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ETF-Securities Marktbericht – KW 33/2015

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Aktuelle Hintergrundinformationen über die wichtigsten Rohstoff-, Währungs- und Aktienmärkte liefert der wöchentliche ETF Securities Marktüberblick.

Die Entscheidung der Chinesischen Zentralbank (Peoples Bank of China – PBOC), die Währung vergangene Woche um kumulative 5 Prozent abzuwerten, sowie die Fixingmethodik für den CNY zu ändern, sorgte für negative Reaktion in sämtlichen Anlageklassen. Investoren wurden defensiver und verabschiedeten sich von zyklischen Vermögenswerten. Rohstoffsektoren die besonders dem chinesischen Wirtschaftswachstum ausgesetzt sind, wie Energie und Industriemetalle, sahen einen reflexartigen Preiserutsch Reaktion auf die Ereignisse. USD-Schwäche (A1EK0W) half Rohstoffen zu einer gewissen Erholung, da die Erwartungen einer Zinserhöhung nach hinten geschoben wurden. „Viele Rohstoffpreise gaben zunächst um mehr als die Änderung des CNY / USD nach, was darauf schließen lässt, dass die Marktstimmung der Treiber ist und nicht Fundamentaldaten, meint BernhardWenger, Executive Director – Head of European Distribution von ETF Securities.

Rohstoffe

Fallende Ölpreise locken Investoren

WTI und Brent ETPs mit 48,2 Mio. USD und 12 Mio. USD Nettomittelzuflüssen, der siebten Woche in Folge. Der monatliche Bericht der Organisation Erdöl exportierender Länder (OPEC) bestätigt, dass die OPEC weiterhin die Welt überversorgt, wobei die gemeinsame Fördermenge 31,5 Mio. Barrel pro Tag (mb/d) im Vergleich zur Zielproduktion von 30 mb/d überstiegen hat. Investoren fanden Unterstützung durch den monatlichen Bericht der Internationalen Energie Agentur (IEA), der für 2015 die globalen Wachstumsaussichten nach oben revidierte, und eine Erhöhung der Nachfrageerwartungen von 1,6 mb/d im Jahr 2015 erwartet, dem größten Wachstum in fünf Jahren. Die wöchentliche Veröffentlichung der US Energy Information Agency (EIA) zeigte, dass US-Rohöl-Vorräte um 1,7 Mio. Barrel sanken, knapp unter den Erwartungen. „Allerdings zeigten der EIA Bericht auch, dass die Rohöllagerbestände das Vorjahresniveau um 86,5mn Barrel übertreffen und 93,2mn Barrel über dem Fünfjahresdurchschnitt liegen“, berichtet Wenger. Der WTI-Rohölpreis (A0KRJX) fiel auf ein 6 ½ Jahres-Tief von 41,3 USD pro Barrel, deutlich niedriger als sein globales Pendant Brent-Öl (A1N49P), welches unter 50 USD pro Barrel fiel, und sich der Preisabschlag auf 7 USD pro Barrel ausweitete. Dies ist auf steigende Lagerbestände in Cushing zurückzuführen. Rohölimporte für die Woche lagen bei 7,5 mb/d im Vergleich zu 7,18 mb/d in der vergangenen Woche. Offenbar nutzte China die niedrigeren Ölpreise für die eigenen Importe und nahm ein Rekordvolumen von 30,71 Mio. Tonnen Rohöl in den ersten 7 Monaten des Jahres ab, 10 Prozent mehr als noch vor einem Jahr.

Verkäufe in Höhe von 106,2 Mio. USD aus Gold ETPs markierte die 13. Woche in Folge von Nettomittelabflüssen. Chinas Reformen der Währungspolitik unterstützte Gold (A0N62G), das auf ein Drei-Wochen-Hoch von 1.120 $/oz stieg. ETP Investoren nahmen Gewinn mit, woraufhin die Abflüsse sich erneut beschleunigten, nachdem in der Woche diese sich zu verlangsamen schienen. Das World Gold Council (WGC) hat in ihrem Bericht die schwache Nachfrage nach dem gelben Metall im 2. Quartal hervorgehoben, wobei die Verbrauchernachfrage in Indien und China um 25 Prozent bzw. 3 Prozent gefallen ist. Das WGC erwartet jedoch, dass die aktuellen niedrigen Preise die Nachfrage der Verbraucher in diesen Ländern in ähnlicher Weise antrieben werden, wie sie es bereits in 2013 getan hatten.

