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ETF-Securities Marktbericht – KW 03/2015

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Aktuelle Hintergrundinformationen über die wichtigsten Rohstoff-, Währungs- und Aktienmärkte liefert der wöchentliche ETF Securities Marktüberblick.

Durch die weiter anhaltend prekäre politische Situation in Griechenland und die erneuten Ölpreistiefs nimmt die Risikowahrnehmung von Seiten der Investoren zu. Die politische Unsicherheit in Griechenlandlastete in der vergangenen Woche auf europäische Aktienwerte, während Goldminenwerte von „Sicherheitskäufen“ in sichere Anlagen profitieren. Trotz einem robusten Arbeitsmarktbericht schloss der US Dollar nach dem geringer als erwarteten Lohnwachstum in der vergangenen Woche schwächer. In dieser Woche sollte sich das unterstützend auf Rohstoffe auswirken.

Rohstoffe

Ängste vor einem Überangebot schicken Rohölpreise in den Keller. Nachdem WTI erstmals das Preisniveau von 50 USD pro Barrel Öl in mehr als fünf Jahren durchbrach, setzten die Rohöl-Benchmarks ihren Kurseinbruch in der vergangenen Woche fort. Berichten zufolge ist die Öl-Produktion Russlands, sowie die der USA, auf dem höchsten Stand seit Jahrzehnten. Daraufhin vielen die Ölpreise weiter, da Befürchtungen eines weiter ansteigenden Überangebotes gestärkt wurden. Vertreter aus den OPEC-Mitgliedsstaaten bekräftigten Pläne die Produktion auf dem derzeitigen Niveau halten zu wollen und sehen die Gründe für den anhaltenden Preisfall bei Produzenten aus den „Nicht-OPEC-Ländern“. Bernhard Wenger, Leiter des europäischen Vertriebs, glaubt, dass durch die bereits reduzierten Ölförderanlagen das Angebot von Öl sich in der zweiten Jahreshälfte verknappen wird. Eine sinkende Anzahl von Ölförderanlagen in den USA wurde bereits festgestellt und ist 10 Prozent unter dem September-Level. In der Vergangenheit haben Ölförderanlagen etwa 16 Wochen gebraucht, um sich auf geringere Ölpreise einzustellen. In Zeiten von starken Preisrückgängen des WTI-Ölpreises, wie es auch in der Krise 2008 passierte, hat sich die Anzahl von in Betrieb befindlichen Ölförderanlagen in den darauffolgenden vier Monaten halbiert. Bernhard Wenger rechnet damit, dass es 2015 ähnlich verlaufen wird. Ebenfalls geht er davon aus, dass die derzeitigen Ölpreise auf diesem Preisniveau nicht nachhaltig sind. OPEC ist den Aufrufen nach Produktionseinschnitten im November nicht nachgekommen, weshalb ein neuer Gleichgewichtspreis gefunden werden muss. Zudem fügt er hierzu an, dass das Kartell schlussendlich das Angebot reduzieren muss, um die weltweiten Ölpreise zu stabilisieren. Insgesamt hält das Kartell einen Anteil von 40 Prozent an der weltweiten Ölproduktion. Saudi-Arabien, der größte Produzent des Kartells, hat seine Verkaufspreise für das „Arab Light grad oil“ in Asien für Februar angehoben. Dies weist daraufhin, dass der Preiskampf zu weit gegangen ist. Die Nachfrage nach zyklischen Rohstoffen, wie Öl, könnte in diesem Jahr zunehmen, da sich das Wirtschaftswachstum weiter verbessert. Profitieren konnten zyklische Werte auch von dem am Freitag besser als erwartet veröffentlichten Arbeitsmarktdaten aus den USA.

In der vergangenen Woche konnten die höchsten wöchentlichen Zuflüsse in Öl-ETPs seit vier Jahren verzeichnet werden. Die Long Brent Oil ETPs sahen 76,9 Millionen USD Zuflüsse (höchster Wert seit März 2011) (WKN: A0KRKM, A1N49P), während Long WTI Oil ETPs (WKN: A0KRKN) Zuflüsse von 81,6 Millionen USD verbuchen konnte (höchster Wert seit Juni 2011).

