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ETF-Securities Marktbericht – KW 45/2015

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Aktuelle Hintergrundinformationen über die wichtigsten Rohstoff-, Währungs- und Aktienmärkte liefert der wöchentliche ETF Securities Marktüberblick.

Rohstoffe

Zuflüsse in Rohstoffkörbe stiegen auf ein 16-Monatshoch. Nachdem Rohstoffe in den vergangenen Jahren als Anlageklasse vernachlässigt wurden, feiern sie nun ihr Comeback in Anlegerportfolios. So erfuhren vergangene Woche die breiten Rohstoffkörbe vermehrte Mittelzuflüsse: ETFS Longer Dated All Commodities GO UCITS ETF (A1CXBV) mit 26,2 Mio. USD, ETFS EUR Daily Hedged All Commodities DJUBS EDSM (A1NZLK) mit 8,6 Mio. USD und ETFS Ex Agriculture and Livestock (A1RX1P) mit 5,7 Mio. USD. Damit verbuchten diversifizierte Rohstoffkörbe ihre höchsten Mittelzuflüsse seit Juli 2014. Im Gegensatz zu Einzelrohstoffen sind Rohstoffkörbe bei Investoren mit einem langen bis mittelfristigen, bullischen Anlagehorizont für den gesamten Rohstoffsektor beliebt. Für neuen Optimismus im Rohstoffsektor sorgen Kürzungen der Investitionskürzungen in den Bereichen Bergbau, Bohrungen und Verhüttung von Eisen, was zu einem eingeschränkten Angebot führen könnte und Preise damit positiv unterstützt. Obwohl der ISM-Einkaufsmanagerindex (EMI) in Entwicklungsländern eher einen gedämpften Eindruck hinterlässt, zeigt sich dieser in den Industrieländern zunehmend robust. Die EMI Lesungen vergangene Woche in Deutschland, den USA, im Euroraum und sogar der chinesische Caixin PMI übertrafen allesamt ihre Erwartungen, was überraschend für neues Aufwärtspotenzial in der Rohstoffnachfrage sorgt. Ein starker Arbeitsmarktbericht am vergangenen Freitag aus den USA unterstreicht ein ausreichendes Wachstumsumfeld für eine Zinserhöhung. Diese wichtige Voraussetzung könnte die Abwärtsrisiken für Rohstoffe durch steigende Zinsen begrenzen.

Mittelzuflüsse in Gold stiegen auf ein 11-Wochenhoch. Investoren erhöhen weiter ihre Allokation in das Edelmetall, sodass Gold (A0N62G) bereits die siebte Woche in Folge Mittelzuflüsse verbuchte. Der Goldpreis fiel vergangene Woche um 4,7 Prozent und die Aussichten für ein ansteigendes Realzinsumfeld legten zu, was in der Regel potentielle Gewinne in Gold deckeln. Dennoch stiegen die Mittelzuflüsse in Gold um 82,6 Mio. USD , was uns zu der Annahme veranlasst, dass Gold ein Comeback als Portfolio- und Währungssicherung wieder erobert. Gold hat als defensive Anlage in Zeiten eines konjunkturellen Aufschwungs oft schlechter abgeschnitten, erweist sich aber als ideale Beimischung während negativer Marktentwicklungen. Der Zeitpunkt der jüngsten Mittelzuflüsse deutet darauf hin, dass sich einige Anleger über die wirtschaftlichen Aussichten sorgen und weitere potentielle geldpolitische Impulse erwarten.

Mittelzuflüsse in ETFS Daily Short Copper (SCOP) erreichen nach weiteren 8,7 Mio. USD ein neues 2-Jahreshoch. Die Sorgen in wie weit Chinas Wirtschaftsaussichten robust sind halten an und drehen das Stimmungsbarometer für Industriemetalle ins Negative. Die Aussichten sind polarisiert, denn auch Long Kupfer-ETPs (A0KRJU) verbuchten erstmals seit drei Wochen wieder Mittelzuflüsse in Höhe von 5 Mio. USD.

Aktien

Ein positiver US-Arbeitsmarktbericht stärkt das Vertrauen in der größten Volkswirtschaft der Welt. Der am Freitag veröffentlichte und positive überraschende US-Arbeitsmarktbericht hat die allgemeine Tendenz der globalen Indizes nicht ändern können. Diese handelten vergangene Woche großteils schwächer und waren durch geringe Volumina gekennzeichnet. Die monatlichen Arbeitsmarktdaten außerhalb der Landwirtschaft übertrafen die Erwartungen mit 271.000 neu geschaffenen Arbeitsplätzen im Oktober. Die Arbeitslosenquote sank auf 5 Prozent und hat sich damit von ihrem Höchststand im Jahr 2009 halbiert, was der Fed für eine Zinserhöhung noch in diesem Jahr entgegen kommt. Eine rückläufige Nachfrage in der Eurozone führte zu einem unerwarteten Rückgang von 1,1 Prozent in der deutschen Industrieproduktion, sowie einem Einbruch der Industrieaufträge um 1,7 Prozent, was die Europäische Zentralbank zu weiteren Lockerungen der Geldpolitik verleiten könnte. Inzwischen stieg der Einkaufsmanagerindex (PMI) in der Eurozone auf 53,9 im Oktober und deutet somit auf eine mögliche Erholung hin.

Währungen

Starker US-Arbeitsmarktbericht beflügelt USD und erhöht die Perspektiven für eine Zinserhöhung in 2015. Zins-Futures preisten die Wahrscheinlichkeit für eine Zinserhöhung im Dezember auf 70 Prozent ein, nachdem der ausgezeichnete US-Arbeitsmarktbericht FED Präsidentin Janet Yellen’s Aussage für einen Zinsanstieg im Dezember mit „tatsächlich möglich“ unterstützte. Mit weniger als einem Monat bis zur Zinsentscheidung in den USA erhöhte sich die Wahrscheinlichkeit der geldpolitischen Divergenzen zwischen den USA, China, Europa und Japan, die weiterhin eine lockere Geldmarktpolitik verfolgen dürften. Ein taubenhafter Kommentar von Gouverneur Mark Carney von der Bank of England überraschte Anleger und drückte das britische Pfund tiefer. Das Sitzungsprotokoll vom Oktober der Bank of Japan ist optimistisch für die eigene Binnenwirtschaft, während Bedenken über China und den Schwellenländern weiterhin für Unsicherheiten sorgen. Die Europäische Zentralbank äußerte sich inzwischen zu weiteren möglichen geldpolitischen Lockerungen, sofern das wirtschaftliche Umfeld bis zu deren Dezembersitzung weiterhin schwach bleibt.

 

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Uwe Görler ist seit fünf Jahren Finanzredakteur für das „EXtra-Magazin“ und das „Portfoliojournal“. Davor schrieb er in verantwortlicher Position für die „Zertifikatewoche“ und schrieb Beiträge für Hörfunk- und Fernsehsender, darunter Antenne Bayern und N24.