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ETF-Marktbericht: Exotische Anlagen im Visier

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Bei der anhaltenden Seitwärtsbewegung des DAX suchen ETF-Anleger nach Alternativen. Während Renten-Produkte nicht überzeugen, finden sie Geschmack an Schwellenländer-Fonds.

12. Oktober 2010. FRANKFURT (Börse Frankfurt). Enttäuschende Konjunkturdaten wie zuletzt die US-Arbeitsmarktzahlen auf der einen, Hoffnungen auf weitere geldpolitische Maßnahmen auf der anderen Seite halten den Markt derzeit in der Schwebe. „Es fehlt die richtige Tendenz, die Umsätze mit ETFs sind niedrig“, meint Bernardus Roelofs von Flow Traders. Investoren warteten ab. Andere Marktteilnehmer melden durchschnittliche Volumina. Der DAX liegt am Nachmittag bei 6.276 Punkten leicht im Minus.

Gemischtes Reaktion auf Standardwerte

Während Standardwerte in den Vorwochen zu den Rennern gehörten, ist das Bild derzeit nicht mehr so eindeutig: Einige Market Maker berichten von einem Käufer-, andere von einem Verkäuferüberhang, wieder andere von ausgeglichenen Lagern. Flow Traders hat eher Positionierungen registriert, der Commerzbank ( Zum Testbericht) zufolge standen an DAX, Euro Stoxx 50 oder Dow Jones gekoppelte ETFs hingegen überwiegend auf den Abgabelisten (WKN ETF050, 628939). Laut DekaBank haben sich Zu- und Abflüsse bei Bluechip-Indexfonds die Waage gehalten. MDAX-ETFs wie der von iShares (WKN 593392) seien aber abgestoßen worden. Der MDAX war gestern auf ein neues Jahreshoch geklettert, auf Sicht von einem Jahr hat der MDAX-ETF von iShares ein Plus von fast 17 Prozent hingelegt.

Deutliche Abgaben bei Langläufern

Bei den Renten-ETFs wird das Engagement derzeit eher abgebaut – und zwar über alle Laufzeiten und Emittenten hinweg, wie die Commerzbank ( Zum Testbericht) erklärt. „Die Chancen sind limitiert, die Risiken hoch, das erkennen auch die Anleger zunehmend“, meint Frank Mohr. Auch Roelofs berichtet von umfangreichen Verkäufen, zuletzt vor allem beim iShares eb.rexx Government Germany 5,5-10,5 (WKN 628949). „Da beobachten wir auch heute massive Abgaben“, erklärt der Händler. Offenbar sind deutsche Staatsanleihen, zu Hochzeiten der Krise Anlegers Lieblinge, nicht mehr so begehrt.

Ebenfalls abgestoßen werde der iShares Government Bond 7-10 (WKN A0LGQH), wie Roelofs ergänzt, während es bei kurz laufenden Staatsanleihen (WKN 628947) Flows in beide Richtungen gebe. Gut weggegangen seien laut Marc Schönbrodt von der DekaBank abermals Unternehmensanleihen-ETFs (WKN ETFL37), Roelofs meldet anhaltendes Interesse am iShares Emerging Markets Bond-Indexfonds (WKN A0RFFT).

Schwellenländer locken

Auf eindeutige Gegenliebe stoßen hingegen weiter die Schwellenländer, wie die Market Maker einhellig berichten. Auf der Umsatzliste der Börse Frankfurt für die vergangenen fünf Handelstage lag der db x-trackers Emerging Markets (WKN DBX1EM) dann auch auf Rang drei, ungewöhnlich hoch für einen Emerging Markets-ETF. „Angesichts der guten Nachrichten aus der Region wundert der Zuspruch nicht“, kommentiert Mohr, rege nachgefragt worden seien etwa der Lyxor MSCI Emerging Markets (WKN LYX0BX) und der ComStage MSCI Pacific ex Japan (WKN ETF115).

Der DekaBank zufolge zeigten sich Investoren bei ETFs mit brasilianischen (WKN DBX1MR), türkischen (WKN LYX0AK), taiwanesischen und allgemeinen asiatischen Aktien kauffreudig. Einzelne Produkte wie der iShares Asia/Pacific Select Dividends (WKN A0J208) wurden allerdings auch abgestoßen, wie Bernardus Roelofs von Flow Traders ausführt.

Einstieg bei Automobil-, Kasse machen bei Chemie-ETFs

Wie so häufig gingen die Geschmäcker bei den Sektoren-Fonds auseinander. Frank Mohr zufolge habe es hohe Umsätze in Automobilbranchen gegeben, wobei die Zuflüsse überwogen hätten (WKN ETF061, 634471). Tendenziell abgegeben worden seien Chemie-ETFs (WKN ETF064) sowie Industriegüter- und -dienstleistungs-Fonds (WKN ETF069). Ein Grund ist laut Mohr nicht unbedingt ersichtlich, er spricht von „einfachen Tauschoperationen“. Schönbrodt zufolge machten Anleger bei Telekommunikations-Indexfonds (WKN 628935) Kasse, Banken-Produkte hätten aber wieder auf den Einkaufslisten gestanden (WKN 628934).

© 12. Oktober 2010/Anna-Maria Borse