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ETF-Securities Marktbericht – KW 29/2015

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Aktuelle Hintergrundinformationen über die wichtigsten Rohstoff-, Währungs- und Aktienmärkte liefert der wöchentliche ETF Securities Marktüberblick.

Rohstoffe

Chinas Daten und Marktimpulse lassen Industriemetalle steigen

Long Öl-ETPs seit drei Wochen mit Mittelzuflüssen. Nachdem WTI (A0KRJX) und Brent (A1N49P) um weitere 3,5 Prozent und 1,9 Prozent nachgegeben hatten, ging die Suche nach einem günstigen Einstiegszeitpunkt weiter. Ein wichtiger Meilenstein war die Aufhebung der Sanktionen von den Weltmächten gegen den Iran, was nun zu weiterem Rohölangebot am Markt führen kann. Es wird einige Zeit in Anspruch nehmen, um die notwendige Infrastruktur im Iran für eine ausgiebige höhere Produktion umzusetzen, jedoch geht die IEA von derzeit 17 Mio. Barrel an Rohöl aus, die zur Auslieferung bereit sind und weiteren 22 Mio. Barrel Destillaten (A0KRKJ), die kurzfristig negative Auswirkungen auf den Ölpreis haben. Das darüber verärgerte Saudi Arabien wird weiterhin übermäßige Mengen an Rohöl fördern, um den eigenen Marktanteil zu behaupten und dem Iran einen Wiedereinstieg am Ölmarkt zu erschweren. „Ineffiziente Produzenten müssen sich bei den aktuellen Preisentwicklungen auf weitere Produktionskürzung einstellen. Eine Ölpreiserholung könnte durch Angebotskürzungen eintreten und genau diesen Zeitpunkt haben ETP Investoren im Blick“, meint Bernhard Wenger, Executive Director – Head of European Distribution von ETF Securities. „Wir verbuchten 16,3 Mio. USD an Mittelzuflüssen in Long WTI ETPs und 2,8 Mio. USD in Long Brent ETPs. Zeitgleich verbuchten wir 6,3 Mio. USD und 3,1 Mio. USD an Mittelabflüssen aus Short WTI (A0V9XY) und Brent Short ETPs“, berichtet Wenger.

Gewinnmitnahmen führten bei ETFS Nickel zu den größten Mittelabflüssen seit Januar. Chinas Daten zur Wirtschaft beflügelten den Industriemetallsektor, Nickel (A0KRJ4) stieg um 1,2 Prozent, woraufhin Mittelabflüsse von 14,1 Mio. USD durch Gewinnmitnahmen zustande kamen.

Der steigende US-Dollar sowie der Verbleib von Griechenland in der Währungsunion lasten auf den Edelmetallen. Dem griechischen Parlament ist es gelungen einen Haushaltssparplan aufzustellen, der Gläubiger überzeugte und den Weg für weitere Hilfsgelder freimacht. Die EZB stellte daraufhin weitere 900 Mio. Euro an ELA-Krediten zur Verfügung, um die in Schieflage geratenen Banken bei ihrer Wiedereröffnung zu unterstützen. Mit dieser Unterstützung steigt die Chance, dass Griechenland ihre 3,49 Mrd. EUR heute an die EZB zurückzahlen kann.
Gold (A0N62G), historisch bekannt als sicherer Hafen, fiel vergangene Woche um 1,7 Prozent und heute um weitere 1,5 Prozent. Während der „Grexit“ Risiken konnte sich Gold jedoch nicht behaupten. FED Präsidentin Yellen verkündete, dass die US-Zentralbank für einen mäßigen Zinsanstieg dieses Jahr bereit sei, was für einen aufwertenden US-Dollar (A1EK0V) sorgte, der wiederum zur Last der meisten Rohstoffe fiel – speziell im Edelmetallsektor. Das Vertrauen in Gold als sicherer Hafen schwindet bei den meisten Anlegern und führte vergangene Woche zu 175,6 Mio. USD an Mitteabflüssen aus Long Gold-ETPs. „Nachdem der deutsche Finanzminister Wolfgang Schäuble vergangenem Freitag das Thema für einen Grexit erneut auf die politische Agenda setzte, befürchten wir, dass die griechische Schuldenkrise noch nicht endgültig vom Tisch ist“, so Wenger.

Im Gegensatz zu Gold wurde der Preisrückgang bei Silber (A0KRJ5) über 2,9 Prozent (weitere 0,5 Prozent heute) als idealer Einstiegspunkt erachtet, da Silber ein industriell genutztes Edelmetall ist. Diese Qualität wird sich in einer Welt mit zyklischem Wachstum (die Voraussetzung für Zinserhöhungen) als positiv auf die Nachfrage auswirken.

Aktien

Positive Daten aus China, Q2 Berichtsaison und die Zentralbanksitzungen beflügelten den Aktienmarkt. China dominiert den Markt mit einem besser als erwartetem Wirtschaftswachstum (BIP) von 7 Prozent (Konsensuserwartung 6,8 Prozent), einer Industrieproduktion von 6,8 Prozent gegenüber 6 Prozent und Einzelhandelsumsätze von 10,6 Prozent (Konsensuserwartung 10,2 Prozent). Obwohl die Wirtschaftsdaten die globalen Börsen bei einer Trendwende aus den Verlusten unterstützten, wurde dies mit Skepsis beurteilt. Die Erträge aus Q2 sorgten für positive Impulse, da 60 bis 70 Prozent der Unternehmen mit ihren Ergebnissen die Erwartungen in Europa und den USA übertrafen. In den USA und Großbritannien wurde das Thema einer Zinserhöhung aufgrund guter wirtschaftlicher Daten nochmals wiederholt. Währenddessen beruhigt EZB Präsident Mario Draghi verunsicherte Anleger über einen Griechenland Austritt und bestätigte den reibungslosen Verlauf des Anleihenkaufprogramms in Europa.

Währungen

Fallende Rohstoffwährungen unterstreichen die abweichenden Wachstumsentwicklungen der großen Volkswirtschaften. Durch die Zinssenkung der Bank of Canada und einem nach unten korrigierten Wirtschaftswachstum verlor der CAD beinahe 2,5 Prozent gegenüber dem USD. Das GBP stieg auf den höchsten Stand seit 2008 gegenüber dem EUR und dies obwohl es bei der Bank of England in ihrer wöchentlichen Sitzung zu keinen Zinsänderungen kam. Gouverneur Mark Carney’s betonte hingegen einen Zinsanstieg, der die positive Entwicklung der Wirtschaft widerspiegelt. „Im Hinblick auf die schwächeren Preise bei der Milcherzeugnis und den tieferen CPI Veröffentlichungen für Juni, gehen wir von einer Zinssenkung durch die Bank of New Zealand um 25bps auf 3,00 Prozent aus“, meint Wenger. Antipodische Währungen wie Australischer Dollar (AUD) (A1EKYW) und Neuseeländiischer Dollar (NZD) (A1EKY0) dürften weiterhin unter Druck bleiben, solang die Aussichten für China von einer negativen Stimmung erfüllt bleiben.

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Uwe Görler ist seit fünf Jahren Finanzredakteur für das „EXtra-Magazin“ und das „Portfoliojournal“. Davor schrieb er in verantwortlicher Position für die „Zertifikatewoche“ und schrieb Beiträge für Hörfunk- und Fernsehsender, darunter Antenne Bayern und N24.