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Die Einbrüche an den Aktienbörsen verschrecken auch ETF-Anleger und lösen einen Abgabesog bei Bluechip-Trackern aus. Von Schwellenländern mit Blickkontakt zu Europa lassen Investoren ebenfalls die Finger, wenden sich aber durchaus weiter entfernten Staaten wie Lateinamerika oder Indien zu. Auch Sektorfonds mit Finanzdienstleistern und der Konsumgüterindustrie scheinen im Moment mit einem blauen Auge davon zu kommen.

(Börse Frankfurt). Kaum hat sich der Aktienmarkt wieder etwas gefangen, sorgen schon die nächsten Hiobsbotschaften aus der Welt der Euro-Schuldenländer für Wirbel an den Börsen. Mit Italien steht nun die Kreditwürdigkeit eines europäischen Schwergewichts im Scheinwerferlicht. Das sorgt nach Berichten der Market Maker im ETF-Handel zwar für einen deutlichen Abbau bei Indexfonds-Positionen. „Von Panikverkäufen oder gar einer Ausverkaufsstimmung kann aber nicht die Rede sein“, ergänzt Frank Mohr. Sehr viel Spekulation sei mit im Spiel. „Ob mit Substanz oder ohne, jedes Gerücht bringt die Märkte gegenwärtig in Wallung“, beobachtet der Händler der Commerzbank ( Zum Testbericht), der durchaus auch im jetzigen Umfeld Kaufinteresse registriert, etwa bei ETFs mit Konsumgüteraktien oder Finanzdienstleistern.

Bluechip-Indizes werden abgestoßen

„Dieser erneute Einbruch der Aktienmärkte hat auch viele Profianleger kalt erwischt“, weiß Bastian Ohta. Gerade in der Woche zuvor hätten viele institutionelle Anleger mit der Beantwortung der Griechenlandfrage nach einer Abstinenzphase erst wieder den Einstieg geprobt. „Wie heiße Kartoffeln haben die Profis teilweise ihre ETF-Engagements nun aber wieder fallen lassen“, beobachtet der Händler der Unicredit Bank, der zumindest bei den Bluechip-Indizes Abgaben breit gestreute Abgaben registriert. Selbst an Tiefpunkten wie heute, die ebenso als Einstieg genutzt werden könnten, bekomme Ohta noch große Verkaufsorders auf den Tisch. „Anleger verabschieden sich von ihren Investments, auch wenn mit etwas mehr Geduld möglicherweise ein besserer Preis zu erzielen wäre“, erkennt Ohta. Das deute auf eine sehr hohe Nervosität im Markt.

Von einer Abgabenflut und sehr wenig Käufen spricht Ohta bei den gewichtigen Indizes der Industrienationen. „Anleger haben einfach kalte Füße bekommen“, glaubt Ohte. Stellvertretend für viele seien beispielsweise DAX-ETFs (WKNs DBX1DA, 593393, 593397), MSCI Europe (WKNs A0JDGC, A0M5X2, DBX1ME) und Eurostoxx 50 Indexfonds (WKNs 935927, 593395, DBX1EU) abgestoßen worden. „Bis Freitag vergangener Woche hatten wir noch einen Kaufüberhang etwa im Verhältnis 55 zu 45 Prozent bei den Bluechip-Indexfonds“, berichtet Frank Mohr, der auch beim japanischen Nikkei (WKN ETF020) tendenziell Abgaben verzeichnet.

Emerging Markets – Hauptsache weit entfernt

Eine relative Nähe zu der Eurokrise wirke sich derzeit eher abschreckend für den ETF-Handel aus. „Je weiter weg von Europa, desto eher legen Anleger sich die Indexfonds eines Schwellenlandes ins Depot“, bemerkt Stefano Valenti. Für Lateinamerika oder Indien erwärmten Investoren sich beispielsweise. Abnehmer gebe es etwa für des Lyxor MSCI India (WKN LYX0BA), der in die größten börsennotierten indischen Unternehmen investiert. Bei brasilianischen Indexfonds (WKNs A0HG2M) erkennt der Händler der Unicredit unterm Strich ebenfalls einen Kaufüberhang. „Eine räumliche und wirtschaftliche Verbundenheit mit Europa ist im aktuellen Klima wohl eher ein Störfaktor“, glaubt Valenti. Trackers mit russischem, tschechischem oder polnischem Fokus (WKNs LYX0AF, DBX1RC, A1H8EL, ETF116) hätten beispielsweise wenig Überzeugungskraft. Abgestoßen würden zudem ETFs mit türkischem Engagements (WKN A0LGQN).

Anflug von Panik

Abgaben über alle Sektoren hinweg beobachtet Gregor Hamme mit Blick auf den Gesamtmarkt. „Es ist sehr viel los“, fasst der Händler die deutlichen Verkäufe bei den Branchen zusammen. Einen Anflug von Panik erkennt der Spezialist der Unicredit aber erst seit heute. „Am Montag haben wir beispielsweise noch große Käufe im Bereich Grund- und Rohstoffe gesehen“, erklärt Hamme. Diese (WKN LYX0AX) seien in der vergangenen Woche auch gut gelaufen. Weniger ausgeprägte Verkäufe registriert er zudem bei den Banken und Versicherungen (WKNs LYX0AP, ETF070, ETF062). Bei den Finanzdienstleistungen (WKN ETF066) und Konsumgütern (WKN ETF073) spricht Frank Mohr gar von einem Kaufüberhang. Von Abgaben geprägt sieht der ETF Spezialist der Commerzbank ( Zum Testbericht) aber die Lebensmittelindustrie (WKN ETF067) und den Industriegütersektor (WKN ETF069).

© 12. Juli 2011/Iris Merker

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