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ETF-Marktbericht: Nach Draghi von Null auf Hundert

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Hoffnungen auf ein entschiedeneres Vorgehen der Europäischen Zentralbank bei der Lösung der europäischen Schuldenkrise sorgen für Kauflust unter den ETF-Investoren. Vor allem Aktien-Indexfonds sind gefragt, während Renten-ETFs verkauft werden.

FRANKFURT (Börse Frankfurt). Dank Mario Draghi geht alles wieder hoch, lautet die einhellige Beschreibung der Market Maker für den ETF-Handel der vergangenen Woche. „Anfang der Woche war es noch sehr ruhig, das aggressive Bekenntnis des EZB-Präsidenten zum Euro hat dann aber ein Feuerwerk ausgelöst“, berichtet etwa Jörg Sengfelder von der DekaBank. Frank Mohr von der Commerzbank ( Zum Testbericht) bestätigt: „Mario Draghi hat den ETF-Handel ordentlich belebt.“ Der Präsident der Europäischen Zentralbank hatte am vergangenen Donnerstag angekündigt, „alles Erforderliche“ zu tun, um den Euro zu retten und damit für Spekulationen über bevorstehende Aktionen der Zentralbank gesorgt.

Schon viel eingepreist

„Nach Draghi ging es von Null auf Hundert“, beobachtet auch Sidi Kleefeld, Market Maker der Deutschen Bank. Nun richteten sich die Blicke der Investoren vor allem auf die EZB-Ratssitzung am kommenden Donnerstag, in deren Rahmen erneut die Leitzinsen gesenkt oder Hinweise auf ein neues Anleihekaufprogramm der Notenbank gegeben werden könnten. „Es wurde in den vergangenen Handelstagen aber schon viel vorweggenommen und wir werden sehen, ob die EZB wirklich liefert. Wenn nicht, könnte sich das Ganze auch schnell wieder ins Gegenteil kehren“, warnt Kleefeld. Bernardus Roelofs von Flow Traders äußert sich ebenfalls vorsichtig: „Viele Leute bezweifeln, ob die Gewinne nachhaltig sind.“ Zudem hätten in den vergangenen Tagen bei einigen Produkten (WKNs u.a. 593393, A0YESX, DBX1SG) bereits Gewinnmitnahmen eingesetzt, fügt Roelofs hinzu.

Das Volumen ist laut Mohr im Vergleich zur Vorwoche deutlich gestiegen. „Mit 8.000 Trades lagen wir in der Vorwoche am unteren Rand des Durchschnittsniveaus. In der abgelaufenen Woche waren es 10.700 Trades und damit etwas mehr als das Mittel“, weiß der Händler. Kleefeld spricht ebenfalls von guten Umsätzen auf durchschnittlichem Niveau.

Aktien-ETFs gefragt

Gesucht waren in erster Linie Tracker der großen europäischen Aktienindizes (WKNs DBX1DA, 593393, 593395, ETFL01, ETFL02). „Aber auch breiter gestreute Indizes wie der MSCI World (WKNs BDX1MW, A0HGZR) und Indizes einzelner Schwellenländer (WKNs DBX1MW, A0YEDL) waren gesucht“, fügt Kleefeld hinzu. Gekauft wurden laut Sengfelder zudem Dividendenprodukte wie etwa der ETFlab DAXplus® Maximum Dividend (ETFL23). Tracker der Short-Indizes wurden, wie Mohr berichtet, hingegen verkauft (WKNs ETF052, DBX1SS).

Umschichtung in riskantere Produkte

Abgaben verzeichnen die Market Maker auch bei Renten-ETFs. „Die vermeintlich sicheren Anlagehäfen, die in den vergangenen Wochen immer wieder gesucht waren, kamen unter die Räder. Etwa der Eonia (WKN DBX0AN) oder der FED Funds (WKN DBX0A0)“, berichtet Kleefeld. Eingestiegen seien die Investoren jedoch in den italienischen Rentenmarkt und in Bond-Indizes der breiten Eurozone (WKNs DBX0AH, DBX0AC). Sengfelder spricht zudem von überwiegenden Verkäufen bei deutschen Renten-Indexfonds (WKN 628948).

Laut Roelofs wurden allerdings ETFs mit Unternehmensanleihen in der vergangenen Woche sehr stark nachgefragt – vor allem aus der Eurozone aber bitte ohne Banken. Zu den gesuchten Produkten gehörten nach Auskunft des Händlers etwa der iShares Barclays Capital EURO Corporate Bond ex-Financials (WKN A0YEEX) oder der Amundi ETF Euro Corporates (WKN A0RNWE).

Hohes Volumen im Bankensektor

„Die Umsätze in Banken-ETFs haben gut ein Fünftel des gesamten Sektoren-Umsatzes ausgemacht. Damit waren die Banken der weitaus wichtigste Sektor der vergangenen Woche“, berichtet Mohr. Allerdings seien Käufe und Verkäufe dabei relativ ausgeglichen gewesen. Sengfelder verzeichnet hingegen überwiegend Käufe von ETFs mit Bankaktien, unter anderem im iShares EURO STOXX Banks (DE) (WKN 628930).

Mohr beobachtet vor allem in den defensiven Branchen Telekommunikation und Gesundheitswesen starke Zuflüsse. Auch Rohstoffunternehmen seien derzeit sehr beliebt.

 

© 31. Juli 2012 / Karoline Kopp

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