Start ETF-Marktbericht ETF-Marktbericht: Nicht mehr auf Nummer sicher

ETF-Marktbericht: Nicht mehr auf Nummer sicher

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Indexfonds mit Bundesanleihen gelten bei Anlegern zunehmend als Langweiler. Investoren greifen entweder bei Aktien-ETFs zu oder horten Liquidität in Geldmarkt-Produkten.

Freundliche Aktienmärkte und Entspannung signalisierende Rentenmärkte veranlassen viele ETF-Anleger, ihre Positionen neu zu bestimmen: Vor allem Indexfonds mit den „sicheren Häfen“ deutsche Staatsanleihen sinken in der Gunst der Investoren und werden abgestoßen. Frei werdende Gelder fließen zum Teil in Aktien-ETFs, dabei darf es mittlerweile sogar wieder etwas exotischer sein. Einigen Anlegern ist die Rallye aber wohl schon zu weit gegangen: Sie parken die Liquidität in Geldmarkt-Indexfonds und harren der Dinge.

Allerdings sind die Umsätze nicht unbedingt hoch, Sommerpause und Hitzewelle machen sich bemerkbar. „Da bleibt so mancher seinem Schreibtisch fern“, erklärt Alexander Kuppler von der Deutschen Bank. Auch Martina Schröttle von der Commerzbank ( Zum Testbericht) spricht von einem unterdurchschnittlichem Handelsvolumen. „Das war wohl eine der ruhigsten Wochen des Jahres“, meint Bernardus Roelofs von Flow Traders sogar. „Es gab ja auch kaum Nachrichten.“ Allenfalls die Aussage von Angela Merkel, in der Eurokrise hinter dem EZB-Kurs zu stehen, habe Aufmerksamkeit gefunden.

Weg mit deutschen Staatsanleihen

Entspannung am Rentenmarkt – das bedeutet sinkende Kurse für Bundesanleihen und schrumpfende Risikoaufschläge für Krisenländer. Seit Anfang des Monats ist der Euro-Bund-Future, der als richtungsweisend für die Entwicklung deutscher Staatsanleihen gilt, auf dem Rückzug. Das findet seine Entsprechung im ETF-Handel. „Indexfonds mit Bundesanleihen unterschiedlicher Laufzeiten werden abgestoßen“, berichtet etwa Schröttle. Stattdessen werde auf renditestärkere Unternehmens- oder Staatsanleihen-ETFs gesetzt. Vor allem aber würden Geldmarktprodukte gekauft (WKN A0Q4RZ).

Abwarten mit Geldmarkt-ETFs

„Deutschland ist nicht mehr so gefragt“, fasst Roelofs die Lage im Rentenbereich zusammen. Er meldet Abflüsse aus dem iShares eb.rexx Government Germany 5,5-10,5 (WKN 628949) und dem iShares eb.rexx Jumbo Pfandbriefe (WKN 263526). Jörg Sengfelder von der DekaBank berichtet von Verkäufen im ETFlab Deutsche Börse EuroGov Germany 5-10 und im db x-trackers II iBoxx Euro Germany Covered (WKN ETFL20, DBX0AX). Zugegriffen werde hingegen weiter im iShares Barclays Capital Euro Corporate Bond ex-Financials (WKN A0YEEX), einem Indexfonds, der die Entwicklung europäischer Unternehmensanleihen außerhalb der Finanzbranche nachzeichnet.

Alexander Kuppler zufolge werden Produkte mit europäischen Staatsanleihen (WKN DBX0AC) abgestoßen, von inflationsindexierten ETFs (WKN DBX0AL) verabschiedeten sich Anleger ebenfalls. Auch er sieht Geldmarkt-ETFs (WKN DBX0AN) auf den Einkaufslisten.

Fokus auf Euro Stoxx-Indexfonds

Wem Geldmarkt-ETFs zu langweilig sind, engagiert sich weiter im Aktienmarkt. Laut Kuppler interessieren sich Investoren besonders für Euro Stoxx 50-Tracker (WKN DBX1EU) sowie ETFs, die Indizes außerhalb Deutschlands abbilden, etwa den MSCI World (WKN DBX1MW), den S&P 500 (WKN DBX0F2) , den Stoxx 600 (WKN 263530) und den MSCI Japan (WKN DBX1MJ). „DAX-Tracker (WKN DBX1DA) werden dagegen eher abgebaut.“

Nicht jeder traut sich

Auch für Sengfelder stehen Euro Stoxx 50-Tracker (WKN ETFL02) auf den Beliebtheitslisten ganz oben. Anteile an DAX-Portfolios würden nachgefragt, wenn auch in geringerem Ausmaß (WKN ETFL01). Schröttle von der Commerzbank ( Zum Testbericht) hat sogar einen leichten Verkaufsüberhang im Aktienbereich registriert. „52 Prozent Verkäufe standen 48 Prozent Käufen gegenüber.“ Vor allem DAX-ETFs seien aus den Portfolios geflogen, während Anleger in Stoxx 600-ETFs eingestiegen seien.

Auch Spezielleres zieht

Für Roelofs fehlt die klare Richtung. Ihm zufolge positionieren sich Anleger etwa im Lyxor Eastern Europe (WKN A0F6BV), im iShares MSCI Taiwan (WKN A0HG2K) und im iShares MSCI Korea (WKN A0HG2L). Gleichzeitig würden auch Short DAX-ETFs gekauft, mit denen auf einen fallenden DAX gesetzt werden kann (WKN DBX1DS). Abgestoßen würden hingegen Produkte wie der iShares S&P 500 Monthly Euro Hedged (WKN A1H53N), der Lyxor Euro Stoxx 50 Dividends (WKN LYX0FX) und der iShares DJ China Offshore 50 (WKN A0F5UE).

Ausgesprochen wenig los war den Händlern zufolge im Bereich der Sektoren. Die Deutsche Bank kann hier keine auffälligen Trends ausmachen. „Banken- und Nahrungsmittel-ETFs werden eher gekauft“, meint unterdessen Sengfelder von der DekaBank (WKN 628930, LYX0AP, LYX0AR). Umsatzstark präsentieren sich der Commerzbank zufolge wie üblich Indexfonds, die die Grundstoff- und die Gesundheitsbranche abbilden (WKN ETF063, ETF068). Diese hätten vor allem Zuspruch gefunden. In den ebenfalls umsatzstarken Versicherungs-ETFs (ETF079) hätten hingegen Abflüsse dominiert.

© 21. August 2012 / Anna-Maria Borse

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