etf marktbericht

Auch den ETF-Anlegern wird abwechselnd heiß und kalt, wenn sie an Griechenland und die Eurokrise denken. Viele setzen auf sichere Renten-Indexfonds. Doch auch bei den Aktien-ETFs überwiegen die Zukäufe. Spekulationen um ein neues Hilfspaket für Griechenland hinterlassen auch im ETF-Handel ihre Spuren. „Das Gespenst Eurokrise geht wieder um“, bemerkt Andreas Bartels von der Commerzbank ( Zum Testbericht). Ihm zufolge hat sich der Fokus im ETF-Handel daher zuletzt in Richtung Festverzinsliches verschoben. (Börse Frankfurt).

„Normalerweise machen die Renten-ETFs nur 20 bis 30 Prozent der Umsätze aus, in der vergangenen Woche war es zum Teil die Hälfte“, berichtet der Händler. Zurück in die Sicherheit – das sei das Motto. Besonders gesucht seien ETFs mit deutschen Staatsanleihen (WKN ETFL17, 628949, 628946, ETF522), die gesamteuropäischen Staatsanleihen-Indexfonds hätten hingegen auf den Verkaufslisten gestanden.

Den ganz klaren Trend hin zu Renten-ETFs kann Bernardus Roelofs von Flow Traders zwar nicht ausmachen, er meldet aber Umsätze über dem üblichen Niveau. „Insgesamt fehlt das eindeutige Bild, bei den Aktien-ETFs verkaufen manche, andere kaufen zu.“ Die Verschuldung – nicht nur in Europa, aber auch in den USA – beschäftige die Anleger. „Außerdem gibt es Zweifel an der weiteren konjunkturellen Erholung.“ Unter dem Strich überwogen laut Flow Traders bei DAX- (WKN LYX0AC), Euro Stoxx 50- (WKN 798328), Stoxx 600- (WKN 263530) und MSCI North America-ETFs (WKN ETF113) allerdings die Käufe.

Hohe Umsätze im Griechenland-ETF

Andreas Bartels spricht von einem „leichten Käuferüberhang“ – bei einer Konzentration auf den deutschen Markt. Bei DAX-Trackern hätten sich Zu- und Abflüsse allerdings mehr oder weniger die Waage gehalten, während bei MDAX-Indexfonds die Zuflüsse überwogen hätten. „Die zweite Reihe ist wieder gesucht.“ Für die dritte Reihe sieht das aber offenbar schon wieder anders aus. Beim iSharesStoxx Small 200 (WKN A0D8QZ), der Zugang zu europäischen Smallcaps bietet, wurde Bastian Ohta von der Unicredit Group zufolge nämlich Kasse gemacht. „Die Verluste waren hier geringer als bei den Bluechips, daher wird jetzt umgeschichtet“, erklärt Bartels. Starke Umsätze gab es laut Ohta im Übrigen beim Griechenland-Tracker Lyxor MSCI Greece (WKN LYX0BF). „Hier geht es je nach Nachrichtenlagen mal rein, mal raus.“ Der Indexfonds hat nach einer positiven Entwicklung zu Jahresanfang zuletzt wieder deutlich Federn lassen müssen und verzeichnet auf Sicht von drei Monaten Verluste von über 20 Prozent.

Finger weg von Rohstofffonds

Der vor rund zwei Wochen einsetzende Ausverkauf bei den Rohstoffen sorgt auch weiterhin für Abgaben bei Rohstoff-ETFs. Die Commerzbank ( Zum Testbericht) meldet Verkäufe beim ComStage Commerzbank Commodity EW (WKN ETF090) und beim iShares Dow Jones-UBS Commodity Swap (WKN A0H072), beides breite Rohstoffpreis-Tracker. Laut Unicredit Group trennten sich Anleger auch vom LyxorStoxx 600 Oil and Gas (WKN LYX0A9). Der Ölpreis ging Anfang des Monats auf Talfahrt und notiert nach einer kleinen Erholung mittlerweile wieder schwächer: Ein Barrel Rohöl der Sorte Brent kostet heute weniger als 110 US-Dollar, Ende April waren es noch über 125.

Gesundheitsbranche en vogue

Daneben berichten die Händler einhellig von Positionierungen bei Health Care-ETFs (WKN A0RPR7, 550884). Dazu passt der Trend hin zu nicht-zyklischen Branchen, den Gregor Hamme von der Unicredit Group derzeit sieht. Abgestoßen werde etwa Unternehmen aus dem Automobilsektor (WKN A0RPR0). „Die Anleger sind nervöser geworden und schalten einen Gang herunter.“ Dass Immobilien-ETFs wie der iShares FTSE/EPRA European Property Index Fund (WKN A0HG2Q) wieder gesucht würden, passe zwar nicht ganz ins Bild, wie Hamme einräumt: „Die Immobilienbranche scheint aber wieder gut zu laufen, wenn man sich etwa die Preisentwicklung in Berlin oder London ansieht.“ Rege gehandelt würden darüber hinaus Banken-ETFs, allerdings in beide Richtungen (WKN 628934). Die Commerzbank meldet einzelne größere Verkäufe von Financial Services-ETFs sowie Käufe bei Basic Resources-Indexfonds. „Sonst war nicht viel los“, erklärt Bartels.

Schwellenländer: Stillhalten angesagt

Eher wenig Beachtung finden im Moment die Schwellenländer-Indexfonds. „Es ist ziemlich ruhig, seit der zweiten April-Hälfte warten Anleger ab“, beschreibt Stefano Valenti von der Unicredit Group die Lage. Es gebe weder große Zu- noch Abflüsse. „Wenn man überhaupt eine Richtung ausmachen will, dann sind es Abgaben bei ETFs mit koreanischen und russischen Aktien“, ergänzt der Händler (WKN LYX0A8, LYX0AF). Der Korea-ETF sei zuletzt gut gelaufen, jetzt würden Gewinne glattgestellt. Flow Traders sieht hingegen Abgaben bei Trackern auf chinesische Indizes (WKN DBX1FX) sowie Positionierungen bei den breiten Schwellenländer-ETFs (WKN A0JMLL, DBX1EM).

© 17. Mai 2011 / Anna-Maria Borse

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