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ETF-Marktbericht: Raus aus Europa

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Als Erlösung wird der Wahlausgang in Athen offenbar nicht empfunden, im ETF-Handel halten sich Anleger weiter zurück oder setzen auf außereuropäische Regionen. Die zurückliegenden Tage waren von Nervosität geprägt, unter dem Strich überwogen Abgaben.

FRANKFURT (Börse Frankfurt). Zwar blieb den Finanzmärkten nach dem Sieg der konservativen Partei in Griechenland der absolute Gau in Form eines Grexits, also Griechenland-Austritts aus der Eurozone, (vorerst) erspart. Doch der sich am gestrigen Montag fortsetzende Renditeanstieg für spanische Staatsanleihen zeigt, dass die Zitterpartie noch nicht zu Ende ist und die Sorgen um die Eurozone bleiben. Dass Anleger jetzt in Scharen in den Markt zurückkehren, kann also nicht behauptet werden. „Wir haben am gestrigen Montag kaum Reaktionen gesehen“, meldet Frank Mohr von der Commerzbank ( Zum Testbericht). Umgekehrt habe es vor den Wahlen auch keine Panik oder Ausverkaufsstimmung gegeben. „Anleger hatten sich schon vorab positioniert.“

Die ETF-Experten berichten daher durchweg von ruhigen Handelstagen, nach einer von regen Umsätzen geprägten Vorwoche. „Aktivität war da, doch die Breite fehlte“, erklärt Mohr. „Im Vergleich zu den Vorwochen ist es ruhiger geworden“, meint auch Alexander Kuppler von der Deutschen Bank. „Vom Volumen her war es etwas weniger, aber immer noch sehr gut“, findet Bernardus Roelofs von Flow Traders.

Lieber in die Ferne schweifen

Favoriten der Anleger waren aber keine Indexfonds mit europäischen Dividendentiteln. „Bei uns gab es fast nur Zuflüsse, aber meist in außereuropäische Indexfonds wie S&P 500-, MSCI World-, Russell 2000-, MSCI Japan- oder MSCI Asia ex Japan-ETFs“, berichtet Kuppler mit Blick auf die vergangene Woche (WKN DBX0F2, DBX1MW, DBX1AB, DBX1MJ, DBX1AE). Aktien des alten Kontinents sei eher gemieden worden. „Es gab allenfalls vorsichtige Käufe im Stoxx Europe 600.“ Am gestrigen Montag seien, bei überdurchschnittlichen Umsätzen, eher Gewinne mitgenommen worden. „Das Kursplus wurde genutzt, um auszusteigen.“

Japan beliebt

Der Commerzbank ( Zum Testbericht) zufolge gab es in DAX-Trackern (WKN ETF001) zwar noch einen kleinen Käuferüberhang, der Trend sei aber in Richtung Investitionen in andere Regionen gegangen. Ungewöhnlich weit oben auf den Käuferlisten habe der MSCI Japan (WKN A0DPMW) gestanden. „Generell ist die Region Asien/Pazifik gefragt.“ Von Euro Stoxx 50-Indexfonds (WKN ETF050) hätten sich Anleger getrennt und stattdessen auf Stoxx Europe 600-ETFs (WKN ETF060) gesetzt. „Das hat wohl mit der Bankenlastigkeit des Euro Stoxx 50 zu tun.“

Roelofs zeichnet unterdessen ein durch und durch gemischtes Bild. „Wir hatten 56 Prozent Verkäufe und 44 Prozent Käufe, ohne klare Trends“, meint der Händler. Er meldet etwas mehr Käufe in Euro Stoxx 50- (WKN DBX1EU, 935927, 593395), Stoxx Europe 600- (WKN 263530), MSCI Europe- (WKN A0JDGC) und MSCI World-Trackern (WKN LYX0AG) sowie etwas mehr Abgaben bei S&P 500- (WKN 264388) und MSCI Asia ex Japan-ETFs (WKN DBX1AE). Die in der Vorwoche noch sehr begehrten Produkte mit Hebel wurden im Übrigen meist verkauft, wie Roelofs berichtet, etwa der Lyxor Leveraged Euro Stoxx 50 (WKN LYX0BZ).

Nur Banken-ETFs im Fokus

Für Anlagen in spezifische Branchen interessieren sich Anleger derzeit weniger. „In Sektor-ETFs ist nicht viel los“, meint Mohr. „Die Umsätze sind dünn“, erklärt auch Kuppler. Ihm zufolge fanden allenfalls Bankaktien (WKN DBX1SF) Zuspruch, zum Teil auch Telekommunikationswerte (WKN DBX1ST). Roelofs hat allerdings Zu- und Abflüsse aus Banken-ETFs registriert, etwa hätten im iShares Euro Stoxx Banks (WKN 628930) die Verkäufe und im Lyxor Stoxx Europe 600 Banks (WKN LYX0AP) die Käufe dominiert. Die Bankaktien konnten sich im Juni etwas erholen, der Lyxor Stoxx Europe Banks hat – im Gegensatz zum iShares Euro Stoxx Banks – sein Niveau vom Jahresanfang sogar in etwa wieder erreicht.

Buntes Bild bei Renten-Indexfonds

Anders als in der Vorwoche spielten Fixed Income-ETFs jetzt keine große Rolle mehr. „Wir hatten wieder den üblichen Umsatzanteil von 18 Prozent für Renten-ETFs“, erklärt Mohr. Anleger fahren hier offenbar ganz unterschiedliche Strategien. Beliebt waren Mohr zufolge vor allem lang laufende Bundesanleihen, etwa der ComStage iBoxx Euro Sovereigns Germany Capped 10+ (WKN ETF523).

Kuppler meldet unterdessen Zuflüsse in Geldmarkt-Produkte. Laut Flow Traders griffen Anleger im Staatsanleihen-ETF iShares Citigroup Global Government Bond (WKN A0RM43) zu, während der ComStage Bund-Future (WKN ETF560) und der ETFlab Deutsche Börse EuroGov Germany Money Market (WKN ETFL22), ein Geldmarktfonds, abgestoßen worden seien.

Bund-Future im Rückwärtsgang

Der ComStage Bund-Future zeichnet die Entwicklung des Euro-Bund-Futures nach, der vor dem Hintergrund der Eurokrise seit Mitte März immer neue Höchstkurse erreicht hatte, zuletzt aber wieder nachgab. Grund dafür ist weniger eine gestiegene Zuversicht, die die Flucht in Bundesanleihen überflüssig machen würde. Vielmehr ist das makellose Image Deutschlands mittlerweile etwas angekratzt. Der Grund: Die immer konkreter werdenden Diskussionen um Euro-Bonds, Euro-Bills oder Bankenunion lassen Anleger fürchten, dass Deutschland für die Schulden der anderen Länder doch zunehmend in Haftung genommen werden könnte.

© 19. Juni 2012 / Anna-Maria Borse

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