Start ETF-Marktbericht Deflationspanik!

Deflationspanik!

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preissenkung

In den öffentlichen Debatten wird Deflation stets verteufelt. Dabei gibt es eine gute Deflation, die unseren Wohlstand über niedrige Produktionspreise mehrt und zum Kern einer funktionierenden Marktwirtschaft gehört.

Einen schlechten Leumund hat sie aber bei überschuldeten Gesellschaften und Akteuren, die dann auch am lautesten jammern.

Unter Deflation versteht man einen allgemeinen, signifikanten und anhaltenden Rückgang des Preisniveaus für

wolfgangjudsetf 

Wolfgang Juds

Credo Vermögens-

management
GmbH

 

Waren und Dienstleistungen. Da die Deflation normalerweise in einer Depression auftritt, besteht die Angst, dass wir aktuell vor einem allgemeinen Wirtschaftsabschwung stehen und die Deflation um jeden Preis bekämpft werden muss. Allerdings haben wir es nach meiner Einschätzung momentan nicht mit einem allgemeinen Preisverfall zu tun, sondern lediglich mit einer fehlenden Inflation.

Erstens: Einer der wesentlichen Preistreiber der vergangenen Jahre ist der Ölpreis gewesen. Trotz aller Krisen ist dieser jedoch zuletzt signifikant gesunken. Seit Jahresbeginn verlor das Öl der Marke WTI in US-Dollar gerechnet 17 Prozent. Das ist positiv zu bewerten und entlastet den Verbraucher erheblich. Die hohen Energiepreise waren in den vergangenen Jahren einer der stärksten Preistreiber.

Zweitens: Aufgrund der Krise in der Eurozone der letzten Jahre wurden in einigen südeuropäischen Ländern erhebliche Sparmaßnahmen vorgenommen, welche die Wettbewerbsfähigkeit dieser Staaten erhöhen sollten. Dazu gehören auch Lohnsenkungen und moderate Tarifabschlüsse. Auch dieser Effekt führt insgesamt zu niedrigen Preisen.

Drittens: Die Lebensmittelpreise sinken aufgrund von guten Ernten. Die Preise für Mais und Weizen sind in diesem Jahr deutlich zurückgekommen. Auch die Preise für Milchprodukte sind aufgrund von Überkapazitäten zurückgegangen.

Schließlich hat der allgemeine Produktivitätsfortschritt aufgrund der internationalen Arbeitsteilung in manchen Bereichen zu sinkenden Preisen geführt – insbesondere in der Unterhaltungsbranche ist ein Preisverfall bei Elektrogeräten festzustellen. Diese Faktoren sind grundsätzlich positiv zu bewerten und sollten keine Ängste erzeugen – weder bei den Anlegern noch bei den Verbrauchern.

Sinkende Preise schaden vor allem denjenigen Staaten und Akteuren, die am stärksten verschuldet sind. Insbesondere in den Staaten, die kein Wachstum aufweisen, steigt die reale Schuldenlast weiter an. Dazu gehören in der Eurozone insbesondere Frankreich und Italien. Bei Spanien, Portugal und sogar bei Griechenland scheinen sich erste Erfolge einzustellen. Mit einer stärkeren Inflationsrate wäre es möglich, den Schmerz zu lindern und leichter aus der Schuldenfalle heraus zu kommen. So aber werden auch Frankreich und Italien dazu gezwungen, langsam Reformen für mehr Flexibilität am Arbeitsmarkt und weniger Bürokratie vorzunehmen, um mehr Investitionen zu ermöglichen.

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Die Redaktion des EXtra-Magazins setzt sich aus erfahrenen Finanzexperten zusammen. Teilweise veröffentlichen wir auch Gastbeiträge auf unserem Portal. Wir lieben ETFs, Indexfonds und alles zum Thema Geldanlage und arbeiten täglich daran Ihnen die aktuellsten und nützlichsten Informationen zu liefern.