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ETF-Marktbericht: Anleger positionieren sich

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Nach wie vor von politischen Ereignissen getrieben, entscheiden sich viele ETF-Anleger sowohl für Festverzinsliches jeder Art als auch für hiesige und europäische Bluechips, aber auch Tracker gehebelter und inverser Indizes kommen an.

FRANKFURT (Börse Frankfurt). Aktive Investoren sorgen für ein beachtliches ETF-Handelsaufkommen. Einhellig berichten Market Maker von einer überdurchschnittlichen ETF-Handelswoche. „Der Feiertag war kaum spürbar“, meldet etwa Mark Schönbrodt von der DekaBank, der von einem deutlichen Kaufüberhang im Verhältnis Zweidrittel zu einem Drittel spricht. Ganz oben in den Umsatzlisten mit dabei sei Festverzinsliches in allen Variationen. „Im Fixed-Income-Bereich hatten wir im Wochenvergleich gegenüber den Aktien-Trackern rund 50-60 Prozent höhere Umsätze.“

Von einem gemischten Bild im ETF-Handel ohne eindeutigen Trend berichtet Bernardus Roelofs. „Anleger versuchen sich in einem politisch unsicheren Umfeld zu positionieren und ziehen aus dem Geschehen unterschiedliche Schlüsse“, meint der Händler von Flow Traders. „Ihnen fehlt die grobe Richtung.“ Nach der Rettung der spanischen Banken blickten ETF-Investoren zunehmend auf die Probleme Italiens. Zudem rücke die Wahl einer neuen griechischen Regierung am kommenden Sonntag immer näher. Andererseits hätten die Börsen die unerwartete Entscheidung der chinesischen Regierung honoriert, den Leitzins erstmals seit 2008 um ein viertel Prozentpunkt zu senken.

Einen in Summe ausgeglichenen Handel in Exchange Traded Funds verbucht auch die Commerzbank ( Zum Testbericht). Die größere Volatilität an den Börsen stimuliere den Handel mit Short- und gehebelten Produkten. „Investoren reagieren taktisch stärker auf kurzfristige Signale“, bemerkt Andreas Bartels.

Gemischtes Bild bei Schwellenländer-ETFs

Nachdem Schwellenländer-ETFs in den vergangenen Wochen kaum Beachtung fanden, sprechen die ETF-Spezialisten einhellig von regem Interesse zum Beispiel an Trackern des MSCI Emerging Markets. Während diese bei der Commerzbank ( Zum Testbericht) den zweiten Platz in der ETF-Umsatzstatistik (WKNs DBX1EM, ETF127) der meist gekauften Produkte besetzten, machen die Händler von Flow Traders und der DekaBank bei den breiter aufgestellten Schwellenländer-ETFs einen Verkaufsüberhang (WKNs DBX1MA, A0HGZT) aus. Von mehrheitlich Abgaben berichtet Schönbrodt zudem bei Indexfonds auf den MSCI EMU Large Cap (WKNs 778444). Mehr Abflüsse als Zuflüsse meldet Marco Salaorno von der Société Générale zudem für ETFs auf den MSCI Korea (WKN LYX0A8). „Viel Bewegung auf beiden Seiten gab es auch für ETFs mit russischen Standard- und Nebenwerten.“

Euro Stoxx 50 gesucht

Neben einem Käuferbild bei deutschen Bluchips im DAX (WKNs ETFL01, DBX1DA, 593393, 593397) sprechen die ETF-Spezialisten per Saldo von Zuflüssen in Indexfonds auf den Eurostoxx 50 (WKNs 593395, DBX1EU, 798328) und den MSCI Europe (WKN A0JDGC). „Auch Standardwerte in weltweit aufgestellten Indizes wie dem MSCI World kamen bei ETF-Anlegern gut an“, berichtet die Société Générale . Weniger beliebt und von Abgaben geprägt seien ETFs etwa auf den MSCI USA (WKN DBX1MU) und den MSCI Japan (WKN A0YEDV). „Seit Wochenbeginn ist es etwas ruhiger geworden“, meint Salaorno. „Das wird vermutlich bis zu anstehenden Entscheidungen in der Politik, etwa den Ergebnissen der Wahlen in Griechenland, so bleiben.“

Kurzfristig unterwegs

Den hohen kurzfristigen Schwankungen in den Indizes begegnen Anleger mit zunehmendem Interesse an inversen oder Hebelprodukten, wie Bartels berichtet. „Investoren verhalten sich derzeit sehr opportunistisch.“ In Summe ins Depot legten sie sich beispielsweise ETFS auf den ShortDAX (WKN DBX1DF). Zudem interessierten sie sich verstärkt für den ETF Daily Double Short Bund (WKNs ETF563, LYX0FW).

Festverzinsliches beliebt

Deutlichen Zuspruch verbuchen die Händler für die gesamte Palette von ETFs, die Rentenindizes abbilden. Unternehmensanleihen zum Beispiel landeten tendenziell in den Anlegerdepots, egal ob in Euro oder US-Dollar begeben. Neben Staatsanleihen der Bundesregierung (WKNs ETFL17) gingen auch Anleihen aus dem Euroraum (WKN DBX0AC) gut weg. Bei Schwellenländer-Anleihen (WKN A0RFFT) verbucht Roelofs mehr Verkäufe als Käufe. Hingegen spricht der Händler von Zuflüssen im iShares Citigroup Global Government Bond (WKN A0RM43), der weltweit in Staatsanleihen mit Investment-Grade aus entwickelten Märkten investiert.

Banken werden abgestoßen

Von den Sektorenstoßen insbesondere Bankenwerte, wie sie im Euro Stoxx Banks (WKN 628930) versammelt sind auf wenig Gegenliebe, wie Roelofs registriert. Hinter den Verkäufen etwa von Indexfonds auf den Stoxx Europe 600 Bank (WKN LYX0AP) vermutet Salaorno aber auch Gewinnmitnahmen. Abgegeben worden seien zudem Tracker des Stoxx Europe 600 Food & Beverages (WKN A0H08H).

© 12. Juni 2012 / Iris Merker

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