Kaffee (WKN: A0KRJT) und Sojabohnen (WKN: A0KRJ7) erfuhren in der vergangenen Woche eine Hausse von 6,2  und 5,0 Prozent. Dies resultierte aus Prognosen über wärmere Temperaturen und einer Trockenheit in Brasilien, dem weltweit größten Anbauer beider Rohstoffe. Vorhersagen, dass die Hochdruckwetterlagen die Niederschlagsmenge beschränken und die Produktion bis Mitte Januar behindern könnten, trieben die Kursrallye an.

Erdgas konnte in der vergangen Woche Zuflüsse von 7,5 Millionen USD (WKN: A0KRJ3) verbuchen und Silber sah die höchsten Zuflüsse in neun Wochen (17,3 Millionen USD) (WKN: A0N62F, A0KRJ5). Durch die Terrorattacken in Frankreich und die Unsicherheit über Griechenlands Zukunft im Euroraum traten erneut geopolitische Sorgen in den Vordergrund. Die positiven Arbeitsmarktdaten aus den USA konnten die Gewinne von Gold und Silber in der vergangen Woche nicht mindern.

Aktien

Goldpreis von politischer Unsicherheit in Griechenland unterstützt. Gold-Futures beendeten die Woche mit einem Plus von 2,1 Prozent bei 1209 USD pro Unze, da Befürchtungen über einen möglichen Austritt Griechenlands (=“Grexit“) aus dem europäischen Währungsblock wiederkehrten (WKN: A0LP78, A0N62G, A0KRJZ). Dieses Preisniveau stellt ein 3-Wochen-Hoch dar. Die Hauptprofiteure des Goldpreisanstieges sind Werte von Goldminen, die um 7,2 Prozent zulegen konnten (WKN: A0Q8NQ). Ein wechselhafter Handel dominierte europäische Aktienmärkte in der vergangenen Woche. Nachdem sich Gerüchte im Markt über bestehende „Grexit“-Szenarien von Seiten der deutschen Regierung verbreiteten, fielen die Kurse zunächst. Nach stärkeren Anzeichen über die Einbeziehung von Staatsanleihen in die von der EZB durchgeführten geldpolitischen Konjunkturmaßnamen, erholten sich die Kurse allerdings wieder. Die Öl-Preise fielen in der vergangenen Woche weiter. Somit verloren Brent und WTI seit Juni des letzten Jahres annährend 54 Prozent. Die niedrigen Preise beginnen sich negativ auf globale energiebezogene Aktienwerte auszuwirken, was zu einem Verlust von 3,1 Prozent des Solactive US Energy Infrastructure MLP Index in der vergangenen Woche führte (WKN: A1XE2Q).

Währungen

US Dollar fällt nach Arbeitsmarktdaten. In der vergangenen Woche fiel der US Dollar unerwartet, nachdem die veröffentlichten Dezember-Arbeitsmarktdaten den größten Rückgang von US-Löhnen in mehr als acht Jahren anzeigten, was den ansonsten starken Arbeitsmarktbericht trübte. Der Konsens unter Ökonomen über die Zinserhöhungen bis Juni 2015 bleibt bestehen, wobei ein schwächerer Arbeitsmarkt möglicherweise zu einer Verzögerung der Zinserhöhung der FED zur Folge haben könnte. In der Zwischenzeit wird das britische Pfund in dieser Woche weiter unter Druck bleiben, wenn die am kommenden Dienstag veröffentlichten Inflationsdaten eine deutliche Verlangsamung zeigen. Erwartungen für das langsamste Wachstumstempo seit 2002 trüben die Attraktivität des britischen Pfundes und schränken die Möglichkeit der Bank of England für eine normalisierte Geldpolitik in 2015 ein. Die Inflation innerhalb der Eurozone fiel im Dezember ins Negative, was weiteren Druck für eine Intervention von Seiten der EZB darstellt. Während Merkel öffentlich die Einbeziehung von Staatsanleihen in den Mix des Quantitative Easing-Programms ablehnte, preisen die Märkte dies zunehmend ein. Bernhard Wenger geht davon aus, dass der Euro gegenüber den meisten G10-Währungen in dieser Woche weiter unter Druck bleiben wird.

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Uwe Görler ist seit fünf Jahren Finanzredakteur für das „EXtra-Magazin“ und das „Portfoliojournal“. Davor schrieb er in verantwortlicher Position für die „Zertifikatewoche“ und schrieb Beiträge für Hörfunk- und Fernsehsender, darunter Antenne Bayern und N24.