Start ETF-Marktbericht Die Nachteile niedriger Zinsen

Die Nachteile niedriger Zinsen

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Zinsen2015

Dass die Zinsen in den meisten Industrieländern zu niedrig sind, weiß jeder. Sie müssten heute in Europa eher bei 2,5 % bis 3 % liegen als bei den 0,5 %,

bei denen sie tatsächlich sind. Ist das schlimm? Anleger finden es natürlich ärgerlich, dass sie keine ordentliche Rendite bekommen. Schuldner freuen sich dagegen, weil Kredite billig sind. Im Übrigen aber, so scheint es, funktioniert die Volkswirtschaft ganz ordentlich. Die meisten haben sich mit der neuen Situation abgefunden. Sie rechnen auf absehbare Zeit nicht mit höheren Zinsen.

  • Niedrige Zinsen sind gut für die Konjunktur. Auf Dauer bringen sie jedoch strukturelle Probleme mit sich.
  • Das Größte: Bei zu niedrigen Zinsen ist die Zukunft relativ zur Gegenwart zu teuer. Das fördert kurzsichtiges Denken und Handeln zu Lasten von Nachhaltigkeit.
  • Zehn Gründe, weshalb anhaltend niedrige Zinsen der Volkswirtschaft schaden.

Der Schein trügt jedoch. So unproblematisch ist die Sache nicht. Zinsen sind in einer Volkswirtschaft Preise. Wenn Preise falsch gesetzt werden, führt das zu Ungleichgewichten. Wenn das nur in einem begrenzten Sektor der Fall ist, sind die Wirkungen zu verschmerzen. Zinsen sind aber ganz wichtige Preise. Sie betreffen die ganze Breite wirtschaftlichen Handelns.

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Dr.Martin W.Hüfner

Die Höhe der Zinsen zeigt an, was die Zukunft im Verhältnis zur Gegenwart wert ist. Wenn die Zinsen zu niedrig sind, dann heißt das, dass die Zukunft relativ gesehen zu teuer ist. Was teuer ist, wird weniger nachgefragt. Zu niedrige Zinsen leisten dem Kurzfristdenken Vorschub. Die Menschen schauen mehr auf das „Hier und Heute“. Sie verdrängen die langfristigen Folgen. Nachhaltigkeit bleibt auf der Strecke. Das ist gefährlich.

Die Wirkungen zeigen sich an vielen Stellen der Volkswirtschaft. Hier zehn Beispiele.

ERSTENS: Die Altersvorsorge leidet. Wer selbst für sein Alter vorsorgt, hat bei der gleichen monatlichen Ersparnis später weniger zur Verfügung. Unternehmen können ihren Beschäftigten für die gleichen Pensionsrückstellungen am Ende nur noch eine geringere Rente auszahlen. Es droht Altersarmut.

ZWEITENS: Die Verschuldung wächst. Staaten nehmen zu viel Kredit auf. Unternehmen machen mehr Schulden. Sie ersetzen Eigenkapital durch Fremdkapital. Das macht sie anfälliger für Risiken.

»Bei niedrigen Zinsen ist die Zukunft relativ zur Gegenwart zu teuer. Das leistet Kurzfristdenken Vorschub.«

DRITTENS: Sparer werden bestraft. Das kann entweder dazu führen, dass die Menschen weniger auf die hohe Kante legen, weil sie keine vernünftigen Zinsen bekommen. Es kann aber auch sein, dass die Sparquote steigt, weil sonst die Sparziele nicht erreicht werden. Beides war in den letzten Jahren in Deutschland zu beobachten.

VIERTENS: Banken kommen in Schwierigkeiten. Für sie war die Transformation kurzfristiger Einlagen in langfristige Ausleihungen traditionell ein Kerngeschäft. Das fällt jetzt weg beziehungsweise wird weniger rentabel. Kreditinstitute müssen sich neue (hoffentlich nicht riskantere) Geschäftsmodelle suchen.

FÜNFTENS: Versicherungen haben Probleme. Sie tun sich schwer, die Zusagen an ihre Kunden aus den vergangenen Jahren am Kapitalmarkt zu erwirtschaften. Der durchschnittliche Garantiezins aus früheren Lebensversicherungen liegt derzeit bei über 3 %. Nur für neue Abschlüsse von Lebensversicherungen beträgt der Garantiezins heute 1,25 %.

SECHSTENS: Staatliche Regulierungen der Finanzmärkte greifen immer mehr um sich. Das sind die sogenannten makroprudentiellen Maßnahmen, mit denen Banken und Versicherungen in dem Niedrigzinsumfeld sicherer gemacht werden sollen. Viele Regulierungen könnte man sich sparen, wenn die Zinsen steigen würden.

SIEBTENS: Die Risiken am Kapitalmarkt erhöhen sich, nicht weil die Anleger risikofreudiger geworden sind, sondern weil sie für ihre traditionellen Investments keine ordentlichen Renditen mehr finden. Zu viel Risikoneigung ist für eine Volkswirtschaft nicht gut.

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Die Redaktion des EXtra-Magazins setzt sich aus erfahrenen Finanzexperten zusammen. Teilweise veröffentlichen wir auch Gastbeiträge auf unserem Portal. Wir lieben ETFs, Indexfonds und alles zum Thema Geldanlage und arbeiten täglich daran Ihnen die aktuellsten und nützlichsten Informationen zu liefern.