etf marktbericht

Europäische und US-amerikanische Bluechips haben beim Anleger die Nase vorn, Bankenwerte schießen übers Ziel hinaus. Eine höhere Teuerungsrate in Europa als erwartet schiebt Inflationsschutz ins Bewusstsein der Investoren.

Von einem insgesamt regen Handel mit Exchange Traded Funds in den vergangenen fünf Handelstagen mit einem Überhang an Käufern berichten Market Maker. Die erfolgreiche Platzierung portugiesischer Staatsanleihen in der vergangenen Woche hätte einen Beitrag zur positiven Erwartungshaltung der ETF-Anleger geleistet. Nicht nur der Euro habe sich dadurch wieder etwas erholt. „Aufwind gab es auch für italienische und spanische Bankentitel“, beobachtet Bernardus Roelofs von Flow Traders. Bankenwerte insgesamt, die im abgelaufenen Jahr mit deutlichen Kursabschlägen das Schlusslicht im Euro Stoxx 50 bildeten, seien nun auf der Gewinnerseite. „Die JP Morgan Chase Bank hat es vorgemacht und Ergebnisse über den Erwartungen der Marktbeobachter präsentiert“, glaubt Roelofs. Das hätte die Phantasie der Anleger für die anstehenden Quartalsergebnisse einiger Großbanken wie Citigroup, Goldman Sachs, Morgan Stanley, Bank of America und die Well Fargo Bank angekurbelt.

Hohe Erwartungen bei Bankenwerten

Auch die Nachfrage nach den passenden ETFs ist hoch. Roelofs sieht darin Vorschusslorbeeren für die anstehende Quartalsberichtserstattung der Finanzinstitute (WKNs A0RPR1, 628934). Einige Anleger vermuten in dem Anstieg bereits zu viel des Guten und setzen mit dem Kauf von Anteilen etwa des Lyxor ETF Stoxx Europe 600 Banks Daily Short (WKN LYX0GG) lieber auf fallende Kurse der Geldinstitute. „Auch wenn die Finanzinstitute in den kommenden Wochen gute Ergebnisse zeigen, sind diese mit dem Kursanstieg vergangener Woche bereits weitest gehend eingepreist“, vermutet der Market Maker. „Deshalb wird die Luft nach oben für die Finanzwerte auch bei positiven Überraschungen etwas dünner.“

Bluechips haben die Nase vorn

Als Anlegerfavoriten bei den Indexfonds der vergangenen Woche nennen Händler europäische und US-amerikanische Standardwerte. Anteile von Indexfonds auf den DAX, Euro Stoxx 50, MSCI Nordamerika oder S&P 500 (WKNs ETFL06, DBX1DA, DBX1EU, ETFL02, A0J206, ETFL30) seien bei ETF-Liebhabern gut angekommen. Hauptsache große Unternehmen scheint die derzeitige Devise. „Auch Tracker des MSCI Japan waren mit von der Partie“, berichtet Mark Schönbrodt von der DekaBank. Insgesamt registriert der Händler einen Käuferüberhang im Verhältnis zwei Drittel zu einem Drittel. „Bei den Käufen dominieren die Bluechips.“ Abgaben dagegen beobachtet er tendenziell bei Exoten etwa mit südafrikanischen Werten (WKN LYX0BY) oder Emerging Market-Titeln (WKN DBX1EA). Aber auch von Immobilienwerten (WKN A0HG2Q) würden Anleger sich derzeit eher trennen. Flow Traders dagegen sieht auch deutsche und europäische Werte eher auf der Abgabenseite. Anleger trennten sich etwa von Anteilen am iShares DAX (WKN 593393) und am iShares DJ Stoxx 50 (WKN 593394).

Suche nach Schutz vor Inflation

Aus Sorge vor steigenden Preisen interessieren sich Anleger für Indextracker mit Inflationsschutz (WKN DBX0AN). „Die höhere Teuerungsrate im Euroraum und innerhalb der EU nehmen Investoren zum Anlass, sich mit inflationsgebundenen Werten abzusichern“, vermutet Sidi Kleefeld von der Deutschen Bank. Aber auch das Interesse an Edelmetalltiteln sei wieder gestiegen. „Auch hier könnte die Inflationsangst der treibende Faktor sein.“ Im Dezember war die jährliche Inflationsrate der Europäischen Union auf 2,6 Prozent von 2,3 Prozent im Vormonat gestiegen.

Staatsanleihen habe es weiterhin schwer

Anleihen sind laut Schönbrodt nach wie vor wenig beliebt beim ETF-Investor. Indexfonds mit Unternehmensanleihen oder Pfandbriefen (WKNs ETFL37, 263526) fänden zwar auch Abnehmer, bei lange laufenden deutschen Staatsanleihen (WKN 628949) und bei Geldmarktfonds (WKN ETFL22) beobachtet der Händler jedoch überwiegend Abgaben.

© 18. Januar 2011/Iris Merker

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