Agrarwirtschaft ETPsweiterhin mit starken Zuflüssen.ETFS Agriculture (A0KRKB), ETFS Wheat (A0KRJ9) und ETFS Corn (A0KRJV), sahen allesamt die dritte Woche in Folge Zuflüsse, dieses Mal in Höhe von 6,6 Mio. USD, 2,3 Mio. USD und 2,6 Mio. USD respektive. In ihrem aktuellen Monatsbericht hob die USDA seine  US-Maisproduktions-Prognosen um 1,2 Prozent an, woraufhin der Preis um 1,6 Prozent über die Woche nachgab. „Doch mit einer höher werdenden Wahrscheinlichkeit, dass El Nino die zu Produktionsunterbrechungen noch in diesem Jahr führen kann, haben sich ETP Investoren bei Mais in Erwartung einer Preiserholung positioniert“, so Wenger.

Abflüsse aus Kaffee ETPs auf dem höchsten Stand in 10 Wochen. Preise für Arabica-Kaffee (A0KRJT) stiegen um 10,3 Prozent in der vergangenen Woche, woraufhin es zu Gewinnmitnahmen kam. Die Preise stiegen obwohl die IBGE, ein offizielles Statistikinstitut der brasilianischen Regierung, die Prognose der brasilianischen Kaffee Ernte um 800k-Säcke auf 44,2 Mio. Säcke anhob.

Aktien

Europäische Aktien mit Verlusten, da chinesische Reformen Luxusgüter und Autosektor trafen. Die europäischen Aktien Benchmarks öffneten die Handelswoche mit Verlusten, im Einklang mit anderen globalen Börsen, da die Anleger die potenziell negativen Auswirkungen eines schwächeren Renminbi für die chinesische Wirtschaft verdauten. Sektoren wie Grundstoffe, Luxusgüter und Autos waren am schlimmsten betroffen. Die überraschend schwächeren Q2 BIP-Zahlen aus Deutschland und Frankreich beeinträchtigten die Anlegerstimmung ebenfalls. „Im Gegensatz dazu haben die Chinesen Aktienmärkte nicht überreagiert, anders als viele andere Börsen, und die Woche mit Gewinnen abgeschlossen, trotz der schwächer als erwarteten Daten der Industrieproduktion und des Einzelhandels“, meint Wenger.

Währungen

Chinesischen Renminbi nach neuen Reformen um fast 5 Prozent abgewertet. Die signifikante Änderung der Politik war es jedoch, den neuen Renminbi Fixingkurs gegenüber dem Vortagesschlusskurs der CNY Rate zu setzen. Die Entscheidung der PBOC ermöglicht eine größere Wechselkursflexibilität und Transparenz von CNY Preisen. Als Grund der Reform gab die PBOC an, einen stärker vom Markt bestimmten Wechselkurs fördern zu wollen und nicht, um einen Währungskrieg zu starten. „Wir halten dies als Fortschritte hin zu einem vom Markt bestimmten Wechselkurs, was vorteilhaft für eine etwaige Aufnahme in den IWF-SZR ist“, meint Wenger. In der Tat begrüßte der IWF dies als einen „willkommenen Schritt“. Nichtsdestotrotz hat der IWF geäußert, dass die chinesische Politik „keine direkte Auswirkungen“ für eine etwaige SZR Aufnahme hätte. Sowohl der Australische Dollar AUD (A1EK0Q) als auch der Neuseeländische Dollar NZD (A1EK0U) verlorenen an Boden, da die Märkte teurere Exporte nach China erwarten und entsprechend geringere Nachfrage. „Für beide Währungen wird weitere Schwäche erwartet, mit ihren jeweiligen Zentralbanken weiterhin im Lockerungsmodus“, so Wenger. In der Zwischenzeit war die schwedische Krone die stärkste G10-Währung, nachdem Inflations-Daten nach oben überraschten, was die Riksbank von einer etwaigen Zinssenkung in der nächsten Sitzung abhalten dürfte.

 

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Uwe Görler ist seit fünf Jahren Finanzredakteur für das „EXtra-Magazin“ und das „Portfoliojournal“. Davor schrieb er in verantwortlicher Position für die „Zertifikatewoche“ und schrieb Beiträge für Hörfunk- und Fernsehsender, darunter Antenne Bayern und N24.