ETF-Marktbericht
Der wöchentliche ETF-Marktbericht der Börse Frankfurt informiert über die ETF-Trends der vergangenen Woche

„Europäische Aktien werden weiter zugekauft, klare Ausnahme: britische Aktien. In US-Titeln wird Kasse gemacht“, so fasst Anna-Maria-Borse das Marktgeschehen der vergangenen Woche im ETF-Marktbericht KW 42 der Deutschen Börse zusammen.

Immer neue Rekorde an den Börsen locken Anleger weiter in europäische Aktien. In US-Werten werden hingegen überwiegend Gewinne mitgenommen, wie die Händler berichten. „Alles konzentriert sich auf die entwickelten Märkte“, stellt Oliver Kilian von der Unicredit Group fest. Der DAX liegt am Dienstagmittag knapp unter 13.000 Punkten, am Freitag war mit 13.036,74 Zählern ein neues Allzeithoch erreicht worden. In den USA kletterten S&P 500, Dow Jones und Nasdaq 100 am gestrigen Montag auf neue historische Hochs.

Frank Mohr von der Commerzbank ( Zum Testbericht) meldet einen ruhigeren ETF-Handel mit 26.500 Transaktionen in der vergangenen Woche. Kilian berichtet hingegen von im Vergleich zur Vorwoche abermals gestiegenen Umsätzen. „Neue Nachrichten zum Katalonien-Konflikt oder zu den Brexit-Verhandlungen schlagen sich in den Umsätzen nieder.“

Am liebsten „ex UK“

„Zuflüsse melden die Händler in DAX- und Euro Stoxx-ETFs (WKN 593393, 593395, ETFL01) ebenso wie in MSCI World-Trackern“, berichtet der ETF-Marktbericht KW 42. „Auffällig ist, dass in Europa investiert wird, aber Großbritannien gerne ausgeklammert wird“, beobachtet Mohr. Kilian bestätigt das und nennt als Beispiel den iShares MSCI Europe ex-UK (WKN A0J204). Zudem trennten sich Anleger auch direkt von britischen Aktien (WKN 552752). Die Brexit-Verhandlungen sind ins Stocken geraten, vor allem die Frage der finanziellen Verpflichtungen der Briten nach dem EU-Austritt ist umstritten. EU-Chefunterhändler Michel Barnier sprach nach Abschluss der fünften Gesprächsrunde von einer „Sackgasse“, in die man gekommen sei.

Leichte Entspannung am spanischen Markt

Die Unicredit berichtet außerdem von Zuflüssen in spanischen Aktien, etwa mit dem Amundi MSCI Spain (WKN A0REJT). „Das liegt an der Entspannung im Katalonien-Konflikt“, so Kilian. Der spanische Aktienmarkt habe sich nach seinem Tief Anfang des Monats wieder etwas erholt. Kataloniens Ministerpräsident Carles Puigdemont hatte am 10. Oktober eine Unabhängigkeitserklärung unterzeichnet, diese aber umgehend wieder ausgesetzt, um einen Dialog mit der Zentralregierung zu beginnen. Bei der Commerzbank ( Zum Testbericht) sind spanische Aktien laut dem ETF-Marktbericht KW 42 jedoch kein großes Thema. „Der Konflikt wird zwar beobachtet, ebenso der Nordkorea-Konflikt, die Alarmglocken läuten bei den Anlegern aber nicht, dafür läuft es in der Wirtschaft weltweit zu gut“, bemerkt Mohr.

Wiener Börse als Top-Performer

„Vergleichsweise hohe Umsätze konnten an der Börse Frankfurt in den vergangenen fünf Handelstagen auch ETFs zu verzeichnen, die an den österreichischen Aktienindex ATX gekoppelt sind. Hintergrund sind wohl die Parlamentswahlen vom vergangenen Sonntag. Der österreichische Aktienmarkt gehört in diesem Jahr zu den Top-Performern weltweit“, so die Deutsche Börse. Der umsatzstarke iShares ATX (WKN A0D8Q23) sei seit Jahresanfang um fast 30 Prozent gestiegen. S&P 500- und MSCI USA-ETFs würden hingegen verkauft, ebenso Russell 2000-Tracker. So habe Kilian von Abgaben in S&P 500-ETFs von iShares berichtet (WKN A0YEDG, 622391) sowie im Amundi Russell 2000 (WKN A1W9FT).

Gesuchte Automation & Robotics-ETFs

Im großen Stil gekauft worden seien des Weiteren Immobilien-ETFs, und zwar solche, die Großbritannien ausklammerten (WKN A0HGV5). Zuflüsse meldet Mohr auch für Technologie- und Banken-ETFs. Die Letzteren standen bei der Unicredit hingegen auf den Verkaufslisten (WKN 628930, A0F5UJ). Laut Kilian verabschiedeten sich Anleger auch aus US-Energie-ETFs, etwa dem SPDR S&P U.S. Energy Select Sector (WKN A14QB0).

Auf der Umsatzliste der Börse Frankfurt führten – wie fast immer – Banken-ETFs die Liste der Branchen-Tracker an. Auffällig weit oben finde sich aber auch der iShares Automation & Robotics (WKN A2ANH0). Der habe in den vergangenen zwölf Monaten um 37 Prozent zugelegt.

Geldmarkt-Produkte gefragt

Im Fixed-Income-Bereich überwogen laut Unicredit die Zuflüsse in Geldmarkt- und geldmarktnahen Produkten, etwa dem Pimco Euro Short Maturity Source (WKN A1H497) oder dem iShares eb.rexx Money Market (WKN A0Q4RZ). Auch hier wollten Anleger von Großbritannien nichts wissen und trennten sich vom db x-trackers II Sterling Cash (WKN DBX0A1). Bei europäischen Staatsanleihen wurden laut Kilian mittlere Laufzeiten verkauft (WKN A0LGP6) und sehr lange (WKN A0LGP5) gekauft. Sehr gut kommt zurzeit ein ETF an, der variabel verzinsliche europäische Unternehmensanleihen abbildet, der Amundi ETF Floating Rate Euro Corporate 1-3 (WKN A119G6).

Von: Anna-Maria Borse
17. Oktober 2017, © Deutsche Börse AG

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Uwe Görler ist seit dem Jahr 2011 Finanzredakteur für das „EXtra-Magazin“, die Online-Plattform extra-funds.de und diverse Medienprojekte der Isarvest GmbH rund um das Thema ETFs und Robo-Advisors. Davor schrieb der gebürtige Dresdner in verantwortlicher Position für die „Zertifikatewoche“ und verfasste Beiträge zu den Themenbereichen Wirtschaft & Finanzen sowie Gesundheit für Hörfunk- und Fernsehsender, darunter Antenne Bayern und N24.