etf marktbericht

(Börse Frankfurt). Harte oder weiche Umschuldung Griechenlands oder lieber gar keine – die Euro-Krise bewegt weiter die Gemüter und schickt die Börsenkurse seit der vergangenen Woche auf Talfahrt. „Die Unsicherheiten in Hinblick auf Griechenland und das globale Wachstum belasten den Markt“, berichtet Bernardus Roelofs von Flow Traders. Zu einer Ausverkaufsstimmung habe das aber nicht geführt. „Verkäufe und Käufe halten sich die Waage. Es hat durchaus auch größere Kauftickets gegeben.“ Dabei waren die Umsätze Roelofs zufolge verhalten.

„Optimistisch betrachtet hatten wir einen Käuferüberhang“, meldet Andreas Bartels von der Commerzbank ( Zum Testbericht). Konkret hätten in der vergangene Woche 52 Prozent Käufen 48 Prozent Verkäufe gegenübergestanden. Allerdings gab es die Zuflüsse Bartels zufolge vor allem bei den Rentenprodukten, die Aktien-ETFs seien tendenziell abgegeben worden. „Wie in der Vorwoche lag der Fokus stark auf dem Fixed Income-Bereich“, schildert er seinen Eindruck. Dabei seien die Umsätze sehr gut. „Der Mai ist nach dem März der zweitbeste Monat in diesem Jahr.“ 

Lediglich die Unicredit Group meldet umfangreiche Abgaben: „Wir haben zuletzt sehr viel zurückgenommen. Wir geben die Bestände jetzt wieder an die Fondsgesellschaften“, erklärt Bastian Ohta.

Unter den Aktien-ETFs dominierten der Commerzbank ( Zum Testbericht) zufolge ganz klar DAX-Tracker die Volumina (WKN 593393, ETF001, DBX1DA, ETFL01), unter dem Strich mit mehr Abgaben. „Es gab aber auch taktische Käufe“, berichtet Bartels. Bei den europäischen ETFs hat Flow Traders Käufe (WKN 593394, 263530) und Verkäufe (WKN DBX1ET) registriert. Laut Gregor Hamme von der Unicredit Group machten Anleger darüber hinaus bei Dividendenstrategiefonds Kasse, etwa dem iShares Euro Stoxx Select Dividend (WKN A0HG2P). „Die Dividendensaison nähert sich dem Ende“, erklärt der Händler.

Auffällig ist der Commerzbank zufolge das Interesse an Aktien-ETFs mit US-amerikanischen Werten (WKN 794358, DBX1MU, ETF120). „Die Investoren meiden den Euroraum“, meint Bartels. Bezüglich der Perspektiven des uS-amerikanischen Aktienmarkts gibt es aber unterschiedliche Ansichten: Flow Traders meldet zwar ebenfalls Zuflüsse, aber auch Positionierungen bei Short-Produkten wie dem db x-trackers S&P 500 Short (WKN DBX1AC). Bartels hat im Übrigen mehr Umsätze in Short- und Leveraged-Produkten ausgemacht, vor allem auf den Euro Stoxx 50. Etwa seien der ComStage Euro Stoxx 50 Daily Leverage (WKN ETF053) und der db x-trackers Euro Stoxx 50 Leveraged daily (WKN DBX0B3) rege gehandelt worden, in beide Richtungen.

Deutsche Anleihen als sicherer Hafen gesucht

Heraus aus den europäischen und hinein in deutsche Produkte – das war zuletzt das Motto bei den Renten-ETFs. „Dieser Trend wurde durch die Nachrichten zu Italien noch bekräftigt“, ergänzt Bartels. Ende der vergangenen Woche hatte die Rating-Agentur Standard & Poor’s den Ausblick für die Kreditwürdigkeit Italiens gesenkt. Investoren legten sich Bartels zufolge daher gerne den iShares eb.rexx Government Germany 5,5-10,5 (WKN 628949), den iShares eb.rexx Government Germany (WKN 628946), den ETFLab Deutsche Börse EuroGov Germany (WKN ETFL17) und den ComStage iBoxx Euro Sovereigns Germany Capped 5-10 (WKN ETF522) ins Portolio. 

Daneben parkten Anleger weiterhin Liquidität in Geldmarktfonds, wie die Commerzbank ergänzt. Roelofs sieht aber durchaus auch Abgaben bei deutschen Langläufern, hingegen Zuflüsse bei Schwellenländer-Rentenfonds wie dem db x-trackers Emerging Markets Liquid EuroBond (WKN DBX0AV).

Bei Sektoren-ETFs hat sich der Trend hin zu den Nicht-Zyklikern fortgesetzt, das meint zumindest Grgeor Hamme von der Unicredit Group. Besonders bei Fonds mit Aktien aus den Branchen Gesundheit (WKN 628937) und Nahrungsmittel hätten sich Anleger kauffreudig gezeigt. „Bei den Health Care-Indexfonds gab es aber Unterschiede je nach Emittent“, räumt Hamme ein. Der ETF von Lyxor (WKN LYX0AS) habe eher auf den Verkaufslisten gestanden. Außerdem verabschiedeten sich Investoren Hamme zufolge von ETFs mit Bankaktien (WKN A0RPR1). Hier spielen die jüngsten Kapitalerhöhungen etwa von der Commerzbank eine Rolle, aber auch die Griechenlandkrise. „Eine Umschuldung würde die Bankbilanzen stark belasten“, erklärt Hamme. Die Commerzbank meldet Nachfrage nach Finanzdienstleistern, Abgaben bei Telekommunikationsaktien sowie Volumina in beide Richtungen bei Industriegütern. 

Bei Rohstoff-ETFs ist das Bild durchwachsen: Laut Flow Traders ist etwa der Lyxor Commodities CRB Non-Energy (WKN LYX0AL) gesucht, während der db x-trackers DBLCI-OY Balanced (WKN DBX1LC) abgestoßen werde. Angesichts des schwächelnden Ölpreises stehen Öl- und Gas-ETFs in der Gunst der Anleger nicht unbedingt weit oben, das bestätigt auch die Unicredit Group. Der Ölpreis ging Anfang des Monats auf Talfahrt und notiert nach einer kleinen Erholung mittlerweile wieder schwächer: Ein Barrel Rohöl der Sorte Brent kostet heute gut 110 US-Dollar, Ende April waren es noch über 125 US-Dollar.

Uninspirierter Schwellenländer-Handel

Bei ETFs auf Schwellenländer-Indizes herrscht derzeit Funkstille. „Es ist nicht viel los, unter dem Strich überwiegen aber die Käufer“, erklärt Stefano Valenti, Kollege von Hamme und Ohta. Wenn investiert werde, dann in breite Emerging Markets-Fonds.

© 24. Mai 2011 / Anna-Maria Borse

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