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Die Ausverkaufstimmung an den Börsen versetzt auch ETF-Anleger in Panik. Die Wirkung des vor gut zwei Wochen beschlossenen Rettungspakets für den Euro ist so gut wie verpufft. Wie der Teufel das Weihwasser scheuen Investoren alles, was nach Risiko aussieht.

FRANKFURT (Börse Frankfurt). „Es ist im Moment ziemlich chaotisch“, beschreibt Eric Wiegand von der Deutschen Bank die Lage. Schon die vergangene Woche sei schwer gewesen, nun setze sich der Negativtrend fort. „Die Unsicherheit ist nochmals gestiegen“, erklärt Bernardus Roelofs von Flow Traders. Neben der anhaltenden Angst um die Ausweitung der Staatsschuldenkrise habe jüngst noch der Beinahe-Bankrott der spanischen Sparkasse Cajasur die Marktteilnehmer aufgeschreckt. Das Motto lautet daher weiter: Lieber Gold und Silber sowie sichere Staatsanleihen.

Ausverkauf bei Bluechip-ETFs

„Bei den Aktien-ETFs gab es fast nur Abgaben“, berichtet Roelofs. Betroffen waren ihm zufolge DAX-, Euro Stoxx 50- und auch S&P 500-Indexfonds (WKN 593393, 935927, 593395,798328, 264388). Wiegand differenziert: „Die Verkäufe bei den europäischen Bluechips hielten sich noch in Grenzen“, meint er. Auf der Abgabeliste ganz oben hätten an US-Indizes gekoppelte ETFs gestanden, allen voran solche, die den MSCI USA (WKN DBX1MU) abbilden.

Frank Mohr von der Commerzbank ( Zum Testbericht) hat allerdings eher den gegenteiligen Eindruck: „Die Anleger drängt es angesichts der Krise aus Europa heraus“, erklärt er. Wachstumschancen würden zunehmend jenseits Europas Grenzen gesucht. Insgesamt hätten im ETF-Handel der Commerzbank ( Zum Testbericht) somit 36 Prozent Verkäufen 64 Prozent Zukäufe gegenübergestanden. Er nennt als Beispiele den UBS-ETF MSCI USA (WKN 794358), den ComStage ETF MSCI North America (WKN ETF113) und den Lyxor Japan (WKN A0ESMK), die sich Anleger gerne ins Portfolio gelegt hätten. „Euro Stoxx-ETFs wurden aber fast nur abgegeben“, räumt Mohr ein. Bei den Short-Produkten kam es laut Roelofs zu Gewinnmitnahmen, aber auch Neueindeckungen, etwa beim db x-trackers Euro Stoxx 50 Short (WKN DBX1SS). Der ETF hat seit Anfang Mai ordentlich zugelegt und auf Sicht von einem Monat ein Plus von gut 9 Prozent verzeichnet.

Kein Trost in Schwellenländern

Auch Emerging Markets-Produkte überzeugen die Anleger derzeit nicht, wie die meisten Händler berichten. „Schwellenländer-ETFs wurden vor allem zurückgegeben“, meldet etwa Eric Wiegand und verweist auf den db x-trackers MSCI Pacific ex Japan (WKN DBX1AF), der allerdings auf die gesamte Pazifikregion setzt und kein reiner Emerging Markets-Fonds ist. Auch Flow Traders bestätigt den Abgabetrend. Frank Mohr hat im Rahmen der Europaphobie aber durchaus Interesse an Schwellenländer-Produkten registriert, etwa hätten sich Investoren beim db x-trackers MSCI Emerging Markets (WKN DBX1EM) kauffreudig gezeigt. „Irgendwo müssen die Institutionellen ja ihr Geld anlegen“, meint er.

Zu den sicheren Häfen gehören nach Ansicht der Investoren außer Gold und Silber weiterhin auch Staatsanleihen vermeintlich solider Länder. „Neben deutschen finden US-Staatsanleihen im Moment viel Beachtung“, meldet Roelofs und nennt den iShares Treasury Bond 7-10 (WKN A0LGQB) als Beispiel. Der zuvor begehrte Schwellenländer-Renten-ETF von iShares sei hingegen sowohl gekauft als auch verkauft worden (WKN A0RFFT).

Spekulation auf weiter steigende Spreads

Gefallen finden viele momentan auch an Kreditderivate-Fonds, die den iTraxx Crossover abbilden, wie Wiegand bemerkt (WKN DBX0AR und DBX0AP). „Damit spekulieren Anleger auf sich weiter ausweitende Spreads“, erklärt er. Der iTraxx-Crossover misst die Kosten der Ausfallversicherungen für finanzschwache Unternehmen und war nach einem deutlichen Rückgang infolge der Bekanntgabe des Euro-Rettungspakets zuletzt wieder nach oben geklettert. Auch alternative Anlagen, etwa Währungsfonds, gehen der Deutschen Bank zufolge nach wie vor gut weg, etwa der db x-trackers Currency Returns ETF (WKN DBXAZ): „Das dient der Diversifikation“. Der dem Fonds zugrunde liegende Index wird in Euro berechnet und bildet die Wertentwicklungen des Deutsche Bank Carry-Index, des Deutsche Bank Momentum-Index und des Deutsche Bank Valuation-Index ab.

Bei den Sektoren gibt es weiterhin keinen großen Trends, in höchst volatilen Zeiten wie diesen konzentrieren sich Anleger auf das große Bild. Frank Mohr berichtet von Positionierungen bei Medien- (WKN ETF071) und Automobil-ETFs (WKN ETF061) sowie Trennungen von Industriegüter-Indexfonds (ETF069).

 

Dieser Marktbericht ist dem Börse Frankfurt Fondsnewsletter entnommen. 15.Mai 2010/ Anna-Maria Borse

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