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ETF-Securities Marktbericht – KW 26/2015

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Aktuelle Hintergrundinformationen über die wichtigsten Rohstoff-, Währungs- und Aktienmärkte liefert der wöchentliche ETF Securities Marktüberblick.

Rohstoffe

Breit gestreute Rohstoffkörbe im Fokus der Investoren. Breit gestreuteRohstoff-ETPs (A1CXBV) verbuchten über 50 Prozent der gesamten Mittelzuflüsse in der Vorwoche. Nachdem Anleihen und einige Aktienbenchmarks überbewertet erscheinen, sind Investoren zunehmend am relativen Wert des Rohstoffmarktes interessiert und erzielen ihr breit gestreutes Exposure über ETPs auf Rohstoff-Körbe über mehrere Sektoren. Obwohl die Verhandlungen über Griechenlands Zahlungsverzug ins Stocken gerieten, erschien Investoren eine kurzfristige Einigung weiterhin als für wahrscheinlich. Investoren sind zunehmend optimistisch über wirtschaftliche Bedingungen und erweitern ihre zyklischen Anlagen. „Defensive Werte gingen in den Portfolien hingegen zurück und Rohstoffpreise dürften durch Chinas anhaltende geldpolitische Lockerungsmaßnahmen unterstützt werden“, meint Bernhard Wenger, Executive Director – Head of European Distribution von ETF Securities.

Agrar-Rohstoffpreise steigen, Angebotssorgen locken Investoren.Weizen (A0KRJ9) führt mit satten Gewinnen den Agrarsektor an, da ein übermäßiger Niederschlag in den USA die Ernte für den Winterweizen weiter verzögert. Schätzungen des Internationalen Getreiderats deuten auf eine Angebotsverknappung für Weizen und Mais (A0KRJV) für das Erntejahr 2015/16 hin. „Aufgrund der signifikanten Lagerbestände beider Rohstoffe hängt ein potentieller Preisanstieg jedoch von einer etwaigen Verschlechterung der Wachstumsbedingungen dieses Jahr ab“, berichtet Wenger.

Die größten Rohstoffmittelzuflüsse über die letzten Monate verbucht Zucker mit 15,3 Mio. USD. Zucker (A0KRJ8) notierte auf einem 6 ½ Jahrestief, was manche Investoren als einen guten Einstiegspunkt erachteten. Obwohl für ein weiteres Jahr ein Überangebot erwartet wird, könnte ein El Ninio das Angebot aus Indien, dem weltweit zweitgrößte Produzenten, verknappen. Daten für die brasilianische Ernte weisen auf einen erheblichen Produktionsrückgang im Juni 2015 hin, verglichen zum Vorjahr.

Optimismus für eine weltweite Erholung belastet Gold mit Mittelabflüssen. Vergangene Woche sah Gold (A0KRJZ) mit 126,8 Mio. USD die größten Mittelabflüsse seit 14 Wochen. Investoren konzentrieren sich zunehmend auf zyklische Vermögenswerte und glauben an ein nachhaltiges wirtschaftliches Wachstum. Im Gegensatz zu Gold hat besonders Silber (A0KRJ5) starke Mittelzuflüsse in 2015 erlebt. Dieses Edelmetall wird verstärkt aus dem industriellen Sektor nachgefragt.

Energie-ETPs verzeichnen mit 10,5 Mio. USD, die größten Mittelzuflüsse seit 14 Wochen. Die Nettomittelzuflüsse in breit gestreute Energie-ETPs (A0SVX4) erreichen mit 7,2 Mio. USD ein 5-Wochen-Hoch. Long ETPs auf Erdgas (A0KRJ3) verzeichneten mit 5,4 Mio. USD die größten Mittelzuflüsse im Einzelrohstoffbereich, nachdem die hohen Lagerbestände die Märkte negativ überraschten. Das warme Wetter in den vergangenen Wochen hatte zu einer verstärkten Nachfrage von Energieerzeugern geführt, was zu rückläufigen Lagerbeständen führte.

Aktien

Haben die Märkte einen Zahlungsverzug schon eingepreist? Anhaltende Konflikte hinsichtlich Griechenlands Staatsverschuldung führten vergangene Woche zu einem volatilen Handel in Europa. Die meisten Börsen notierten höher, da man für einen Lösungsansatz über das Wochenende optimistisch war und damit den Zahlungsverzug von Griechenland an den IWF verhindern könnte. Das Referendum und die Kapitalkontrollmaßnahmen lassen befürchten, dass keine schnelle Lösung gefunden werden kann. „Die europäischen Aktienmärkte handelten aufgrund der anhaltenden Risiken volatil“, so Wenger.

Der MSCI China A-Shares Index (A1XEFE) schloss mit einem Verlust von 20 Prozent über die letzten zwei Wochen. Obwohl der lokale Aktienmarkt in China, trotz Korrektur, mehr als 100 Prozent im letzten Jahr zulegte, sind Behörden bemüht, dass diese Stimmung nicht verfliegt. Die People’s Bank of China hatte über das Wochenende den Leitzins um 25 Basispunkte gesenkt und den Mindestreservesatz von kleinen Banken um 50 Basispunkten gesenkt.

Währungen

Die Nachfrage für einen sicheren Hafen sowie die wirtschaftliche Erholung beflügeln den US-Dollar. Die finanziellen Probleme in Griechenland ließen den US-Dollar (A1EK0V) um zwei Prozent gegenüber dem Euro steigen. „Es ist sehr wahrscheinlich, dass das aktuelle Umfeld den US-Dollar auch weiter unterstützen wird, da kurzfristige Lösungsansätze nur sehr mühsam erzielt werden können“,  meint Wenger. Die Gefahr für einen Crash ist so groß wie nie, daher ist es nachvollziehbar, weshalb Währungen als sicherer Hafen gefragt sind. Gewöhnlich galt der Schweizer Franken (A1DFSA) als sicherer Hafen, doch die Schweizer Nationalbank hat versucht, dies mit verbalen Interventionen zu unterbinden. Der Franken verlor vergangene Woche 2,2 Prozent gegenüber dem US-Dollar, nachdem der Präsident der SNB ankündigte, der Franken sei erheblich überbewertet. Sowohl die US Non-Farm Payrolls am Donnerstag, als auch der ISM Produktionsindex am Mittwoch sind zwei Indikatoren, auf die der Markt achten wird, ob die FED an ihren Zinsentscheidungen für September weiter festhält. Sollte die USA die Zinsen tatsächlich anheben, wird dies nur mäßig geschehen und sehr von wirtschaftlichen Daten abhängig sein. Dies könnte die momentane Rallye im US-Dollar wieder verlangsamen.

 

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Uwe Görler ist seit fünf Jahren Finanzredakteur für das „EXtra-Magazin“ und das „Portfoliojournal“. Davor schrieb er in verantwortlicher Position für die „Zertifikatewoche“ und schrieb Beiträge für Hörfunk- und Fernsehsender, darunter Antenne Bayern und N24.