldungen, dass die Ölkatastrophe im Golf von Mexiko dem Ölkonzern womöglich billiger zustehen könnte als erwartet. Das hätte die Anlegerphantasie und den Kurs von BP beflügelt.

Energietitel auf der Überholspur

Öl- und Gastitel aller Emittenten (WKNs A0F5T7, LYX0A9, DBX1AK) würden deshalb überwiegend auf Kaufinteresse stoßen und so zur Aufwärtsbewegung im Energiesektor beitragen. „Weil BP ein Schwergewicht im Energiesektor darstellt, spiegeln sich Kursentwicklungen des Unternehmens in den Indextrackern wider“, weiß Hamme. Interesse gebe es auch für den iShares DJ Euro Stoxx Sustainability 40. Begründen könne er die Nachfrage nach an diesen Nachhaltigkeitswert gekoppelte Trackers aber nicht.

Die Dividendensaison ist eröffnet

Eine positive Entwicklung für das Jahr 2011 würden viele Analysten dem Aktienmarkt insgesamt und spezifisch dem DAX in Aussicht stellen. Deshalb würden dividendenstarke Indexfonds (WKNs ETF001, ETF051) bei Anlegern zunehmend beliebter. „Fundamental sieht 2019 für viele DAX-Unternehmen deutlich besser aus als das Vorjahr“, erläutert Wilhelms. Deshalb rechneten Investoren im Durchschnitt mit einträglichen Ausschüttungen in der anstehenden Dividendensaison. Eher ausgeglichen, aber auf recht hohem Niveau, gestaltet sich der Handel mit Bluechip-Titeln in den von Ohta betreuten Orderbüchern. „Anders als häufig üblich verläuft der Jahresauftakt für den DAX mit Verlusten“, registriert der UniCredit-Händler. „Das verunsichert viele Marktteilnehmer.“ Sie agierten eher zögerlich und scheinen ihre Anlageprinzipien auch schon mal über Bord zu werfen.

US-Tracker überzeugen

Durchweg gefragt seien Indexfonds mit US-amerikanischen Werten. „Dabei scheint die Größe der Unternehmen im ETF keine Rolle zu spielen“, kommentiert Krisan Haria von UniCredit. Anleger würden sich ebenso mit Smallcap-Werten (WKN A0RFEB) wie mit S&P 500-Produkten (WKNs LYX0FS, A1C0B5, 264388) eindecken. Außerdem gefragt seien global investierte Titel wie der iShares DJ Global Titans 50 (WKN 628938).
Mit der Überschwemmung kommt auch vermehrtes Anlegerinteresse an australische Aktien (WKNs A1C2Y7, DBX1A2). „Viele Produkte, die durch die Überflutung zerstört wurden, müssen auch wieder ersetzt werden“, glaubt Haria. Deshalb würden Investoren mit ihren Engagements auf gute Geschäfte australischer Unternehmen setzen.

Staatsanleihen werden abgegeben

Bei Zinsprodukten, die etwa den Commerzbank ( Zum Testbericht) EONIA Index (WKN ETF100) abbilden, sieht Wilhelms eine deutliche Kauftendenz. Der Index bildet eine täglich rollierte Einlage zum EONIA-Satz ab (englische Abkürzung für den durchschnittlichen Zinssatz, den Banken für Geschäfte miteinander über Nacht zahlen). Dieser effektive Tagesgeldsatz wird von der Europäischen Zentralbank als gewichteter Durchschnitt aller unbesicherten Tagesgeldausleihungen im Interbankenmarkt berechnet. Der EONIA ist neben dem Euribor eine von zwei Benchmarks für die Geld- und Kapitalmärkte in der Eurozone. Renten-ETFs (WKNs ETF522, ETF520) sieht der Commerzbank-Händler auch in dieser Woche eher auf der Abgabenliste. „Ob Kurz- oder Langläufer, Anleihen sind aktuell eher ungeliebt“, berichtet Wilhelms. „Wohl auch, weil Investoren tendenziell auf höhere Renditen setzen.“

© 11. Januar 2011/Iris Merker

 

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