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ETF-Marktbericht: Von Sommerloch wenig zu spüren

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Anleger können sich im Moment für einzelne Schwellenländer-Indizes und Festverzinsliches erwärmen, bei Bluechip-ETFs mit Aktien der Industrienationen gehen die Meinungen auseinander.

FRANKFURT (Börse Frankfurt). Vom miesen Wetter über Deutschland lassen sich ETF-Anleger offenbar kaum anstecken. Den Handel mit Exchange Traded Funds beschreiben die meisten Händler trotz niedrigerer Umsätze als gar nicht so schlecht für die Jahreszeit. Unterm Strich überwögen die Käufe.

„Aktivität war da, die Anzahl der Trades ist mit 7.000 aber eher unterdurchschnittlich“, schränkt Andreas Bartels von der Commerzbank ( Zum Testbericht) ein. Er bezeichnet dies dennoch nicht als Sommerloch. „Das bleibt uns angesichts steigender Kurse im DAX und einem Euro-Bund-Future nahezu am Höchststand in diesem Jahr vielleicht erspart“, ist seine Hoffnung.

„Ganz eingeschlafen ist der Handel mit Indexfonds nicht“, meldet auch Jörg Sengfelder von der DekaBank. Indexfonds mit Aktien landeten tendenziell in den Anlegerdepots, von den europäischen Anleihen des Bund-Future hielten sich ETF-Anleger eher fern.

Von einer durchwachsenen Woche berichtet Flow Traders. „Zum Wochenbeginn gab es mit rund 859 Millionen Euro die geringsten Handelsumsätze in ETFs in diesem Jahr“, weiß Florian Perini. „Im Großen und Ganzen scheint sich die Lage hinsichtlich der Eurokrise aber ein wenig beruhigt zu haben.“ Nach Herabstufungen der Kreditwürdigkeit Italiens und Spaniens sei es den Regierungen dennoch gelungen, Anleihen erfolgreich zu platzieren. Renten-ETFs gehörten – anders als bei der DekaBank – in dieser Woche zu den beliebtesten Produkten. „Anleger fokussierten sich dabei insbesondere auf deutsche Staatsanleihen und Bonds von Schwellenländern.“

Wird es ein QE3 geben?

Konjunkturell interessierten die am heutigen Dienstag zur Veröffentlichung anstehenden US-Produktionszahlen vom Juni. Im Falle einer Steigerung könnten diese nach Ansicht der Helaba die Sorgen um die schwächelnde Weltwirtschaftkraft etwas lindern. „Im Euroraum, Deutschland und Italien sowie in Großbritannien überraschten die Produktionsergebnisse vom vergangenen Monat bereits positiv.“ Zudem hofften Marktteilnehmer auf Hinweise weiterer geldpolitischer Stimulierungsmaßnahmen der US-Notenbank, die Ben Bernankeim Rahmen des halbjährlichen Berichts zur Geldpolitik vor dem Bankenausschuss des amerikanischen Senats geben könnte.

Gemischtes Bild bei Bluechip-ETFs der Industrienationen

Gleichermaßen Käufe wie Verkäufe meldet Bartels im Handel mit DAX-Trackern (WKN DBX1DA, 626678, ETF001, ETFL01, LYX0AC), die wie so häufig die ETF-Umsatzstatistiken bei der Commerzbank ( Zum Testbericht) anführten. Ausgeglichen gehandelt werden laut DekaBank zudem Indexfonds auf den Euro Stoxx 50 (WKN DBX1EU, 935927, 593395). Auch im S&P 500 (WKN A0Q9UW) sei Bewegung. „Anleger trennten sich mehrheitlich vom marktbreiten US-Index“, bemerkt Sengfelder.

Flow Traders sieht Handel in beide Richtungen in europäischen und US-amerikanischen (WKN 264388) Indizes sowie in ETFs auf den weltweiten MSCI World (WKN A0HGZR, DBX1MW). „Umsätze auf beiden Seiten gab es auch im MDAX und im Stoxx Europe Small 200.

Exoten im Fokus

Von einem Käuferbild spricht Bartels bei Portfolios mit Emerging Markets-Aktien. „Bluechips aus einzelnen Schwellenländern wie Brasilien und der Türkei sind besonders gefragt.“ ETF-Investoren positionierten sich beispielsweise im MSCI Brazil (WKN DBX1MR, A0HG2M) und im MSCI Turkey (WKN A0LGQN). Aus dem asiatischen Raum kämen taiwanesische und malaysische Standardwerte (WKNs A0HG2K, LYX0CW) gut an.

Tendenziell in die Anlegerdepots wanderten zudem Indexfonds, die an den breiter aufgestellten MSCI Emerging Markets (WKNs DBX1EM, LYX0B0, A0HGZT) gekoppelt sind, für die Flow Traders allerdings einen ausgeglichenen Handel ausmacht. Beide Seiten gespielt würden zudem im MSCI Asia (WKN DBX1AE). Brasilianische Aktien zum Beispiel im MSCI Brazil gehörten auch bei Perini zu den häufig gehandelten Werten. „In Summe halten sich bei uns Zu- und Abflüsse in diesem Segment aber in etwa die Waage.“

Unternehmensanleihen gesucht

Zuspruch verbucht Bartels im Allgemeinen für Renten-ETFs und für solche mit Unternehmensanleihen im Besonderen. Ein Corporate Bond-Tracker (WKN ETFL38), der Finanzwerte außen vorlässt, gehört bei der Commerzbank einmal mehr zu den meist gehandelten Produkten. Anleger interessierten sich zudem für den SPDR Barclays Capital Euro Corporate Bond (WKN A1JJTQ). Auch Perini spricht von einem Käufermarkt bei festverzinslichen ETFs. Investoren entschieden sich etwa für deutsche Staatsanleihen mit Restlaufzeiten zwischen 1,5 und 2,5 Jahren (WKN 628947) sowie 2,5 und 5 Jahren (WKN 628948). Europäische Unternehmensanleihen fänden ebenfalls Abnehmer (WKN 251124).

„Auf der Bondseite war relativ viel los“, meldet ebenfalls Sengfelder. Beliebt seien Staatsanleihen der Schwellenländer, beispielsweise im iShares JPMorgan Emerging Markets Bond (WKN A0RFFT).

Banken-ETFs werden abgestoßen

Medien (WKN ETF071), die Gesundheitsbranche (WKN ETF068) und die Grundstoffe-Industrie (WKN ETF063) stehen laut Bartels bei Anlegern derzeit hoch im Kurs. „Dort verbuchen wir Käufe im Verhältnis Zweidrittel zu einem Drittel.“ Banken-ETFs (WKN 628930) gehören bei Flow Traders zu den meist verkauften Sektoren.

© 17. Juli 2012 / Iris Merker