ETF-Marktbericht
Der wöchentliche ETF-Marktbericht der Börse Frankfurt informiert über die ETF-Trends der vergangenen Woche

„Europäische Aktien sind derzeit wenig gefragt, gesetzt wird eher auf Aktien aus anderen Regionen – auch aus den Schwellenländern“, so fasst Anna-Maria-Borse von der Deutschen Börse das Marktgeschehen im ETF-Marktbericht KW 14 zusammen.

„Der Start in den April ist an der Börse gründlich misslungen: Vor Ostern war es noch nach oben gegangen, so kletterte der DAX am Gründonnerstag auf 12.096,73 Punkte. Am heutigen Dienstag sieht es vor dem Hintergrund schwacher US-Börsen aber tiefrot aus, am Mittag notiert der DAX bei nur 11.962 Zählern. Der sich verschärfende Handelsstreit zwischen den USA und China belastet: In Reaktion auf die US-Zölle auf Stahl und Aluminium hatte China 128 US-Produkte mit Zöllen zwischen 15 und 25 Prozent belegt. Der Dow Jones verlor am Ostermontag fast 2 Prozent“, berichtet die Deutsche Börse.

Dem Negativtrend könne sich der ETF-Markt nicht entziehen. „Die Abgaben von europäischen Aktien setzen sich fort“, stellt Andreas Bartels von der Commerzbank ( Zum Testbericht) fest. Von einem größeren Verkaufsdruck wolle er aber nicht sprechen. „Das ist normales Geschäft.“ Rick van Leeuwen von IMC Financial Markets sieht europäische Aktien ebenfalls weiter auf den Abgabelisten. „Speziell heute gibt es aber auch wieder einzelne Zukäufe, vielleicht ist das die Wende.“

Trotz Osterfeiertage und Ferienzeit seien die Umsätze in der Vorwoche den Händlern zufolge hoch gewesen. Bartels meldet 28.000 Transaktionen bei ebenfalls hohen Volumina. Auch Oliver Kilian von der Unicredit Group berichtet von einer recht aktiven Handelswoche mit rund 20 Prozent mehr Volumen als in der Woche davor.

Unbeliebte Euro Stoxx-Tracker

„Es sind vor allem europäische Aktien, die aus den Portfolios fliegen. Bei Aktien aus anderen Regionen – etwa den USA, den Schwellenländern oder Japan – wurde hingegen noch zugegriffen“, heißt es im ETF-Marktbericht KW 14. Bartels zufolge trennten sich Anleger von Euro Stoxx- und DAX-ETFs (WKN ETF050, 593395) und setzten stattdessen auf US-Werte. Laut Kilian waren es eher die europäischen Large Cap-Indizes, die abgegeben wurden. ETFs, die breitere Indizes abbilden, seien durchaus gekauft worden, etwa MSCI Europe- und Stoxx Europe 600-Indexfonds (WKN 263530, DBX1A7, A1W37K). Gesucht wordeb seien auch Stoxx Europe 50-Tracker (WKN 593394, A0X9QJ), die nicht nur Aktien aus der Eurozone, sondern aus ganz Europa abbildeten.

Beliebt gewesen seien außerdem Titel kleinerer und mittelgroßer Unternehmen, zum Beispiel über den Xtrackers MSCI Europe Small Cap (WKN DBX1AU), den iShares MSCI EMU Small Cap (WKN A0X8SE) und den iShares Euro Stoxx Mid (WKN A0DK6Y). Der Trend gilt Kilian zufolge auch für die USA (WKN A0X8SB, WKN A0Q1YY).

Van Leeuwen zufolge greifen Anleger zudem bei japanischen Aktien zu. Bartels hat ebenfalls ein hohes Interesse an japanischen Titeln beobachtet, allerdings in beide Richtungen. Laut Commerzbank ( Zum Testbericht) wurden auch MSCI World-Indexfonds gekauft, IMC berichtet hingegen von Abflüssen aus dem MSCI World von Xtrackers. Auch hier hat Kilian Interesse an Aktien kleinerer Unternehmen festgestellt, etwa über den SPDR MSCI World Small Cap (WKN A1W56P).

