Start ETF-Marktbericht ETF-Securities Marktbericht – KW 22 / 2015

ETF-Securities Marktbericht – KW 22 / 2015

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Aktuelle Hintergrundinformationen über die wichtigsten Rohstoff-, Währungs- und Aktienmärkte liefert der wöchentliche ETF Securities Marktüberblick.

Die vorzeitigen Gewinne der Ölpreise seit März 2015 wurden vergangene Woche wieder abgegeben. WTI und Brent fielen um 5 Prozent bzw. 6 Prozent, bevor sie sich am Freitag wieder stabilisieren konnten. Der starke US-Dollar belastete die meisten Rohstoffe. Hinzu kommt der zunehmende Konsens, dass die OPEC die Öl-Fördermengen in Ihrer Sitzung am 5. Juni nicht kürzen wird. Am Freitag legte WTI mit einer Rallye fünf Prozentpunkte zu, da die Märkte den größer als erwarteten Rückgang von US-Ölbohranlagen als Zeichen dafür interpretierten, dass US-Produzenten weiterhin preissensibel sind.

Rohstoffe

Mittelabflüsse bei Öl-ETPs aufgrund von zurückgehenden Erwartungen der Investoren hinsichtlich Produktionskürzungen. „Wir haben lange argumentiert, dass die Preisanstiege seit März zu voreilig waren, da es keine belegbaren Angebotsverknappungen gibt“, meint Bernhard Wenger, Executive Director – Head of European Distribution von ETF Securities. US-Schieferölplatformen haben in den vergangenen Monaten mit einer halsbrecherischen Geschwindigkeit ihre Produktion eingestellt aber dieser Trend wurde durch stabiliere Preise unterbrochen. Weitere Produzenten mit hohen Produktionskosten werden ihre Produktion ebenfalls zurückfahren, dieser Prozess wird sich jedoch aufgrund von längeren Laufzeiten verzögern. Die OPEC wird versuchen, die Ertragsrate für Produzenten nicht weiter zu gewährleisten. Ihr Ziel ist Marktanteil. „Es ist zunehmend wahrscheinlich, dass die Produktionsmengen in der Sitzung am 5. Juni nicht reduziert werden“, berichtet Wenger. Wir haben 48,5 Mio. USD an Mittelabflüssen aus Long Brent (A1N49P) und WTI ETPs (A0KRJX ) verzeichnet, während Gewinnmitnahmen für 5,1 Mio. USD Mittelabflüsse aus Short Öl-ETPs sorgten. Einige Investoren glauben, dass es einen günstigeren Einstiegspunkt geben wird, US Produzenten werden ihre Produktion kürzen und somit das weltweite Angebot verknappen.

ETFS Daily Leveraged Coffee (LCFE)mit den höchsten Mittelzuflüssen seit Auflage in 2008. Nachdem der Preis für Kaffee vergangene Woche um weitere 2,6 Prozent fiel (29,0 Prozent seit 1 Jahr), nutzten Investoren diese Korrekturen zum Einstieg (A0KRJT). „Nachdem die Preise in 2014 aufgrund der Dürre in Brasilien überproportional anstiegen, erleben wir auch jetzt eine ähnliche Übertreibung bei der Korrektur“, so Wenger. Die Dürre in 2014, welche sich bis Februar 2015 streckte, hat unwiderrufliche Schäden an brasilianischen Kaffeesträuchern angerichtet. Obwohl starke Regenfälle seit Februar der Ertragslage begrenzt helfen, bleibt das Stimmungsbarometer gegenüber dem Rohstoff unverhältnismäßig bärisch. Ein El Niño könnte einen wärmeren und trockeneren Winter nach Brasilien bringen, der Frostschäden reduziert und bei der Ernte hilft.

