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ETF-Marktbericht: Anleger gehen in die Offensive

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Mit steigender Risikofreude begegnen ETF-Investoren den Entscheidungen der Notenbanken. Zu den Gewinnern gehören Aktien-ETFs ganz gleich welcher Gattung. Offensiv darf es auch bei den Sektoren zugehen, das Rennen machen Banken-ETFs und Tracker der Grundstoffe-Industrie.

FRANKFURT (Börse Frankfurt). Parallel zur Sektlaune an den Aktienmärkten ging es im Handel mit Exchange Traded Funds in der vergangenen Woche steil bergauf. „Mit 12.500 Trades hatten wir richtig gut zu tun“, berichtet Frank Mohr von der Commerzbank ( Zum Testbericht), der von einer deutlichen Überzahl an Käufen spricht. „Auch die dahinter stehenden Volumina können sich sehen lassen.“ Die Risikobereitschaft der Anleger sei hoch, 80 Prozent der Umsätze verbuche die Commerzbank ( Zum Testbericht) in Aktien-ETFs.

„Ob Unternehmen aus Schwellenländern, Nordamerika oder Europa, Aktienindizes waren querbeet überwiegend gesucht“, stimmt Bernardus Roelofs zu. Die größten Umsätze verbucht der Händler von Flow Traders gegen Ende vergangener Woche, ab dem grünen Licht für den ESM durch die Karlsruher Verfassungshüter und dem Beschluss zu einer dritten Runde der geldpolitischen Lockerung vonseiten der US-Notenbank. Anleger interessierten sich zudem verstärkt für Hochverzinsliches aus dem Fixed Income-Bereich. „Mit 68 zu 32 Prozent überwiegen über alle Anlageklassen hinweg deutlich die Käufe gegenüber den Verkäufen.“ So könne es weitergehen.

„Bereits seit drei bis vier Wochen ziehen die Umsätze im ETF-Handel an“, meldet Gregor Hamme von UniCredit. Größere Rückflüsse etwa im Eurostoxx 50 ordnet der Händler unter die Rubrik Gewinnmitnahmen nach der starken Aktienrallye ein. „Die große Nervosität unter Anlegern hat nachgelassen.“ Die Entscheidung der EZB habe das Interesse an Indexfonds auf den S&P MIB mit 40 wichtigen Unternehmen des italienischen Aktienmarktes wiederentfacht. Auch ETFs, die den spanischen IBEX 35 nachbilden stehen dem Händler zufolge bei Investoren hoch im Kurs.

Körbe europäischer Aktien gefragt

Nach den Nettozuflüssen zu urteilen erwarten Anleger vom DAX (WKN 626678, ETF001, ETFL01, LYX0AC) und Euro Stoxx 50 (WKN ETFL02, 593392, 593395, 935927) eine Fortsetzung der Kurserholung, wie Jörg Sengfelder von der DekaBank interpretiert. Anleger interessierten sich zudem für ETFs auf den MSCI Europe (WKNs A0YBR2, A0M5X2). Ins Bild passten die überwiegenden Abflüsse von Eurostoxx 50-ETFs (WKN DBX0CG) und Indexfonds auf den Short-DAX (WKNs DBX1DS, ETF004), die von fallenden Kursen in den jeweiligen Indizes profitieren. „Bei der Commerzbank entfielen 11 Prozent des ETF-Umsatzvolumens der Vorwoche allein auf Tracker des Eurostoxx 50″, untermauert Mohr die neue Risikobereitschaft der ETF-Investoren.

Schwellenländer zurück auf der Landkarte

Über den Tellerrand schauend entschieden Investoren sich häufiger als nicht für ETFs auf den MSCI World (WKN A0HGZR), wie Roelofs bemerkt. „Der Lyxor ETF Japan wurde zudem überraschend rege und mit hohen Volumina gehandelt“, ergänzt Homme.

Aus dem Dornröschenschlaf erwacht seien Emerging Market-ETFs (WKNs A0HGZT, LYX0CT), die Sengfelder zufolge in Summe in den Anlegerdepots landeten. „Seit langem gehören Schwellenländer-ETFs wieder einmal zu den umsatzstärksten Werten in unserer Statistik.“ Für Aktienkörbe einzelner Länder wie Brazilien (WKN LYX0BE) und Taiwan (WKN LYX0CT) meldet Roelofs ebenfalls stärkere Nachfrage.

Festverzinsliches mit hohen Renditen beliebt

„Auf der Bondseite war der Handel gemischt“, meldet Sengfelder. Deutsche Staatsanleihen (WKNs ETFL20, ETFL22, ETFL06) verschiedener Laufzeiten hätten angesichts des steigenden Optimismus derzeit das Nachsehen. Corporate Bond-Tracker (WKN A0YEEY, A0YEEX), die Finanzwerte außen vorlassen, sowie Unternehmensanleihen liquider Konzerne gehörten bei UniCredit zu den beliebtesten Produkten. In Summe seien diese gekauft worden. „Investoren haben ihr Sicherheitsbedürfnis seit der Entscheidung der Notenbanken, neue Aufkaufprogramme aufzulegen, über Bord geworfen“, bestätigt Ciriaco Carrozzino.

Banken wieder im Fokus

Die neue Lust auf mehr Risiko setze sich bei den Sektoren fort. „Banken-ETFs waren beispielsweise besonders beliebt“, registriert Mohr. In der Anlegergunst vorn mit dabei befinde sich die Grundstoffe-Industrie (WKN ETF063), für die der ETF-Spezialist der Commerzbank einen eher ausgeglichenen Handel ausmacht. Für defensive Branchen wie dem Gesundheitssektor (WKNs LYX0AS, DBX1SH) haben Investoren derzeit weniger übrig, Händler berichten unisono von einem Verkäuferbild.

© 18. September 2012 / Iris Merker