Start ETF-Marktbericht Ende der niedrigen Zinsen?

Ende der niedrigen Zinsen?

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  • Die amerikanischen Bond-Zinsen sind zuletzt so schnell und so stark gestiegen wie noch nie in diesem Jahrhundert.
  • Die Reaktion der Märkte auf das Tapering ist aus meiner Sicht überzogen.
  • Die durch das Tapering noch schwieriger gewordene Situation in den Schwellen- und Entwicklungsländern kann leicht auf die Industrieländer abstrahlen.
 
Dr.Martin W.Hüfner 

In den letzten 13 Monaten sind die Renditen der 10-jährigen US-Treasuries um 1,5 Prozentpunkte auf 2,8 % gestiegen. Eine so starke Zunahme in so kurzer Zeit hat es in Amerika in diesem Jahrhundert noch nicht gegeben (siehe Grafik). Besonders deutlich war die Bewegung in den letzten drei Monaten seit der Bekanntgabe, dass die Federal Reserve ihre Wertpapierkäufe im Rahmen des Quantitative-Easing-Programms zurückführen wird („Tapering“). Kann sich der Zinsanstieg noch weiter fortsetzen? Ist das das Ende der niedrigen Zinsen?

Fundamental sieht es klar nach höheren Zinsen aus. Fünf Jahre nach der Lehman-Pleite ist die Wirtschafts- und Finanzkrise in den USA vorbei. Die Konjunktur läuft wieder. Die Notenbank verabschiedet sich von der ultralockeren Geldpolitik. Sie wird im nächsten oder übernächsten Jahr auch die Leitzinsen erhöhen. Der Aktienmarkt reagiert auf die Entwicklung der Bond-Preise zwar ab und zu etwas nervös, insgesamt sind die Kurse seit Mai aber nicht gefallen. Der Markt sieht die Zinserhöhung also nicht als bedrohlich an. Nach den üblichen Modellen gehören zu einer solchen Wirtschaft Treasury-Renditen von 4,0 % bis 4,5 %.

Das muss aber nicht sofort erreicht werden, sondern vielleicht nach zwei bis drei Jahren. Das was sich am Markt derzeit vollzieht, halte ich für überzogen. Vor allem die Reaktion auf die Ankündigung des Tapering der US-Wertpapierkäufe war zu stark. Ich rechne daher damit, dass sich entweder der Markt aus sich selbst heraus beruhigt oder dass die Federal Reserve einen Rückzieher beim Tapering macht.

 

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Die Gründe: Erstens ist die US-Wirtschaft noch nicht so gefestigt, dass sie eine zu schnelle Zinserhöhung so einfach verkraftet. Die höheren Hypothekenzinsen belasten den Häusermarkt und gefährden die Erholung, die dort im Gange ist. Das könnte auch für den Rest der Wirtschaft einen gefährlichen Rückschlag bedeuten. Die Tatsache, dass die Federal Reserve ihre eigenen Zinsen noch nicht erhöht, zeigt, dass auch sie dem Frieden noch nicht traut. Es besteht im Übrigen auch keine Notwendigkeit, die Normalisierung der Geldpolitik besonders schnell zu vollziehen. Die Inflationsrate bewegt sich nach wie vor in einem Bereich, der nicht besorgniserregend ist (2 %).

Zweitens und noch wichtiger: Die Amerikaner sind nicht allein in der Welt. Den größten Schaden hat die Ankündigung des Tapering bisher nicht in den USA angerichtet sondern in den Entwicklungs- und Schwellenländern. Dort wird im Augenblick massiv Geld abgezogen. Die Wechselkurse werten sich ab. Die Geldentwertung steigt. Die Zinsen müssen erhöht werden. Es werden Kapitalverkehrskontrollen eingeführt.

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