Start ETF-Marktbericht Das unbekannte Territorium negativer Zinsen

Das unbekannte Territorium negativer Zinsen

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Die Europäische Zentralbank war bisher nicht zimperlich, neue Wege in der Geldpolitik zu gehen und Instrumente auszuprobieren, die es bisher noch nicht gab.

Jetzt diskutiert sie wieder über etwas, was bisher weitgehend tabu war: Negative Zinsen. Viele lehnen eine solche Maßnahme ab, weil es keine Erfahrungen damit gibt. Was würde passieren?

  • Grundsätzlich: Negative Zinsen sind schlecht, weil sie die Zukunft gegenüber der Gegenwart entwerten.
  • Es ist kaum zu erwarten, dass negative Zinsen auf Zentralbankeinlagen das Kreditgeschäft in den Peripherieländern beleben. Dem stehen die hohen Risiken entgegen.
  • Der Vorteil der Einführung negativer Einlagenzinsen: Sie signalisiert Handlungsfähigkeit, kann aber schnell wieder zurückgenommen werden.

Negative Zinsen gab es bisher immer nur in Ausnahmesituationen. So hat beispielsweise die Schweizer Notenbank zeitweise negative Zinsen auf Guthaben von Ausländern erhoben, um spekulative Kapitalzuflüsse abzuwehren. Der deutsche Finanzminister profitierte, als ihm Investoren im Verlauf der Eurokrise eine Prämie dafür zahlten, in seine Papiere investieren zu können. Dänemark wollte eine Aufwertung verhindern. Interessanterweise hat Japan die Erhebung negativer Zinsen zur Bekämpfung der Deflation nie erwogen.

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Dr.Martin W. Hüfner 

Grundsätzlich sind negative Zinsen problematisch. Der Zins ist der Preis der Zukunft gegenüber der Gegenwart. Je niedriger der Zins, umso geringer wird die Zukunft bewertet. Umso unrentabler also Sparen und Investieren. Das kann eine Gesellschaft vorübergehend tolerieren. Auf Dauer ist es kontraproduktiv. Wir leben auf Kosten unserer Kinder.

Gleichzeitig bedeuten negative Zinsen eine Prämie für Bargeldhaltung. Die Menschen bringen ihr Geld nicht mehr zur Bank, sondern verwahren es unter dem berühmten Kopfkissen. Auch das liegt nicht im Interesse des Staates. Es fördert Umgehungen wie Schattenwirtschaft und Schwarzgeld.

Nun handelt es sich bei der von der EZB ins Visier ge-nommenen Maßnahme nicht um so etwas Großes wie die generelle Einführung von negativen Zinsen. Es geht vielmehr nur darum, Einlagen von Banken bei der Zentralbank mit einem negativen Satz zu belegen. Betroffen ist also direkt nur der Finanzkreislauf. Die Realwirtschaft wird nur mittelbar tangiert.

Die EZB möchte damit drei Dinge erreichen: Die Belebung des Kreditgeschäftes der Banken vor allem in den Peripherieländern, eine Abwertung des Euros auf den Devisenmärkten und eine Belebung des innereuropäischen Geldmarktes. Zusammen soll das die Inflation wieder nach oben bringen. Ich habe Zweifel, ob es gelingt.

Zum Kreditgeschäft: Kredite werden vergeben, wenn es eine entsprechende Nachfrage der Unternehmen gibt, wenn die Risiken nicht zu hoch sind und wenn die Banken genügend Eigenkapital haben. Es ist höchst unwahrscheinlich, dass eine Bank mehr Kredite vergibt, nur weil sie für ihre Einlagen bei der Zentralbank einen Strafzins zahlen muss. Wenn das wirklich einmal sein sollte, so stellt das die üblichen Entscheidungsvorgänge bei Finanzinstituten auf den Kopf. Das kann auch nicht im Interesse der Europäischen Zentralbank als oberster Bankaufseher liegen.

Zum Devisenmarkt: Derzeit sprechen alle ökonomischen Faktoren für einen schwächeren Euro: Die höheren Zinsen in den USA, die Aussicht auf eine in Zukunft restriktivere Geldpolitik der Fed, das hohe Wirtschaftswachstum, die Verringerung des US-Leistungsbilanzdefizites und die zahlreichen politischen Krisenherde in der Welt.

Dass sich der Euro unter diesen Umständen gleichwohl nicht abschwächt liegt allein daran, dass es erhebliche Kapitalzuflüsse in die Peripherieländer Europas gibt, die von einem Ende der Krise profitieren wollen. Ein negativer Einlagenzins würde diese Zuflüsse eher noch erhöhen.

Zum Geldmarkt: Natürlich würden Banken im Falle von Strafzinsen auf Zentralbankeinlagen überlegen, Überschussreserven verstärkt am Geldmarkt anzulegen. Andererseits sollte man sich hier keine Wunder erwarten. Der Geldmarkt war schon bisher eine attraktive Alternative, weil die Banken hier Geld verdienen konnten. Wenn sie trotzdem Geld bei der Zentralbank hielten, so weil die Anlage bei Banken innerhalb der Währungsunion immer noch als unsicher gilt. Darauf deuten auch die Target-Salden hin.

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