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ETF-Securities Marktbericht – KW 27/2015

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Aktuelle Hintergrundinformationen über die wichtigsten Rohstoff-, Währungs- und Aktienmärkte liefert der wöchentliche ETF Securities Marktüberblick.

Rohstoffe

Agrarrohstoffe im Rallye-Modus

Über 60 Prozent der Griechen stimmten im Referendum mit einem „Nein“ ab, was die Regierung dazu berechtigt, weitere Auflagen von ihren Geldgebern abzulehnen. Ein Scheitern der Verhandlungen um die Staatsverschuldung erhöht das Risiko, dass Griechenland die fälligen 3,5 Mrd. Euro am 20. Juli an die ECB nicht zurückzahlen kann. Ein Zahlungsausfall würde mit höchster Wahrscheinlichkeit die Notkredite (ELA= Emergency Liquidity Assistance) stilllegen, was das griechische Bankensystem in eine unhaltbare Position bringen würde. Überraschenderweise zeigte der Goldpreis (A0KRJZ) keine Reaktionen, doch dies kann sich durch Worst-Case Szenarios ändern. Rohstoffe aus der Landwirtschaft (A0KRKB) waren eindeutig die Gewinner der vergangenen Woche. „Nachdem sich die Wahrscheinlichkeit von El Nino verstärkt hat und die Wachstumsbedingungen für Getreide (A0KRJ9) beeinflusst, rechnen wir weiterhin mit guten Renditechancen im Landwirtschaftssektor“, meint Bernhard Wenger, Executive Director – Head of European Distribution von ETF Securities.

Investoren suchen nach günstigen Einstiegsmöglichkeiten, Long Öl-ETPs verbuchen die höchsten Mittelzuflüsse seit 14 Wochen. Die Anzahl an US-Ölförderanlagen stieg zum ersten Mal seit Dezember 2014 wieder an, daraufhin fielen WTI (A0KRJX) und Brent (A1N49P) um jeweils 4,8 Prozent und 1,8 Prozent. „Die Ölpreis-Rallye seit März war, wie wir lange argumentiert hatten, eine voreilige Erholung und könnte dazu führen, dass notwendige Angebotskürzungen am Markt verzögert werden“, so Wenger. Produktionskürzungen sind durch den Anstieg an Ölplattformen wohl eher unwahrscheinlich. Die jüngste Korrektur verdeutlicht, dass die Produktion in den nächsten Monaten zurückgehen sollte. Eine Aufhebung der Sanktionen gegen den Iran könnte sich in Zukunft ebenfalls auf den Ölpreis auswirken. Die Verhandlungen über ein Atomabkommen wurden erfolglos vom 1. Juli auf den 7. Juli verlegt. „Wir gehen davon aus, dass der jüngste Preisrückgang zu Verlusten bei konventionellen und ineffizienten Ölproduzenten führt, was hingegen die flexiblen US-Schieferölproduzenten zu gegebener Zeit wieder begünstigt“, sagt Wenger. ETF Securities Long Öl-ETPs verbuchten vergangene Woche 49,3 Mio. USD an Mittelzuflüssen.

Gewinnmitnahmen führten zu 36,0 Mio. USD an Mittelabflüssen aus Long Weizen-ETPs. In vier Tagen stieg Weizen (A0KRJ9) um fast 18 Prozent, auf Wochensicht wurden 10,1 Prozent realisiert. Ein USDA-Bericht bestätigte, dass dieses Jahr weniger Weizenanbauflächen als im Vorjahr vorhanden sind. Der Markt reagierte daraufhin sehr positiv, obwohl die Gewinne bereits im März aus einer Umfrage unter Bauern eingepreist wurden. Gewinnmitnahmen aus Weizen-ETPs führten zu den größten Mittelabflüssen seit Auflage in 2006. „Wir gehen davon aus, dass die höhere El Nino Wahrscheinlichkeit dieses Jahr das weltweite Weizenangebot einschränkt und Investoren somit Renditechancen im Long Bereich ermöglicht“, meint Wenger. Durch einen El Nino sind Hauptanbaugebiete in Indien und Australien tendenziell trockener als üblich, dies würde zu einem geringeren Angebot führen. Obwohl der Monsun in Indien bereits im Juni einsetze, kehrte der Regen vergangene Woche wieder auf ein normales Niveau zurück, ein typisches Kennzeichen dafür, dass der El Niño den Monsun unterdrückt.

