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ETF-Securities Marktbericht – KW 49

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Aktuelle Hintergrundinformationen über die wichtigsten Rohstoff-, Währungs- und Aktienmärkte liefert der wöchentliche ETF Securities Marktüberblick.

Nach den jüngsten Kommentaren von Mario Draghi, welche auf eine zukünftig größere Rolle der europäischen Zentralbank in der Deflationsbekämpfung hinwiesen, werden alle Augen auf das kommende Treffen der EZB in dieser Woche gerichtet sein. Hier wird man sehen, ob der Rhetorik kurzfristig auch Taten folgen werden. Die Q3 BIP-Daten wurden nach oben korrigiert, was auf eine stärker als erwartete US-Wirtschaft hinweist. Wenn die amerikanischen Arbeitsmarktdaten (Beschäftigte außerhalb der Landwirtschaft) in dieser Woche über den Erwartungen liegen sollten, könnte dies der nächste Treiber für Kursgewinne von zyklischen Anlagen sein. Während in dieser Woche bullische Öl-Investoren von der Untätigkeit der OPEC getroffen werden, könnte sich ein weltweit günstigerer Preis für Öl unterstützend auf das Wirtschaftswachstum in ölimportierenden Nationen auswirken. Dies wiederum könnte ebenfalls der Kursentwicklung von zyklischen Anlagen zugutekommen.

Rohstoffe

Unveränderte Öl-Förderquoten der OPEC drücken auf Preis für Rohöl. Das mit Spannung erwartete Treffen der OPEC am vergangenen Donnerstag brachte keine gute Nachricht für den Preis von Öl, da das Kartell sich zur Beibehaltung ihrer täglichen Fördermenge von 30 Millionen Fässern entschied. Die OPEC-Länder, die zusammen 40 Prozent des weltweiten Öls produzieren, verzichteten auf eine Kürzung, da Nicht-Mitglieder wie Russland und Mexiko deutlich machten dieser Maßnahme nicht zu folgen. Die OPEC-Länder würden daher Marktanteile verlieren.

In der vergangenen Woche resultierte die Untätigkeit der OPEC in einem Preisrückgang von Brent in Höhe von -8,5 Prozent, wobei die meisten Verkäufe direkt nach dem Treffen auftraten (WKN: A0KRKM). Aus Bernhard Wengers Sicht, Leiter des europäischen Vertriebs, wird ein Preis für Brent von unterhalb 80 USD pro Barrel zwei wichtige Konsequenzen nach sich ziehen. Da das Preisniveau unter den Produktionsgrenzkosten ist und Produzenten damit an Profit verlieren, wird die erste Konsequenz eine Schmälerung der Produktion sein. Da die Mitglieder der OPEC damit zu kämpfen haben werden ihre Staatshaushalte auf dem derzeitigen Niveau auszugleichen, wird die zweite Konsequenz ein größerer Druck auf die OPEC vor ihrem nächsten Treffen im Juni 2015 sein. Die meisten OPEC-Länder benötigen Öl-Preise von über 100 USD pro Barrel, um ihre Staatshaushalte auszugleichen. Langfristig sollte dies das Umfeld für Öl besser unterstützen. Wir glauben, dass sich die OPEC-Länder wieder vereinen werden und an einer gemeinsamen Interessensvertretung arbeiten werden, anstatt den Preiskampf weiter anzuheizen. Das derzeitige Preisniveau von WTI liegt allerdings bereits unterhalb der Grenzkosten vieler Schieferölproduzenten in den USA, sodass dortige Angebotsrückgänge erwartet werden (WKN: A0KRKN).

Aufgrund von Bedenken über das Nickelangebot sah ETFSNickel die höchsten Zuflüsse seit Mai (WKN: A0KRJ4). So konnten 14,9 Millionen USD neue Kapitalzuflüsse in der vergangenen Woche verzeichnet werden. Einige Investoren befürchten, dass die Philippinen dem Beispiel Indonesiens folgen könnten und ein Verbot von Erzexporten aussprechen werden. China ist für seine Nickel-Roheisenproduktion (NPI) sehr abhängig von hochwertigen Laterit-Importen geworden. Wenn die Philippinen nun auch die Exporte des Erzes verbieten würden, könnte die chinesische Produktion von Nickel-Roheisen darunter leiden und die Nachfrage nach alternativen Rohstoffen in 2015 erhöhen.

Aktien

Zentralbanken treiben Aktien auf Rekordniveau. Nach den Kommentaren von Mario Draghi auf der European Banking Conference, auf welcher er die derzeitigen politischen Maßnahmen zur Preisstabilität innerhalb der Eurozone als unzureichend bezeichnete, konnten europäische Aktienwerte in der vergangenen Woche eindrucksvoll zulegen. Dies schürte Spekulationen der Anleger über eine Ausweitung des Anleihekaufprogramms der EZB, was einem „kompletten“ quantitative-easing-Programms gleich käme. Dadurch legte der DAX 30 um 5,18 Prozent und der FTSE MIB um 4,64 Prozent zu.

In Asien reagierten die chinesischen Aktienmärkte sehr stark auf die Zinssenkung der chinesischen Zentralbank. Diese reduzierte zum einen ihre Benchmark für 1-Jahreseinlagen, zum anderen reduzierte sie ihren Kreditzins. Dies zeigt die Bereitschaft der Zentralbank mit Maßnahmen die Wirtschaft zu unterstützen, sodass diese Ihre Wachstumsziele erreichen kann. Der MSCI China A Index stieg vergangene Woche um 7,9 Prozent, da insgesamt gesehen der chinesische Aktienmarkt nun erstmals seit 2011 mit einer Marktkapitalisierung von 4,48 Billionen USD der zweitgrößte Aktienmarkt der Welt ist und damit den japanischen Aktienmarkt auf Rang drei verdrängte (WKN: A1XEFE).

Währungen

Rohstoffwährungen vom schwachen Ölpreis negativ beeinflusst. Der starke Rückgang des Ölpreises in der vergangenen Woche schwächte die norwegische Krone. Gegenüber dem britischen Pfund verlor sie 2,5 Prozent, gegenüber dem US Dollar 1,9 Prozent und gegenüber dem Euro 1,9 Prozent. Ein bullischer US Dollar gegenüber dem strategischen Rohstoffwährungskorb schloss um 1 Prozent höher in der vergangenen Woche als zuvor. „Der US Dollar wird aufgrund einer auseinanderklaffenden weltweiten Währungspolitik weiterhin stärker werden“, glaubt Bernhard Wenger. Während die US-Notenbank wahrscheinlich eine striktere Zinspolitik in 2015 fahren wird, werden die EZB und die BOJ weiter Lockerungsmaßnahmen vornehmen. Die überraschende Aufwärtskorrektur des BIPs in den USA in der vergangenen Woche, sowie die optimistischen Erwartungen hinsichtlich der Veröffentlichung der Arbeitsmarktdaten am kommenden Freitag, trugen zur Dollarstärke bei. Die schweizerische Nationalbank wurde vom Zwangs-Goldankauf verschont und behält somit ihre Fähigkeit ihren Wechselkurs gegenüber dem Euro auf 1,20 zu begrenzen, nachdem die Schweizer Bevölkerung gegen den Vorschlag des Referendums am Wochenende abstimmte.

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Uwe Görler ist seit fünf Jahren Finanzredakteur für das „EXtra-Magazin“ und das „Portfoliojournal“. Davor schrieb er in verantwortlicher Position für die „Zertifikatewoche“ und schrieb Beiträge für Hörfunk- und Fernsehsender, darunter Antenne Bayern und N24.