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ETF-Marktbericht: Festverzinsliches gesucht

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Bei allgemein deutlich gestiegenen Umsätzen finden Anleger zunehmend Gefallen an Festverzinslichem und Schwellenländer-Indizes. Bei den heimischen Bluechip-Indizes zeigt sich keine einheitliche Tendenz. Engagements im Bankensektor werden heruntergefahren.

FRANKFURT (Börse Frankfurt). Eigentlich eine ganz gute Woche, kommentieren Spezialisten die jüngsten Bewegungen im Handel mit Indexfonds. „Während Käufe und Abgaben über alle Assetklassen hinweg weitestgehend ausgeglichen waren, fielen die Umsätze überdurchschnittlich aus“, erklärt Andreas Kuppler von der Deutschen Bank. Gegen den Trend der vergangenen Wochen seien verstärkt Tracker des europäischen Bluechip-Index Stoxx 50 und des breiter gestreuten Stoxx 600 gekauft worden. Aber auch Indizes der Emerging Markets seien wieder zunehmend gefragt, fügt Kuppler hinzu.

Auch Andreas Bartels von der Commerzbank ( Zum Testbericht) spricht von einer umsatzstarken Woche: „Mit 9.500 Trades ist das Volumen im Vergleich zur Vorwoche deutlich gestiegen – da waren es nur 7.500.“ Vor allem im Aktienbereich hätten die ETF-Investoren zugekauft, das Interesse an Schwellenländer-Indizes ziehe an. Allerdings beobachtet der Commerzbank ( Zum Testbericht)-Händler Umschichtungen von allgemein europäischen ETFs (WKNs 593395, 935927) hin zu DAX-Tracker (WKNs 593393, 593397, ETFL01, DBX1DA).

Auch in Florian Perinis Orderbüchern sind die Umsätze stark angezogen. „Die positive Stimmung im Vorfeld der Zinsentscheidung der EZB scheint jedoch schon wieder verpufft und sowohl die Eurokrise als auch die schleppende Genesung der Weltwirtschaft sind wieder in den Fokus gerückt“, analysiert der Händler von Flow Traders und beobachtet Abflüsse aus DAX- und Euro Stoxx-Tracker (WKNs 593395, 935927, 593393). Die US-Wirtschaft komme nicht auf Touren, aber auch die Signale aus Asien und Europa wirkten nicht unbedingt unterstützend. „Der Euro ist trotz der Leitzinssenkung auf 75 Basispunkte unter Druck geraten und tendiert in der Nähe eines Zweiahres-Tiefs. Bei Investoren genieße der Dollar momentan, wie meist in Krisenzeiten, als alteingesessene Währung das größere – wenn nicht sogar das meiste – Vertrauen.“

„Sichere Rendite scheint das Wichtigste“

Am stärksten nachgefragt wurden laut Perini in der vergangenen Woche Rentenprodukte, speziell Anleihen der deutschen Bundesrepublik, aber auch auf in US-Dollar oder Euro lautende Unternehmensanleihen hätten sich Investoren ins Depot gelegt (WKNs 628947, 628948, 251124, LYX0EE, A0DPYY, 628946). „Eine einigermaßen sicherere Rendite scheint den meisten Anlegern momentan am Wichtigsten zu sein“, meint Perini.

Auch Bartels spricht von einem auffallend starken Kaufüberhang im festverzinslichen Bereich. „Das hat sich über die gesamte Bandbreite widergespiegelt“, kommentiert der Market Maker. Ganz oben auf den Einkaufslisten standen laut Bartels unter anderem die beiden Schwellenländer-Papiere SPDR Barclays Capital Emerging Market Local Bond ETF (WKN A1JJTV) und iShares JPMorgan $ Emerging Markets Bond (WKN A0RFFT).

Schwellenländer gefragt

Tracker von Emerging Market-Indizes waren nach Auskunft von Bartels in der vergangenen Handelswoche stark gesucht, sowohl mit Aktien- als auch mit Anleihen. „Darin könnte sich die Suche nach höheren Renditen spiegeln“, spekuliert Bartels. Auch die Deutsche Bank verzeichnet Zukäufe von Schwellenländer-ETFs. Kuppler beobachtet Käufen unter anderem von ETFs auf lateinamerikanische Indizes, vor allem in Mexiko seien die Investoren eigestiegen. Zu den umsatzstärksten Produkten zählten etwa der iShares MSCI Emerging Markets (WKN A0HGZT) oder der db x-trackers MSCI Emerging Markets TRN Index ETF (WKN DBX1EM).

Banken unbeliebt

Bei den Sektoren stoßen Bankenwerte beispielsweise aus dem Stoxx 600 Banks (WKN DBX1SF) auf wenig Gegenliebe, wie Kuppler registriert. Gesucht waren laut Bartels indes Immobilienwerte und Rohstoffe des Stoxx 600 (WKNs ETF047, ETF063) und Konsumgütertitel des MSCI World (WKN DBX0G6). Tendenziell sei der Handel mit Sektor-Fonds in der vergangenen Woche aber ruhig gewesen, merkt Bartels an.

 

© 10. Juli 2012 / Karoline Kopp

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