Investoren suchen nach günstigen Einstiegsmöglichkeiten, Long Nickel-ETPs verbuchen die höchsten Mittelzuflüsse seit November 2014. Vergangene Woche fiel Nickel (A0KRJ4) um 3,9 Prozent auf ein 6-Jahrestief, hauptsächlich aus technischen Gründen, da die psychologische Untergrenze bei 12.000 USD durchbrochen wurde. „Wir glauben, dass Fundamentaldaten wieder Oberhand gewinnen werden. Wichtige Indikatoren sind die rückläufige Nickel-Roheisenproduktion in China, die stärkere Nachfrage aus dem europäischen Edelstahlmarkt und eine geringere Nickelerz Verfügbarkeit“, so Wenger. Long Nickel-ETPs verbuchten 8,8 Mio. USD an Mittelzuflüssen.

Aktien

Bieten Korrekturen eine Kaufmöglichkeit in China? Weitere Impulse kamen vergangene Woche von der People’s Bank of China, die die Restriktionen für Investitionen am Aktienmarkt mit Fremdkapital wieder etwas entschärft hatte. Die strengen Auflagen bezügliche Investitionen mit Fremdkapital haben zu massiven Kurseinbrüchen bei chinesischen A-Aktien (A1XEFE) geführt. Dies nahmen die Behörden sehr ernst und politische Entscheidungsträger sind über übermäßige Volatilität und die potenzielle Gefahr für die soziale Stabilität zu Recht besorgt. Die politischen Entscheidungsträger werden wahrscheinlich mit weiteren geldpolitischen Maßnahmen versuchen, einen reibungslosen Übergang zu Transparenz und finanzieller Liberalisierung zu erreichen.

Die unveränderte Schuldenkrise in Griechenland sorgte vergangene Woche für massive Kursrückgänge an den meisten europäischen Börsen. Dies setzte sich diese Woche fort, nachdem Griechenland eine fällige Rückzahlung an den IWF nicht leistete und der griechische Ministerpräsident das Volk weiter dazu drängt, mein einem „Nein“ im Referendum von vergangener Woche abzustimmen. Schlussendlich stimmten über 60 Prozent der Griechen ordnungsgemäß ab. „Wir erwarten daher weiter Abwärtsrisiken und Volatilität am Aktienmarkt“, so Wenger.

Währungen

Die Schwedische und Schweizer Nationalbank gehen im Währungskrieg in die Offensive. Solange die griechische Schuldenkrise in den Schlagzeilen steht, wird ein Währungskrieg im Hintergrund geführt. Durch die Unklarheiten rund um das Schicksal Griechenlands sind Anleger hohen Wechselkursschwankungen ausgesetzt. Das schwedische Bankhaus Riksbank senkte ihre Zinsen weiter ins Negative, das vierte Mal in 2015, und in Verbindung mit den QE-Programmen beabsichtigen sie, jegliche Währungsgewinne einzuschränken (da Zinsen am langen Ende hoch bleiben). Eine knappe Liquidität ist der Grund, weshalb die Zinsen am langen Ende hoch stehen – ein Problem, das die großen Zentralbanken (FED, EZB und BOJ) durch QE nicht beheben können. Aus diesem Grund wertet die Währung weiter auf und behindert jeglichen Vorteil für den Binnenmarkt. „Wir erwarten, dass die Riksbank ihre Währung zukünftig weiter im Blick behält solange ihr QE Programm ineffektiv bleibt“, so Wenger abschließend.

 

 

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Uwe Görler ist seit fünf Jahren Finanzredakteur für das „EXtra-Magazin“ und das „Portfoliojournal“. Davor schrieb er in verantwortlicher Position für die „Zertifikatewoche“ und schrieb Beiträge für Hörfunk- und Fernsehsender, darunter Antenne Bayern und N24.