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ETF-Marktbericht KW 32: US-Aktien hängen DAX ab

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ETF-Marktbericht
Der wöchentliche ETF-Marktbericht der Börse Frankfurt informiert über die ETF-Trends der vergangenen Woche

„Autokrise, starker Euro, dazu noch die Ferienzeit – es gibt wenig, was Anleger derzeit für deutsche Aktien begeistern könnte. US-Werte ziehen im Moment eher“, das meldet Anna-Maria-Borse im ETF-Marktbericht KW 32 der Deutschen Börse.

Dass der DAX derzeit nicht von der Stelle kommt, macht sich danach auch im ETF-Handel bemerkbar. Händler hätten von viel Aufmerksamkeit für US-Aktien berichtet, und wenig für die DAX-Werte. „Insgesamt ist das Bild gemischt, mit Käufen und Verkäufen“, erklärt Frank Mohr von der Commerzbank. „Ganz klar abgegeben werden allerdings Nasdaq-Tracker.“

Von den Umsätzen her ist es etwas ruhiger geworden. „Das Sommerloch ist da“, bemerkt Florian Lenhart von der Unicredit Group. Mohr meldet noch knapp 30.000 Transaktionen für die Vorwoche. „Das ist ganz ordentlich.“

Zurückhaltung wegen Seitwärtsbewegung

„Dem DAX fehlen weiter die Impulse, der Index schwankt um 12.100/12.200 Punkte, am Dienstagmittag notiert er bei 12.259 Zählern. Es ist – neben den Problemen der Autobranche – weiter vor allem der starke Euro, der auf dem deutschen Aktienmarkt lastet. Die Gemeinschaftswährung kostet aktuell 1,18 US-Dollar, Anfang des Jahres waren es nur 1,04 US-Dollar“, so die Deutsche Börse zur Begründung. Derweil gehe in den USA der Rekordlauf weiter: Der Dow Jones habe am gestrigen Montag ein neues Allzeithoch von 22.121,15 Punkten erreicht. Für Unterstützung hätten noch die guten Arbeitsmarktdaten vom Freitag gesorgt.

Blick geht gen USA

Bei der Commerzbank waren diesmal laut dem ETF-Marktbericht KW 32 S&P-Tracker ungewöhnlicherweise Umsatzspitzenreiter. Die Meinungen darüber, ob der Zeitpunkt für einen Einstieg immer noch gut sei oder lieber Gewinne mitgenommen werden sollten, gingen aber offenbar auseinander. „Es wurde ge- und verkauft, mit einem kleinen Käuferüberhang“, erklärt Mohr. Auch Lenhart berichtet von vielen Kaufanfragen für S&P 500-ETFs, aber Flows in beide Richtungen.

„Der DAX (WKN 593393, DBX1DA, ETFL01) findet sich bei der Commerzbank erst auf Platz vier der am meisten gehandelten Indizes“, so die Deutsche Börse im ETF-Marktbericht KW 32. „Zu- und Abflüsse hielten sich die Waage“, heißt es weiter. Für Euro Stoxx-ETFs (WKN 593395, DBX1ET, 935927) sei Mohr zufolge auch kein großer Trend auszumachen, allenfalls etwas mehr Käufe. Lenhart meldet hingegen Käufe in Euro Stoxx- und Verkäufe in DAX-Trackern. „Wir hatten im Euro Stoxx 50 die meisten Umsätze.“

„An der Börse Frankfurt konzentrierten sich Anleger im Bereich der US-amerikanischen Aktien auf den SPDR S&P Euro Dividend Aristocrats (WKN A1JT1B), der dividendenstarke Aktien abbildet“, so die Deutsche Börse. Auch in MDAX-Trackern wie dem iShares MDAX (WKN 593392) habe es hohe Umsätze gegeben, wie die Handelsstatistik der Börse Frankfurt für die vergangenen fünf Handelstage zeige.

Verkaufswelle bei Nasdaq-ETFs

Nasdaq-ETFs (WKN A0YEDL) würden unterdessen ganz klar abgestoßen. Die Nervosität wachse, die Stimmen, dass der Technologiesektor heiß gelaufen sei, mehrten sich. „Der Nasdaq 100 schloss am gestrigen Montag bei 5.934 Punkten und damit nur knapp unter dem vor kurzem erreichten Allzeithoch von 5.995,77 Zählern. Seit Jahresanfang ist der Technologieindex um 22 Prozent gestiegen, in den vergangenen vier Jahren hat er sich verdoppelt“, so die Deutsche Börse. Im Juni habe der Nasdaq 100 schon einmal geschwächelt, die Verluste seien aber wieder wettgemacht.

„Nicht mehr ganz so stark beachtet wie in den vergangenen Wochen wird die Bankenbranche“, so die Deutsche Börse im ETF-Marktbericht KW 32. An der Börse Frankfurt habe vor allem der iShares Euro Stoxx Banks (WKN 628930) im Fokus der Anleger gestanden, die anderen Banken-Indexfonds (WKN A0F5UJ, A1JFG7) seien weniger gehandelt worden. Ein höheres Handelsaufkommen hätten dagegen ETFs verzeichnet, die Finanzdienstleister abbildeten (WKN A0H08G) – und dies in beiden Richtungen.

Autokrise ignoriert

Kein Thema im ETF-Handel sei Deutschlands Thema Nummer eins: die Autobranche. „Wir sehen kaum Umsätze“, meint Mohr. „Das betrifft wohl eher direkt die Aktien der Unternehmen.“ Auch Lenhart könne das bestätigen: „Interesse an Auto-ETFs beobachten wir kaum.“ Der iShares Stoxx Europe 600 Automobiles & Parts (WKN A0Q4R2), der auch die deutschen Autobauer VW, Daimler und BMW abbilde, habe in den vergangenen Wochen etwas verloren, komme auf Sicht von zwölf Monaten aber immer noch auf ein Plus von knapp 10 Prozent.

Anleihen-ETFs: umsatzarmer Handel

Nicht viel los sei im Bereich Anleihen-ETFs. „Hier gibt es allenfalls eine Flucht in Geldmarkt-ETFs“, stellt Lenhart fest. „Da wird wohl Geld geparkt.“ Mohr meldet Käufe im Bund-Futures-Short-ETFs, mit dem auf einen fallenden Euro-Bund-Future – also steigende Zinsen – gesetzt werden kann.

von: Anna-Maria Borse
8. August 2017, © Deutsche Börse AG

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Uwe Görler ist seit fünf Jahren Finanzredakteur für das „EXtra-Magazin“ und das „Portfoliojournal“. Davor schrieb er in verantwortlicher Position für die „Zertifikatewoche“ und schrieb Beiträge für Hörfunk- und Fernsehsender, darunter Antenne Bayern und N24.
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