Zahlungsaufschub des IWF reduziert die Bedenken eines unmittelbaren Staatsbankrott in Griechenland. Während der IWF Griechenland erlaubt, ihre Rückzahlungen vom 5. Juni bis zum Monatsende aufzuschieben, wurde unter anderem anerkannt, dass das Land die Eurozone verlassen könnte. Der Preisrückgang in Gold von 1,7 Prozent und Gold ETP (A0KRJZ) Mittelabflüsse von 11,6 Mio. USD vergangene Woche scheinen etwas voreilig zu sein, nachdem Verhandlungen zur Staatsverschuldung am Wochenende ohne konkrete Lösung endeten.

ETFS Daily Leveraged Natural Gas (LNGA) mit 2,9 Mio. USD Mittelzuflüssen, dem größten Zuwachs seit 4 Wochen. Ein unerwartet starker Zuwachs an Lagerbeständen schickte den Preis um 8,2 Prozent in den Keller. Hingegen erwarten Investoren in den kommenden Monaten aufgrund des Sommerwetters eine wahrscheinlich größere Nachfrage in Erdgas (A0KRJ3) und damit eine Preiserholung.

Aktien

Europäische Aktien kommen trotz des griechischen Zahlungsaufschubs nicht in Fahrt. Die Gefahr einer Zahlungsunfähigkeit Griechenlands hängt weiter wie ein Damoklesschwert über den europäischen Aktienmärkten. „Der Zahlungsaufschub bis zum Monatsende hat Griechenland zwar eine Atempause beschert, aber bis Klarheit darüber herrscht, ob Griechenland in der Eurozone bleiben wird, wird die Stimmung in den Aktien-Benchmarks weiterhin verhalten bleiben“, so Wenger. Ein weiteres Rettungspaket für Griechenland ist überlebenswichtig, aber eine Einigung darüber scheint weit entfernt, nachdem IWF-Vorsitzende Lagarde einen „Grexit“ weiterhin für möglich hält. Unterdessen verloren chinesischen Aktien an Boden, da die Anleger auf erhöhte Margin-Anforderungen reagierten und die Zentralbank die Überschussliquidität von Geldmärkten abzog. Chinesische Aktienmärkte (A1XEFE) handelten entsprechend volatil und wir erwarten nicht, dass sich das in naher Zukunft ändern wird, sofern die Anleger kein stabileres konjunkturelles Umfeld sehen. Schwächere Wirtschaftszahlen dürften die chinesische Politik fest im Lockerungs-Modus halten. Daraufhin könnten in den kommenden Monaten sowohl der Mindestreservesatz als auch Leitzinsen gesenkt und Ankündigungen rund um zusätzliche Infrastrukturprogramme gemacht werden.

Währungen

USD erholt sich durch Druck auf Euro vor der EZB-Sitzung. Aktuelle Hinweise der US-Notenbank FED haben die Wahrscheinlichkeit für einen Zinsanstieg erhöht. Das Wachstum im ersten Quartal enttäuschte allerdings aufgrund einer Vielzahl temporären Faktoren wie Wetterbedingungen und Hafenstreiks. Weiteres wird erwartet, dass die US-Arbeitsmarktdaten diese Woche wahrscheinlich eine weitere Verbesserung am US-Arbeitsmarkt zeigen, welcher ein Schlüsselfaktor für die FED hinsichtlich einer Zinserhöhung ist. „Wir erwarten, dass der US-Dollar (A1EK0V) weiter an Dynamik gewinnt, da ein Zinsanstieg schnell eingepreist ist“, prognostiziiert Wenger. Aufgrund des schwachen Wirtschaftswachstums in anderen Industrieländern wie der Eurozone und in Japan ist die Gefahr einer weiteren lokalen Währungsabwertung hoch, sobald Zentralbanken weitere Lockerungsmaßnahmen ergreifen, und den Markt mit Liquidität zu fluten. Die EZB wird diese Woche ihre Beurteilung zum Ausblick in ihrem anstehenden Meeting äußern.

 

 

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Uwe Görler ist seit fünf Jahren Finanzredakteur für das „EXtra-Magazin“ und das „Portfoliojournal“. Davor schrieb er in verantwortlicher Position für die „Zertifikatewoche“ und schrieb Beiträge für Hörfunk- und Fernsehsender, darunter Antenne Bayern und N24.