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ETF-Securities Marktbericht – KW 04/2015

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Aktuelle Hintergrundinformationen über die wichtigsten Rohstoff-, Währungs- und Aktienmärkte liefert der wöchentliche ETF Securities Marktüberblick.

Die Schweizerische Nationalbank überraschte den Markt durch die Aufgabe ihrer bisherigen Mindestgrenze des Euro-Franken-Wechselkurses von 1,20. Nachdem die Europäische Zentralbank dem amerikanischen Vorbild jahrelang nicht gefolgt ist, wird in dieser Woche eine Ankündigung eines monetären Lockerungs-Programms (QE) erwartet. Die Diskussion über die Einzelheiten des Programms wird ohne jeden Zweifel die Preise von Vermögenswerten beeinflussen. Die Richtung wird vom Ausmaß des Programms abhängen. Unterdessen wird die Veröffentlichung einer Reihe von chinesischen Wirtschaftsdaten, unter anderem die BIP-Daten aus Q4. 2014, genau beobachtet werden, da der Markt sich hiervon Hinweise auf das diesjährige Wirtschaftswachstum verspricht.

Rohstoffe

Prognosen über anhaltende Kälte treiben Erdgaspreise. Erdgaspreise stiegen um 6,7 Prozent, da die Wetterprognosen für die kommende Woche weiterhin kälteres Wetter in den USA prognostiziert haben (WKN: A0KRJ3). Dies weckte Markterwartungen nach einem steigenden Heizbedarf des Nordostens und Mittleren Westens der USA.

Da die Weltbank ihre Prognosen für das weltweite Wachstum von 3,4 auf 3,0 Prozent nach unten korrigierte, kam es an den asiatischen Märkten zu Kursverlusten. Getrieben von diesen Verkäufen beendete Kupfer die Woche mit einem Verlust von 7,7 Prozent. Durch seine umfassende industrielle Nutzung wird Kupfer (WKN: A0KRJU) allgemein als ein Barometer der weltweiten wirtschaftlichen Situation angesehen.

Die Rohöl-Benchmarks setzten ihren Preisrückgang auch in der vergangenen Woche fort. Da die Rohölbestände in den USA auf dem höchsten Stand seit 80 Jahren sind, verlor Brent 7,3 Prozent (WKN: A0KRKM, A1N49P) sowie WTI 5,0 Prozent (WKN: A0KRKN). Der asymmetrische Preisrückgang verursachte zeitweise eine Situation, bei der WTI gegenüber Brent mit einem Aufschlag gehandelt wurde – ein Anzeichen dafür, dass die derzeitigen Preisrückgänge Produktionsdrosslungen der US Produzenten zur Folge haben könnten. Investoren nutzen die anhaltenden Preisrückgänge und sorgten für die größten wöchentlichen Mittelzuflüsse in Öl-ETPs in vier Jahren.

Aktien

Erwartungen an ein QE-Programm treiben europäische Aktienwerte. Ein Urteil des Europäischen Gerichtshofs hat die Wahrscheinlichkeit einer Ankündigung eines QE-Programms nach der nächsten Sitzung der Zentralbank am 22. Januar erhöht. Die Märkte nahmen dies sehr positiv aus und trieben europäische Aktienwerte in die Höhe. Der deutsche Aktienindex DAX konnte so um 1,9 Prozent in der vergangenen Woche zulegen (WKN: A0X889). Da die Energiepreise weiter fallen, soll das QE-Programm dazu dienen, die Eurozone vor einer damit verbundenen Deflation zu schützen. Gold konnte in der vergangen Woche um 3,6 Prozent zulegen, da nach dem überraschenden Schritt der Schweizerischen Nationalbank (SNB) die Märkte einen „sichereren Hafen“ suchten. Die SNB hatte zuvor ankündigt die Mindestgrenze des Euro-Franken-Wechselkurses aufzugeben. Der Anstieg des Goldpreises beflügelte den DAXglobal Gold Mining Index (WKN: A0Q8NC), der die Woche mit einem Gewinn von 8,3 Prozent beenden konnte. Aufgrund des Preisverfalls von Kupfer und Öl wurde der FTSE 100 sowie der Solactice US Energy Infrastructure MLP Index nach unten gezogen.

Währungen

Schock und Ehrfurcht. Die Überraschung der SNB am Donnerstag schickte den Schweizer Franken gegenüber dem Euro in die Nähe der Parität, eine Bewegung von 17 Prozent. Die Schweizer Notenbank wird sich ohne jeden Zweifel auf das QE-Programm der Europäischen Zentralbank (EZB) vorbereiten, dessen Ankündigung in dieser Woche erwartet wird. Im Gegensatz zur US-Notenbank, die diesen Weg zuvor bestritt, wird die EZB Staatsschulden von vielen Mitgliedsstaaten kaufen müssen. Aus dieser Problematik ergeben sich viele Fragen, die im Rahmen der Sitzung geklärt werden müssen:

– Wie groß wird das Programm sein?
– Von welchen Ländern wird die EZB Anleihen kaufen?
– Wird die EZB die Anleihen selbst kaufen oder die Aufgabe an nationale Zentralbanken der Mitgliedsstaaten delegieren?

Nach dem Schock der SNB in der vergangenen Woche, scheint der Markt eine aggressive Bewegung der EZB im Euro eingepreist zu haben. Eine etwaige Enttäuschung des Ausmaßes des Programms könnte den Euro kurzfristig nach oben treiben.

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Uwe Görler ist seit fünf Jahren Finanzredakteur für das „EXtra-Magazin“ und das „Portfoliojournal“. Davor schrieb er in verantwortlicher Position für die „Zertifikatewoche“ und schrieb Beiträge für Hörfunk- und Fernsehsender, darunter Antenne Bayern und N24.