ETF-Marktbericht
Der wöchentliche ETF-Marktbericht der Börse Frankfurt informiert über die ETF-Trends der vergangenen Woche

„Investoren nutzen steigende Kurse am deutschen Aktienmarkt zum Ausstieg aus DAX-ETFs. Marktbreite MSCI World-Trackers kommen dagegen gut an. Bei Festverzinslichem überzeugen europäische Staatsanleihen mit mittleren Laufzeiten zulasten von Lang- und Kurzläufern“, das berichtet Iris Merker von der Deutschen Börse im ETF-Marktbericht KW 31.

„Höchstleistungen gibt der ETF-Handel in der sommerlichen Hitze zwar nicht her. Dennoch bleiben viele Anleger auch während der Ferienzeit am Ball, heißt es weiter. „Wir verbuchen viele kleinere Trades“, berichtet Rick van Leeuwen von IMC Markets. Tracker des MSCI World führt der Market Maker ganz oben in der Kaufstatistik. Den Spitzenrang in der Abgabenliste belegten MSCI Emerging Market-ETFs.

Rein in die Breite, raus aus Technologieaktien

Das deckt sich zum Teil mit den Beobachtungen von Oliver Kilian. Anleger positionierten sich verstärkt in MSCI World-ETFs (WKNs A0RPWHA0HGV0). „Bei uns sind das die meist gehandelten Werte“, fasst der Händler der UniCredit zusammen. Alles in allem dominierten indes leicht die Abflüsse. Indexfonds mit Emerging Markets-Aktien würden unterm Strich ebenso verkauft wie S&P 500- (WKNs A0YEDG, 622391LYX0FS), Nikkei 400- (WKN LYX0W8) und MSCI Hong Kong-Tracker (WKN A14MGG). Mit einem Anteil von etwa Zweidrittel sieht Kilian die größten Abflüsse bei Fonds, die sich am Technologie-Index Nasdaq (WKN 801498) orientieren. „Einzelaktien wie Facebook oder Twitter haben deutlich Federn lassen müssen“, begründet Killian.

Nasdaq technisch angeschlagen

Nach Meinung von Christoph Geyer deuteten die Nasdaq-Verluste zum vergangenen Wochenende bereits an, was anderen Märkten in dieser Woche noch bevorstehen könnte. Die anziehenden Umsätze fielen dem Charttechniker der Commerzbank ( Zum Testbericht) zufolge zum Teil schon in die Phase der Korrekturbewegung. Der Stochastik-Indikator habe ein Verkaufssignal generiert und der MACD-Indikator eine Divergenz gebildet. Diese Gemengelage spreche für einen möglichen Bruch des seit Anfang April bestehenden Aufwärtstrends mit einem Test des Unterstützungsbereichs um 7.500 Punkte als erste Anlaufstelle.

Abkehr von europäischen Aktien

Insgesamt bewegen sich die ETF-Umsätze der Commerzbank ( Zum Testbericht) vergangene Woche mit knapp 27.000 Transaktionen im Rahmen des üblichen für die Jahreszeit, wie Carsten Schröder im ETF-Marktbericht KW 31 meldet. Über alle Anlageklassen hinweg kämen die Zuflüsse zwar auf einen Anteil von 54 Prozent. Meist gekauft worden seien MSCI World-ETFs (WKN A1XB5U) gefolgt von S&P 500- Produkten (WKN A0YEDG). Vor dem Hintergrund steigender DAX-Notierungen – der hiesige Bluechip-Index legte auf Wochensicht um 2,38 Prozent zu – hätten sich Investoren von ETFs, die sich am DAX orientieren, zumeist verabschiedet. Ebenso gingen europäische Unternehmen im Euro Stoxx 50- (WKN ETFL02) und japanische Konzerne im MSCI Japan (WKN DBX1MJ) zumeist raus. Kilian bestätigt die tendenzielle Abkehr von europäischen Aktien. DAX- (WKNs 593393ETF001), Euro Stoxx 50- (WKNs 935927A0RGCL) und MSCI EMU-Produkte (WKN A0YEDX, A1W3AA, A1W290) seien alle unterm Strich abgegeben worden.

Das mittlere Ende zählt

Die Umsätze mit Renten-ETFs beschreibt Kilian als vergleichsweise hoch bei deutlich mehr Zu- als Abflüssen. Auffällig sei die Umschichtung europäischer Staatsanleihen. Papiere mit Laufzeiten von ein bis drei (WKNs A0RNV6LYX0XH) und sieben bis zehn Jahren (WKNs A0RNV9DBX0AG) seien zugunsten von Bonds mittlerer Restlaufzeiten zwischen drei und fünf Jahren (WKN A0LGP6) abgestoßen worden. Zuflüsse verbuche die UniCredit für in Euro geführte Unternehmensanleihen im Barclays Capital Euro Corporate Bond Index (WKN A0RGEP). Ebenso kämen hochverzinsliche US-Dollar Corporate Bonds (WKN LYX0V1) verstärkt zum Tragen.

Die Commerzbank spricht im ETF-Marktbericht KW 31 ebenfalls von überdurchschnittlichem Interesse an Festverzinslichem. Zumeist abgestoßen würden Produkte, die von fallenden Kursen für zehnjährige Staatsanleihen (WKN ETF562) profitieren. Schröder: „Der Wert belegt bei uns Platz eins der Verkaufsbestenliste in der Sparte. Auf der Kaufseite stünden ein- bis dreijährige US-Staatsanleihen (WKN A0J202) besonders hoch im Kurs.

Setzen auf europäische Automobilindustrie

Bei den Branchen-ETFs stehen laut Schröder nordamerikanische Technologiewerte (WKN A0F5UF) im Mittelpunkt, gefolgt von europäischen Immobilien (WKN A0HGV5). „Beide landeten überwiegend in den Depots.“ Eine deutliche Kauftendenz in der Größenordnung von rund 85 Prozent registriert der Händler für Produkte mit Automobilwerten im Stoxx Europe 600 Automobiles & Parts Index. Das hänge mit der möglichen Einigung im Streit um Strafzölle mit den USA zusammen.

von: Iris Merker
31. Juli 2018, © Deutsche Börse AG

Interesse an News zu ETFs und Geldanlage?

Unser kostenloser Newsletter hält Sie auf dem Laufenden.

Uwe Görler ist seit dem Jahr 2011 Finanzredakteur für das „EXtra-Magazin“, die Online-Plattform extra-funds.de und diverse Medienprojekte der Isarvest GmbH rund um das Thema ETFs und Robo-Advisors. Davor schrieb der gebürtige Dresdner in verantwortlicher Position für die „Zertifikatewoche“ und verfasste Beiträge zu den Themenbereichen Wirtschaft & Finanzen sowie Gesundheit für Hörfunk- und Fernsehsender, darunter Antenne Bayern und N24.