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ETF-Securities Marktbericht – KW 44/2015

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Aktuelle Hintergrundinformationen über die wichtigsten Rohstoff-, Währungs- und Aktienmärkte liefert der wöchentliche ETF Securities Marktüberblick.

Rohstoffe

Höchste Mittelzuflüsse in WTI Rohöl in 7 Monaten. WTI Rohöl stieg um 6,3 Prozent vergangenen Mittwoch, Grund waren niedrigere Lagerbestände als erwartet. In den vier Tagen vor der Veröffentlichung der Daten haben Investoren mehr als 86,2 Mio. USD in Öl ETPs investiert (WKN: A0KRJX, A0KRKM), bevor viele den Kurssprung als ideale Profitmitnahme nutzten und sich die Nettomittelzuflüsse am Ende der Woche auf 66,4 Mio. USD beliefen, den höchsten seit März 2015. Bernhard Wenger, Co-Head European Distribution ETF Securities: „Viele Investoren gingen korrekterweise davon aus, das der exzessive Lageraufbau der Vorwoche nicht wiederholt werden würde. Die Anzahl der Bohranlagen ist außerdem seit neun Wochen in Folge gefallen und liegt damit 63 Prozent unter dem Vorjahresniveau.“ Des Weiteren sind mehr als 200 Mrd. USD an CAPEX- Kürzungen bei zukünftigen Projekten eingeplant, was sich über kurz oder lang auf das globale Ölangebot auswirken wird und das Überangebot eindämmen sollte. Die OPEC produziert derweil auf Rekordniveau, was ihrer herkömmlichen Rolle als Helfer im Falle eines anderweitigen Produktionsausfalles nicht mehr entspricht und man angesichts möglicher Krisenherde beachten sollte.

Investoren kaufen Gold bei Preiseinbrüchen. Die recht eindeutig falkenhafte FED-Aussage von Mittwoch hat Gold 2,6 Prozent niedriger getrieben und damit 15,8 Mio. USD hinein in Gold ETPs (WKN: A0N62G, A0LP78). „Über die gesamte Woche hinweg haben wir 31,5 Mio. USD in Nettomittelzuflüssen gesehen, Investoren positionieren sich anscheinend für eine positive Gegenbewegung. Die nächsten beiden US-Arbeitsmarktreports werden wohl ausschlaggebend für eine Zinsanhebung in den USA werden, vor allem, da die FED globale Risiken abtut und mit ihrer Aussage einen Anstieg quasi ankündigt.“ so Wenger. Allerdings sind die Arbeitsmarktreports mit Vorsicht zu genießen, da sie sehr volatil sind und häufig im Nachgang noch einmal geändert werden müssen. Was bedeutet, dass Gold eventuell verfrüht nachgegeben hat.

Mittelzuflüsse bei US Erdgas auf 4-Monatshoch. Erdgaspreise stiegen um 11 Prozent an, nachdem Lagerbestandsdaten entgegen den Erwartungen nur gering zulegten. Anleger investierten 7,2 Mio. USD in Long Erdgas ETPs (WKN: A0KRJ3), wobei wir erwarten, dass viele Investoren bald ihre Gewinne mitnehmen werden, vor allem, da die Lagerbestände noch immer eine Standardabweichung über dem 5-Jahresdurchschnittswert liegen und der starke El Nino dieses Jahr eher einen milden Winter für die USA erwarten lässt.

Aktien

Änderung im Ton der Fed sorgt für volatile Handelswoche in globalen Aktien. Nachdem die Federal Reserve ihre Haltung gegenüber globalen Finanzrisiken lockerte und auf die Möglichkeit einer Zinserhöhung noch in 2015 verwies, handelten globale Aktien höher. Wenger: „Doch eine glanzlose Q3 Berichtssaison, verbunden mit schwächeren US-BIP Daten und sinkendem Vertrauen der Verbraucher, sorgten dafür, dass die Märkte den Großteil ihrer Wochengewinne wieder abgaben.“ Inflationsdaten der Eurozone und Deutschland kletterten aus dem negativen Bereich und das Verbrauchervertrauen stieg unerwartet an. In den USA waren ExxonMobil und Chevron die jüngsten Opfer der sinkenden Öl- und Gaspreise, sodass sie einen 63- und 47-prozentigen Rückgang der Gewinne je Aktie für das dritte Quartal berichteten. In Europa kündigte Royal Dutch Shell den schlimmsten Verlust in 16 Jahren an.

Währungen

Falkenhafte Fed erhöht die Aussichten auf eine Zinserhöhung in 2015. Der US-Dollar stieg im Anschluss an die Federal Open Market Committee (FOMC) Sitzung, gab aber sämtliche Gewinne nach einer Reihe von schwachen US-Konjunkturdaten wieder ab (WKN: A1EK0V). „Der Oktober-Arbeitsmarktbericht ist jetzt umso wichtiger als Hinweis für eine Zinsanhebung im Dezember seitens der datenabhängigen Fed“, meint Wenger. Schwedens Riksbank ließ ihren Leitzins unverändert, aber erweiterte das QE Anleihekaufprogramm um weitere 65 Mrd. SEK (WKN: A1DFSJ). Die neuseeländische Zentralbank deutete zunächst eine Zinssenkung an, entschied sich schließlich jedoch dagegen. Der chinesische Yuan erzielte seinen größten eintägigen Gewinn in zehn Jahren auf Spekulationen hin, die Zentralbank würde Reformen auf den auf Yuan lautenden Handel für ausländische Firmen fördern (WKN: A1EK0K). Der 1-prozentige Anstieg der japanischen Industrieproduktion nach einer Kontraktion von 1,2 Prozent im Vormonat, verstärkt die Japanische Zentralbank darin, an ihrer Politik fest zu halten, woraufhin der Yen Unterstützung fand (WKN: A1DFSE). Der Aussie-Dollar blieb niedriger, nachdem die schwächer ausfallende Inflation für Hoffnungen auf eine Zinssenkung in dieser Woche sorgte (WKN: A1EK0P).

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Uwe Görler ist seit fünf Jahren Finanzredakteur für das „EXtra-Magazin“ und das „Portfoliojournal“. Davor schrieb er in verantwortlicher Position für die „Zertifikatewoche“ und schrieb Beiträge für Hörfunk- und Fernsehsender, darunter Antenne Bayern und N24.