Emerging Markets überzeugen

Auffällig ist laut dem ETF-Marktbericht KW 14 auch der starke Fokus auf Schwellenländer: Die Commerzbank sieht MSCI Emerging Markets-Tracker (WKN A0HGWC, A1JJTE) auf den Einkaufslisten ihrer Kunden auf dem ungewöhnlich hohen zweiten Platz – gleich hinter ETFs, die an den US-Markt gekoppelt sind. „Schwellenländeraktien haben sich gegenüber Aktien der Industrieländer zuletzt besser entwickelt“, bemerkt Bartels.

Laut van Leeuwen setzen Anleger vor allem auf den iShares Core MSCI Emerging Markets IMI (WKN A111X9). Der IMI-Index (Investable Market Index) ist breiter angelegt als der wichtigere MSCI Emerging Markets und besteht aus knapp 2.700 Large, Mid und Small Caps aus 24 Schwellenländern. Er deckt MSCI zufolge 99 Prozent der Emerging Markets-Aktienmärkte ab – gegenüber 85 Prozent beim MSCI Emerging Markets.

Auch Kilian meldet Zuflüsse in die großen MSCI Emerging Markets-Tracker (WKN LYX0BX, UB42AA), aber auch in Indexfonds, die sich auf einzelne Märkte konzentrieren, etwa den koreanischen (WKN A0HGWD), den taiwanesischen (WKN DBX1MT) oder den mexikanischen (WKN DBX0ES).

Abflüsse aus Tech-Aktien

Im Handel mit Branchen-ETFs macht sich laut dem ETF-Marktbericht KW 14 die Affäre um den Datenmissbrauch bei Facebook weiter bemerkbar. Technologieaktien wurden daher überwiegend abgegeben, wie Bartels beobachtet hat. „Der US-Technologieindex Nasdaq 100 hat seit seinem Allzeithoch Mitte März mittlerweile über 10 Prozent abgegeben, ähnlich ist es bei europäischen Tech-Indizes wie dem Stoxx Europe 600 Technology oder dem TecDAX“, so die Deutsche Börse.

Abgesehen davon seien die meisten Branchen-ETFs Bartels zufolge derzeit beliebt, allen voran Banken-ETFs, aber auch Indexfonds, die die Energie- und die Gesundheitsbranche abbilden. Kilian zufolge trennten sich Anleger allerdings von Konsumgüteraktien – aus Europa (WKN A0REJ1) und der ganzen entwickelten Welt (WKN A113FG).

Fixed Income-ETFs kaum beachtet

Nicht viel los sei im Handel mit Anleihen-ETFs. Bartels berichtet von Zuflüssen in europäische Unternehmensanleihen mit kurzen Laufzeiten, ebenso in den ComStage Commerzbank Bund-Future Short (WKN ETF562), mit dem auf einen fallenden Bund-Future, also steigende Zinsen, gesetzt werden kann. Kilian zufolge wurden europäische Staatsanleihen (WKN A1JKSV, A1J205. A1JJTP) gekauft, US-Treasuries (WKN A0J202) hingegen abgestoßen.

Von: Anna-Maria Borse
3. April 2018, © Deutsche Börse AG

 

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Uwe Görler ist seit dem Jahr 2011 Finanzredakteur für das „EXtra-Magazin“, die Online-Plattform extra-funds.de und diverse Medienprojekte der Isarvest GmbH rund um das Thema ETFs und Robo-Advisors. Davor schrieb der gebürtige Dresdner in verantwortlicher Position für die „Zertifikatewoche“ und verfasste Beiträge zu den Themenbereichen Wirtschaft & Finanzen sowie Gesundheit für Hörfunk- und Fernsehsender, darunter Antenne Bayern und N24.