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ETF-Marktbericht: Gezielte Griffe

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Investoren nehmen eine abwartende Haltung ein. Man traut dem Kursanstieg nicht so richtig und trifft daher eine selektive Auswahl. Es kommt teilweise zu Gewinnmitnahmen.

 

FRANKFURT (Börse Frankfurt). Deutlich mehr Verkäufer als Käufer – trotz der festen Märkte – beobachten die Market Maker im Handel mit ETFs. „Einem Käuferanteil von 43 Prozent stehen 57 Prozent Verkäufer gegenüber, gibt Frank Mohr von der Commerzbank ( Zum Testbericht) durch. Die DekaBank meldet ein Verhältnis von einem Drittel zu zwei Dritteln. „Der Anstieg an den Aktienmärkten ist meines Erachtens eher von der Liquidität als von fundamentalen Grundlagen getrieben „, meint Mohr. Institutionelle Investoren würden nach wie vor eine sehr niedrige Aktienquote halten.

Die Indizes zeigen jedoch nahezu durchgehend eine Richtung. DAX, S&P 500, Nikkei 225 konnten diese Woche dazugewinnen. Einzig der europäische Index Euro Stoxx 50 baut diese Woche ab. Kein Wunder vor diesem Hintergrund, dass Investoren sich in dieser Woche in erster Linie von europäischen ETFs auf den Index trenne (WKN 593395, 798328, 935927). Indexonds auf den marktbreiteren MSCI Europe aber finden Käufer. Eine interessante Beobachtung in diesem Zusammenhang kann Frank Mohr machen. Institutionelle Investoren verabschieden sich zunehmend aus Einzelaktien und steigen stattdessen in ETFs ein. Gekauft wird hier der ETF von Comstage (WKN ETF050). „Die Handelsvolumina sind aber gering“, beschreibt Mohr.

Investoren vertrauen derzeit eher in deutsche Bluechip-Aktien. Sie kaufen z.B. den iShares DAX ETF (WKN 593393). Vor allem jedoch setzt sich der Trend der vergangenen Woche fort: dividendenstarke ETFs werden gekauft (WKN 263527).

Dividendenstrategie

Jenseits der deutschen sind aber auch internationale Dividendenpapiere gefragt, weltweit (WKN A0FU5H) oder auf die Region Asien beschränkt (WKN A0H074). Allerdings, so gibt ein Händler aus London an, werde in den vergangenen zwei Tagen einiges davon wieder verkauft. „Die Positionierung vor Start der Dividendensaison war in den vergangenen Wochen ein eindeutiger Trend, aber nun sehen wir die ersten Rückflüsse.“

Die zwei großen Themen der Woche

Die Kriese in Griechenland sei ein Dauerbrenner, auch wenn sie derzeit etwas in Hintergrund der Quartalssaison in den USA getreten ist, meint Florian Perini von Flow Traders. Trotz der Schwierigkeiten werden ETFs mit griechischen Aktien (WKN LYX0BF) ausgeglichen, aber kräftig gehandelt. Die Unternehmensergebnisse in den USA stehlen also den griechischen Schlagzeilen etwas die Aufmerksamkeit der Investoren. „80 Prozent der bisher gemeldeten Quartalsergebnisse der Unternehmen im S&P 500 haben die Erwartungen der Analysten übertroffen“, weiß Perini. Anleger reagieren entsprechend und steigen in ETFs auf den Index ein (WKN 264388). Bastian Ohta von Unicredit dagegen beobachtet Verkäufe in dem Produkt.

Japan-ETFs gefragt

Obwohl die Situation in Japan nicht unbedingt besser aussieht als im Rest der Welt – die Konjunktur kommt nicht voran – setzen einige Anleger in dieser Woche auf ETF mit japanischen Aktien. Indexfonds auf den MSCI Japan (WKN A0J3H2, A0DPMW) werden ebenso nachgefragt, wie ein ETF auf den Nikkei 225 (WKN A0H08D).

Wenig Aktivität in Sektoren

Eine Länderallokation spielt derzeit eine wichtigere Rolle als eine Positionierung in Sektoren. Vorwiegend setzen Anleger auf Osteuropa und hier auf russische oder (WKN LYX0AF) oder türkische Werte (WKN A0LGQN). Wer sich schon auf Sektoren-ETFs konzentriert, trifft eine sehr selektive Wahl. Gesucht sind der Einzelhandel im Stoxx 600 Retail (WKN 628944), Autmobile im iShares Stoxx 600 Auto (WKN 634471) oder Industrigüter im iShares Stoxx 600 Industrial Goods and Services (WKN 634479). Ebenso setzen ein paar Anleger mit dem Lyxor ETF Stoxx 600 Leisure (WKN LYX0A2) auf die Freizeitindustrie. „Das kann als Indikator gesehen werden, dass Investoren an eine Erholung glauben“, kommentiert Perini diese Anlegerentscheidungen.

Dieser Marktbericht ist dem Börse Frankfurt Fondsnewsletter entnommen. 27. April 2010/Dorothee Liebing