ETF-Marktbericht
Der wöchentliche ETF-Marktbericht der Börse Frankfurt informiert über die ETF-Trends der vergangenen Woche

„Anleger vertrauen in global engagierte Portfolios und Aktien führender US-Indizes. In Europa überzeugen britische und Schweizer Werte“, so fasst Iris Merker von der Deutschen Börse das Geschehen im ETF-Marktbericht KW 25 zusammen.

„Nachdem die Entscheidungen der Federal Reserve und Europäischen Zentralbank auf dem Tisch liegen, spielt an den internationalen Kapitalmärkten das Hochschaukeln im Streit um Strafzölle zwischen China und den USA eine tragende Rolle. Das spüren die Händler im Geschäft mit Indexfonds. „Die vergangenen Tage sind von Zurückhaltung geprägt, weshalb kaum Bewegung in die eine oder andere Richtung erkennbar ist“, berichtet Rick van Leeuwen von IMC Markets. „Anleger warten ab.“

Hierzulande bremst nach Meinung von Frank Mohr zusätzlich der Streit zwischen Angela Merkel und Innenminister Horst Seehofer über das künftige Vorgehen in der Flüchtlingspolitik. Auch das Thema Audi spiele mit. „Aktuell ist Druck auf dem Kessel“, fasst der Händler der Commerzbank ( Zum Testbericht) die Lage am deutschen Aktienmarkt zusammen. Nach 13.170 Punkten im Hoch am Freitag rutschte der DAX heute zeitweise unter 12.600 Zähler.

Die Breite überzeugt

Der ETF-Handel der vergangenen Woche fiel mit etwa 33.000 Transaktionen laut Mohr noch recht ordentlich aus. „Auffallend ist die starke Fokussierung auf führende Indizes.“ S&P 500-Tracker (WKNs A0YEDG, A1JK53) belegten in der Umsatzstatistik den Spitzenrang und würden unterm Strich gekauft. „Produkte aller Anbieter waren gesucht.“ Ähnlich verhalte es sich mit MSCI World-ETFs (WKN A1W4HS, A0HGWC). Anleger hätten sich zudem zumeist in Produkten mit Schwellenländer-Aktien im MSCI Emerging Markets Index (WKNs LYX0BX, UB42AA) positioniert. „Beide Kategorien belegten in der Kaufstatistik einen vorderen Rang“, heißt es im ETF-Marktbericht KW 25. Die Verteilung auf viele verschiedene Produkte sieht Mohr als Indiz für breiteres Interesse an Aktien aufstrebender Länder.

Schweizer Aktien gesucht

Bei der UniCredit drehe sich die Mehrheit der ETF-Aktivitäten um Unternehmen der Industrienationen mit Schwerpunkt Vereinigte Staaten. „Einen eindeutigen Trend erkennen wir nicht“, beschreibt Florian Lenhart. Während Tracker des MSCI USA und S&P 500 eher rausgingen, deckten sich Investoren mit Nasdaq-ETFs unterm Strich ein. Von Euro Stoxx 50-Produkten trennten sich die Kunden der UniCredit zum Teil deutlich. MSCI Europe-Produkte würden wiederum mal gekauft (WKN A0MZWQ) und mal abgestoßen (WKN A0JDGC). „Das könnte eine Umschichtung sein.“

Zweifellos auf den Einkaufslisten stünden Indexfonds, die sich am Swiss Market Index SMI (WKN A0BLUH) und britischen Leitindex FTSE 100 (WKN 552752) orientieren. Das Interesse an deutschen Bluechips im DAX halte sich hingegen in Grenzen. „Wenn gehandelt wird, trennen sich Anleger zumeist von ihren Positionen.“

Smarte Faktoren zählen

Recht viel Nachfrage gebe es für Faktor-ETFs. Anleger investierten hohe Summen in Tracker des MSCI USA Quality (WKN A14XMA) und MSCI USA Value Index (WKN A1J781) von UBS. „Für Faktor-ETFs flossen stattliche Summen.“

Defensive Industrien gefragt

Im Handel mit Branchen-ETFs erkennt Mohr eine Bewegung hin zur Grundstoffe- und Energieindustrie. Aktien im Stoxx Europe 600 Basic Resources (WKN A0F5UK) sowie Versorger machten rund 40 Prozent der Umsätze. „Hier gibt es einen klaren Kaufüberhang.“ Lenharts Kunden setzten bevorzugt auf die Lebensmittelindustrie und den Einzelhandel. Zuflüsse gebe es für Tracker des Stoxx Europe 600 Food & Beverage (WKN LYX0AR) und Stoxx Europe 600 Retail (WKN LYX0A0). Von Aktien der Reisebranche etwa im Stoxx Europe 600 Travel und Leisure Index (WKN LYX0A2) hätten sich Investoren eher verabschiedet.

Anleger greifen zu italienischen Bonds

Relativ ruhig geht es im Handel mit Festverzinslichem zu, wie die Händler im ETF-Marktbericht KW 25 einhellig feststellen. Drei bis fünfjährige Staatsanleihen (WKN LYX0MY) aus dem Euroraum landeten vermehrt in den Depots, berichtet Lenhart. Ebenso deckten sich Investoren mit Papieren im Barclays Italy Treasury Bond Index (WKNs A1JXZH) ein. Das Barometer bietet Zugang zu in Euro geführten italienischen Bonds mit einer Restlaufzeit von mindestens einem Jahr und mit einem ausstehenden Volumen von mindestens 300 Millionen Euro.

von: Iris Merker
19. Juni 2018, © Deutsche Börse AG

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Uwe Görler ist seit dem Jahr 2011 Finanzredakteur für das „EXtra-Magazin“, die Online-Plattform extra-funds.de und diverse Medienprojekte der Isarvest GmbH rund um das Thema ETFs und Robo-Advisors. Davor schrieb der gebürtige Dresdner in verantwortlicher Position für die „Zertifikatewoche“ und verfasste Beiträge zu den Themenbereichen Wirtschaft & Finanzen sowie Gesundheit für Hörfunk- und Fernsehsender, darunter Antenne Bayern und N24.