Start ETF-Marktbericht Das August-Trauma an den Aktienmärkten

Das August-Trauma an den Aktienmärkten

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Ich bin an sich ein Optimist. Bei der Analyse der Aktienkursentwicklung der letzten Tage stieß ich jedoch auf einen Vergleich, der mich stutzig machte.

Das, was wir derzeit beim DAX erleben, hat nämlich eine verblüffende Ähnlichkeit mit der Entwicklung von vor drei Jahren im August 2011. Die Parallelität ist so frappierend, dass sie fast zu gut ist, um wahr zu sein.

  •  Die Aktienkursentwicklung der letzten Tage ähnelt in verblüffender Weise der des Jahres 2011.
  •  Wenn sich die Geschichte wiederholen würde, müsste der DAX in den nächsten Wochen bis auf 7.000 fallen.
  •  Bei den fundamentalen Faktoren gibt es freilich einige gravierende Unterschiede.

In den ersten sieben Monaten der beiden Jahre haben sich die Kurse unter Schwankungen weitgehend seitwärts entwickelt. Das war nicht weiter aufregend. Ende Juli/Anfang August ging es dann aber in beiden Fällen fast senkrecht nach unten. In sechs Wochen verlor der DAX im Jahre 2011 in der Spitze 30 %. Es dauerte zwei Monate, bis der Spuk vorbei war. Insgesamt ergab sich ein Verlust, der bis zum Jahresende nicht mehr aufgeholt werden konnte.

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Dr. Martin W. Hüffner 

Könnte es sein, dass sich diese Entwicklung wiederholt und wir uns damit von den Träumen eines DAX über 10.000 am Jahresende verabschieden müssen? Um die Frage zu beantworten, ist es ganz hilfreich, auch einmal die fundamentale Situation damals und heute zu betrachten. Hier gibt es Ähnlichkeiten und Unterschiede.

Der Kurseinbruch 2011 hatte zwei Ursachen. Das eine war die Verschlechterung der Konjunktur zur Jahresmitte. Das ist ganz ähnlich wie heute. Der Unterschied besteht nur darin, dass die Wachstumsschwäche damals weltweit war. In den USA gab es zum Teil sogar Rezessionsängste. Diesmal ist nur Europa betroffen, insbesondere Deutschland. In den USA geht es weiter kräftig nach oben. Hier schneidet 2014 also besser ab als 2011.

Der zweite Grund, der die Märkte damals verunsicherte, war die Eurokrise. Mitte 2011 wurden die Zweifel immer größer, dass die Gemeinschaftswährung vielleicht doch nicht überlebensfähig wäre. Die Maßnahmen der Regierungen zur Eindämmung der Krise wirkten nicht. Die Märkte fingen an, über den Staatsbankrott des einen oder anderen Landes zu räsonieren. Anleger flüchteten aus Europa. So etwas gibt es heute nicht. Der Euro ist zwar noch nicht gerettet, er ist aber aus dem Gröbsten raus.

Dafür gibt es jetzt aber eine Vielzahl Krisen ganz anderer Art. Da sind die geopolitischen Spannungen in der Ukraine und dem Nahen und Fernen Osten, die durchaus noch gefährlich eskalieren können. Die Sanktionen gegen Russland werden Europa auch ohne Gegenmaßnahmen im Energiebereich nach Schätzungen der EU-Kommission etwa 0,3 bis 0,4 Prozentpunkte Wachstum kosten. Das ist rund ein Viertel des gesamten Wachstums.

Da sind – auf ganz anderer Ebene – Zinsängste ausgehend von dem geldpolitischen Kurswechsel in den USA. Da sind Deflationsbefürchtungen in Europa, die die EZB zu unkonventionellen Maßnahmen bewegen könnten. Manche Investoren betrachten das mit Argwohn (vor allem das Quantitative Easing, das heißt Käufe von Staatsanleihen am offenen Markt, so wie es die Amerikaner und Briten tun). Dazu kommt die Argentinien-Krise, die auch nicht geeignet ist, Vertrauen bei den Anlegern zu stärken.

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