Start ETF-Marktbericht Degradierung zum Investment

Degradierung zum Investment

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Der Kunstmarkt boomt, doch für Anleger halten Kunst-Investments viele Fallstricke bereit. Von Preismanipulationen bis hin zu hohen Transaktionskosten.

Der Kunstmarkt boomt, nicht zuletzt dank der steigenden Nachfrage von Investoren. Gerade eben hat ein Picasso-Bild mit 180 Mio. US-Dollar in New York einen neuen Auktionsrekord aufgestellt. Die Preise einschlägiger Klassiker steigen in astronomische Höhen. Heute werden jedes Jahr gut 50 Milliarden Euro mit Kunst umgeschlagen. Getrieben wird dieser Boom vor allem von vermögenden Privatleuten, die zeitgenössische Kunst kaufen.

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Dr.Marc-Oliver Lux

Dr.Lux & Präuner

GmbH

 

In einer Umfrage für den „Art & Finance Report 2014″ von Deloitte und ArtTactic gaben 76Prozent aller befragten Kunstsammler an, dass sie Kunst aus Investmentüberlegungen erwerben. Fast 90 Prozent aller Family Offices sowie 64 Prozent der an der Umfrage beteiligten Private-Banking-Abteilungen von Finanzinstituten gaben an, dass die Beschäftigung mit Kunst-Anlagen für sie in den kommenden zwölf Monaten ein strategischer Fokus ist.

Für Anleger halten Kunst-Investments aber viele Fallstricke bereit. Der Kunstmarkt folgt anderen Regeln als normale Märkte. Von einer Preissetzung dank Angebot und Nachfrage kann nur bedingt gesprochen werden. Preismanipulationen sind nicht selten. Erstens versuchten Galeristen, Preissenkungen für ihre Kunstwerke zu vermeiden. Zweitens sei die Größe eines Kunstwerks oft der wichtigste preisbestimmende Faktor. Galeristen vermieden es in der Regel, ähnlich große Werke eines einzigen Künstlers mit verschiedenen Preisen zu versehen.

Anleger müssen zwischen dem von Galeristen dominierten Primärmarkt und dem Sekundärmarkt, also Auktionshäusern oder Kunsthändlern, unterscheiden. Weiterhin sind die enormen Transaktionskosten beim Kunstkauf nicht zu vernachlässigen. Diese setzen sich aus Gebühren beziehungsweise Kommissionen für Galeristen beziehungsweise Auktionatoren sowie Zölle und Steuern zusammen. Darüber hinaus fallen Folgekosten an, etwa durch Aufwendungen für eine sichere Lagerung oder Versicherungen.

Gerade in Deutschland ist der Erwerb von Kunst relativ hoch mit Kosten belastet. Der Mehrwertsteuersatz wurde von den ermäßigten sieben Prozent auf die normalen 19 Prozent angehoben. Bei der Auktion eines Kunstwerkes im Wert von 20.000 Euro kann man in Deutschland inklusive Steuern mit Transaktionskosten von insgesamt 50 bis 70 Prozent des Zuschlagspreises rechnen, bei einem Wert von fünf Millionen Euro mit 30 bis 40 Prozent. In der Schweiz oder den USA ist die Steuerbelastung deutlich niedriger, sodass viele deutsche Kunstsammler die Objekte gar nicht nach Deutschland einführen, sondern lieber in ausländische Zolllager einliefern. So verschwinden viele Kunstwerke als reines Investment hinter Stahltüren.

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