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ETF-Marktbericht: Suche nach Sicherheit

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Die Schuldenkrise hat die Märkte weiter fest im Griff. Im ETF-Handel schichten Anleger verstärkt in vermeintlich sichere Häfen wie deutsche Rentenpapiere um. Aktien-ETFs haben das Nachsehen ebenso wie zyklische Titel.

FRANKFURT (Börse Frankfurt). Die Schuldenkrise in Euroraum und die damit einhergehenden Sorgen um die Wachstumsaussichten der Region stimmen die Anleger am ETF-Markt vorsichtig. „Der Markt ist belastet durch die Krise, sie ist überall präsent“, fasst Frank Mohr von der Commerzbank ( Zum Testbericht) die Lage zusammen. Die Investoren konzentrierten sich daher vor allem auf die als vergleichsweise sicher geltenden deutschen Staatsanleihen und defensive Sektoren wie Pharma und Immobilien. Aktien-ETFs würden hingegen verkauft.

Auch Florian Perini von Flow Traders berichtet von einem leichten Verkaufsüberhang bei Trackern der Aktienindizes sowohl der Industriestaaten als auch der Emerging Markets. „Es herrscht Unsicherheit in allen Bereichen“, pointiert Perini. Dabei hätten sich zu dem negativen Nachrichtenfluss aus Europa in der vergangenen Woche auch noch die enttäuschenden Daten vom US-Arbeitsmarkt gesellt. Das habe den Sorgen um das weltweite Wirtschaftswachstum zusätzliche Nahrung gegeben.

„Das Umsatzniveau deutet aber noch nicht auf Panikverkäufe hin“, fügt Mohr hinzu. In der vergangenen Woche verzeichnete der Händler rund 8.000 Trades, verglichen mit 8.000 bis 9.000 „normaler Märkte“. Das Verhältnis von ETF-Käufen zu Verkäufen im Bluechip-Segment beziffert Mohr auf 48 zu 52 Prozent.

Short-ETFs gefragt

ETFs auf Indizes der Industrienationen, die in der Vorwoche noch gesucht waren, werden nach Auskunft der Händler tendenziell verkauft. Neben Trackern des deutschen Leitindex (WKNs DBX1DA, 593393, 593397) spricht Mohr von Verkäufen bei Indexfonds zum Euro Stoxx 50 (WKNs 593394, 935927, DBX1ET). „Für die negative Haltung am Markt sprechen auch die Käufe in ShortDAX-ETFs“, so Mohr weiter. Gesucht seien etwa der db x-trackers ShortDAX Daily ETF (WKN DBX1DS) oder der ComStage ETF ShortDAX (WKN ETF004).

Schwellenländer-ETFs wenig attraktiv

Auch von Schwellenländer-ETFs lassen die ETF-Investoren derzeit tendenziell die Finger, wie Mohr meldet. Per Saldo abgegeben werden der Commerzbank ( Zum Testbericht) zufolge Indexfonds, die den MSCI Asia Pacific ex Japan (WKNs A0X97T, ETF115) nachbilden.

„Es besteht ein eindeutiger Verkaufsüberhang bei Emerging Markets-Fonds, die Leute sind verunsichert“, beobachtet auch Perini. So beobachtete Flow Trader etwa Abflüsse im db x-trackers MSCI Emerging Markets TRN Index ETF (WKN DBX1EM) oder dem iShares MSCI Emerging Markets (WKN A0HGZT).

Flucht in sicheren Bundeshafen

Von aktivem Handel berichtet Mohr indessen bei den Renten-ETFs: „Normalerweise macht das Renten-Segment rund 15 Prozent des Gesamtvolumens am ETF-Markt aus, in der vergangenen Woche lag es bei 23 Prozent.“

Favorisiert würden hier vor allem Portfolios mit deutschen Staatsschulden, die vielen Anlegern als „sicherer Hafen“ gelten (WKNs 628947, 628948). Laut Perini lag das Verhältnis von Käufern zu Verkäufern in Renten-ETFs in der vergangenen Woche bei 48 zu 52 Prozent.

Umschichtung in defensive Sektoren

Von Risikoaversion geprägt ist der Commerzbank zufolge auch das Bild der Sektoren. „Vor allem in den defensiven Branchen Immobilien und Gesundheit sehen wir gute Käufe, während Zykliker wie etwa die Chemie unter Abgabedruck stehen“, beobachtet Mohr. Florian Perini will angesichts dünner Umsatzvolumina für dieses Segment hingegen keine einheitliche Tendenz ausmachen.

© 5. Juni 2012 / Karoline Kopp

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