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ETF-Securities Marktbericht – KW 35/2015

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Aktuelle Hintergrundinformationen über die wichtigsten Rohstoff-, Währungs- und Aktienmärkte liefert der wöchentliche ETF Securities Marktüberblick.

Rohstoffe

Wie fast alle zyklische Assetklassen hatten auch Rohstoffe eine sehr turbulente letzte Woche. „Angst, dass Chinas Wirtschaft sich weiter verlangsamt zusammen mit fallenden Aktienmärkten haben zu Preiseinbrüchen bei Rohstoffen geführt.“ so Bernhard Wenger, Co-Head European Distribution ETF Securitiies. Der Bloomberg Commodity Index (A0KRKC) konnte die Woche jedoch im Plus beenden, Preistreiber waren dabei vor allem Öl (A0KRKM & A0KRKN) und Kupfer (A0KRJU). Auslöser für den stärksten Preisanstieg von Öl seit 1990 waren Spekulationen, dass die OPEC ihre Produktion zurückfahren könnte. Im Fokus dieser Woche werden das EZB Treffen, sowie Arbeitslosendaten aus den USA sein.

Mittlerweile neun aufeinanderfolgende Wochen mit Mittelzuflüssen in Öl-ETPs. Nach dem Preissturz vergangenen Dienstag auf die niedrigsten Niveaus seit 2009, konnten WTI (A0KRKN) und Brent (A0KRKM) ihren jemals größten Anstieg innerhalb eines Tages von 10 Prozent verzeichnen. „Innerhalb der letzten 3 Handelstage konnte WTI um 27 Prozent steigen, geflügelt von der Hoffnung vieler Marktteilnehmer, dass die OPEC ihre Produktion kürzen wird.“ so Wenger weiter. Long Öl ETPs erzielten Mittelzuflüsse von 60,1 Mio. USD, auch dank der besser als erwarteten USD BIP Daten. Um bis zu 5,5 Mio. Barrel niedrigere US Öllagerdaten sowie einen Ausfall von nigerianischen Öllieferungen Aufgrund einer Force Majeure von dem Betreiber Royal Dutch Shell Plc taten ein Übriges, um die Märkte positiv zu stimmen. ETFS Daily Leveraged Gas (A0V9Y3) konnte eine zweite Woche Mittelzuflüsse verzeichnen (2,7 Mio. USD), getrieben von Schnäppchenjägern, die auf einen Preisanstieg vor Ende der Sommerfahrzeit hoffen.

Industriemetallemit den größten Mittelabflüssen, vor allem ETFS Copper. Wenger: „Obwohl Kupfer (A0KRJU) einen Preisanstieg verzeichnen konnte, haben die Angst um eine verschwindende chinesische Nachfrage und der volatile Preis zu Mittelabflüssen in Höhe von 16,5 Mio. USD geführt.“ Der weltgrößte Kupferförderer, Codelco, reiht sich außerdem in die Reihe der Unternehmen ein, die ihre zukünftig geplanten Investitionen kürzen wollen.

Gold ETPskonnten Mittelzuflüsse in Höhe von 19,1 Mio. USD verzeichnen, während Palladium weiterhin verliert. Gold (A0LP78) konnte seinen Status als sicheren Hafen aufrechterhalten, Investoren investierten 15,2 Mio. USD in physisches Gold. Doch starke US Fundamentaldaten für Q2 2015 haben einen Preisverlust von 2,5% verursacht. Long Positionen in Palladium (A0N62E) sind auf einem 3-Jahres Tiefstand mit 5700 Kontrakten zurückgegangen, was zeigt, wie stark die chinesische Nachfrage den Preis für das industrielle Edelmetall beeinflusst.

ETFS Agriculture (A0KRKB) mit Abflüssen von 13,7 Mio. USD, den höchsten seit 7 Wochen. Das Wetterphänomen El Nino und nasse Wetterkonditionen in Indien und Thailand haben den Zuckerpreis (A0KRJ8) steigen lassen. Heißes, trockenes Wetter hat außerdem das EU Angebot beeinträchtigt, wovon vor allem der Maispreis (A0KRJV) profitierte. Das International Grains Council geht von einem Angebotsdefizit von Mais von 4 Mio. Tonnen aus. Bei Weizen (A0KRJ9) wird jedoch ein Überangebot von 4 Mio. Tonnen vorhergesagt, dieser verlor dadurch im Tagesverlauf.

Aktien

Wenn China einen Schnupfen hat... als chinesische Aktien (A1XEFE) fielen, haben globale Aktienmärkte sofort mit Abwertungen reagiert. „Die Korrelation zwischen dem chinesischen und westlichen Kapitalmärkten war bis dato eher gering, deswegen sind die Reaktionen der vergangenen Woche umso überraschender“, berichtet Wenger. Am Ende der Woche konnten die meisten westlichen Aktienmärkte ihre Verluste jedoch wieder aufholen. Die Volatilität des US-amerikanischen Aktienmarktes (A0Q8NE) vergangene Woche war die höchste seit 2011, als nur die Angst einer Zahlungsunfähigkeit der USA die Regierung dazu veranlasste, die maximale Verschuldungsgrenze zu erhöhen. Chinesische Aktien hingegen konnten ihre Verluste nicht wieder wettmachen, der MSCI China A-Share Index fiel um 8,5 Prozent, trotz einer Senkung der Zinsen, einer Verringerung des Mindestreservesatzes und weiteren Liquiditätsspritzen von Seiten der Regierung. Diese exzessive Unterstützung des Aktienmarktes verzerrt die aktuelle Situation und kann sich auf lange Sicht als negativ erweisen. Es wäre besser, die chinesische Regierung würde die volatilen Zeiten aussitzen umso ein robusteres, natürliches Wachstum zu fördern.

Währungen

Die Volatilität der Assetklasse läßt auf eine spätere Zinsanhebung vermuten. Laut dem Futures-Markt ist die Wahrscheinlichkeit einer Anhebung der Zinsen in den USA geringer als je zuvor. James Bullard, der Präsident der FED in St. Louis versucht noch, die Volatilität der Aktienmärkte von den Fundamentaldaten der USA abzugrenzen, sein Kollege aus New York, William Dudley hat jedoch schon verlautbaren lassen, dass eine Zinserhöhung nun weniger wahrscheinlich ist. Der US Dollar (A1EK0V) wertete zeitgleich zu den geringeren Zinsgefällen ab. Der Australische Dollar AUD (A1EK0P) und Neuseeländische Dollar haben am stärksten unter den negativen Rohstoffmärkten gelitten. Sollte die Reserve Bank of Australia sich dazu entscheiden, ihre Zinsen diese Wochen nicht zu senken, so sollte der AUD zusammen mit Rohstoffen wieder aufwerten. Währungen wie der japanische Yen und der Schweizer Franken haben sich wieder mal als sicherer Hafen erwiesen und stiegen, Gold jedoch konnte dem Druck nicht standhalten und gab Gewinne wieder ab. Diese Woche werden vor allem das EZB Treffen und Arbeitsmarktdaten aus den USA im Fokus der Finanzplatzakteure liegen.

 

 

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Uwe Görler ist seit fünf Jahren Finanzredakteur für das „EXtra-Magazin“ und das „Portfoliojournal“. Davor schrieb er in verantwortlicher Position für die „Zertifikatewoche“ und schrieb Beiträge für Hörfunk- und Fernsehsender, darunter Antenne Bayern und N24.